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Hans Richter Der Staatsanwalt, vor dem die Großen zittern

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„Nah am Abgrund gelandet.“


LBBW Quelle: dpa

Der politische Sand im staatsanwaltschaftlichen Getriebe habe zu gefährlichen Missständen geführt: „Wir sind in den letzten fünf Jahren nah am Abgrund gelandet.“ Vor allem der Mangel an qualifiziertem Personal habe der Wirtschaftsabteilung zugesetzt. Gute Staatsanwälte hätten aufgrund besserer Entwicklungsmöglichkeiten in anderen Behörden oder als hoch bezahlte Wirtschaftsanwälte die Abteilung zu schnell wieder verlassen. „Die Fluktuation müssen wir in den Griff bekommen, sonst gehen wir unter“, warnt Richter.

Der Zustand seiner Abteilung ist neben den spektakulären Verfahren die zweite Baustelle, auf der Richter schuftet. Er will ein bestelltes Haus hinterlassen, wenn er 2016 geht – mehr gute Leute, weniger Fluktuation, schlagkräftige Strukturen. Wenn zwei Megaverfahren wie LBBW und Porsche zeitlich zusammenfallen, soll das die Behörde künftig nicht mehr an den „Rand des Ruins“ (Richter) bringen. Dazu baut er seine Abteilung um, ringt den Vorgesetzen neue Abläufe und neues Personal ab.

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    Für manche klingt das wie eine Drohung. Richter ist optimistisch: „Die Politik hat verstanden, dass die Bevölkerung es nicht mehr mitträgt, wenn der Eindruck entsteht, hier gibt es Kungeleien, hier wird behindert, hier gibt es keine gleichmäßige Strafverfolgung.“ Rückenwind gab ihm, auch wenn er das nie sagen würde, der Regierungswechsel in Baden-Württemberg. Die rot-grüne Landesregierung hat die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität als Ziel explizit in den Koalitionsvertrag aufgenommen. „Nicht selbstverständlich“, heißt es dazu in Richters Team.

    Der liebsten Sache treu bleiben

    Und was kommt nach der beruflichen Vollbremsung in zwei Jahren? Der Hobbykeller? Sein Hobby sei sein Beruf, sagt Richter, und klingt dabei sehr zufrieden. Der Vater eines erwachsenen Sohnes, der Wirtschaftsingenieur ist, will einfach seiner liebsten Sache treu bleiben. Er wird an Hochschulen, an Richter- und Anwaltsakademien weiter Wirtschaftsstrafrecht unterrichten. Er wird seine Liste wissenschaftlicher Veröffentlichungen, etwa zu Insolvenzrecht oder Anlagebetrug, verlängern.

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    Gut möglich, dass auch Artikel zum Thema Marktmanipulation dabei sind. „Wenn Richter es zur einer Verurteilung Wiedekings bringt“, sagt ein Jura-Professor, der an einer renommierten Universität lehrt, „dann hätte er sich um den Aktionärsschutz verdient gemacht – und Rechtsgeschichte geschrieben.“

    Noch so ein großes Wort. Richter wird es nicht gefallen.

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