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Harsche Kritik von US-Investor Wie die Musk-Schelte einzuordnen ist

Tesla: US-Investor Mark B. Spiegel attackiert Elon Musk Quelle: REUTERS

US-Investor Mark B. Spiegel kritisiert Tesla und Elon Musk seit Jahren. In einem Interview bezeichnet er die Fahrzeuge nun als „gefährlich“ und den Aktienkurs als „extrem überbewertet“. Was an den Vorwürfen dran ist.

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Glaubt man Mark B. Spiegel, hat Elon Musk Tesla vor die Wand gefahren. Die Aktie sei „extrem überbewertet“, Musk manipuliere aus seiner Sicht Aktienkurse und sei der „unmoralischste CEO, den ich jemals gesehen habe“, der Autopilot „ungetestet“, die Fahrzeuge seien „gefährlich“. Wann der Aufprall für Tesla kommt, ist laut Spiegel weniger die Frage. Vielmehr geht es darum, wie hart er wird: „Je länger es noch geht, desto schlimmer wird der Absturz.“ Die Zukunft der Elektromobilität, die gehöre deutschen Autobauern.

All das sagt der US-Investor und Leiter des Hedge-Fonds Stanphyl Capital in einem bemerkenswerten Interview. Dass er durchaus eigene Interessen hat, daraus macht Mark B. Spiegel keinen Hehl. Laut eigener Aussage setzt er seit 2013 auf fallende Tesla-Kurse, seit 2014 sei seine Short-Position auf Tesla auf mehrere Millionen Dollar angewachsen. Mit seiner Kritik erweise er der Öffentlichkeit aber einen Dienst, behauptet er. Was dran ist an seinen Vorwürfen.

1. Die Aktie sei „extrem überbewertet“

Auch wenn der Aktienkurs von Tesla in den letzten Tagen deutlich viel, mit aktuell 244 Euro pro Aktie liegt er deutlich höher als der von VW (146,26 Euro), BMW (71,70 Euro) oder Daimler (49,82) – obwohl alle drei Konzerne hohe Gewinne verbuchen können, im Gegensatz zu Tesla.

„Die Tesla-Aktie ist durchaus überbewertet“, sagt Stefan Bratzel. Der Branchenkenner und Leiter des Center of Automotive Management verweist auf Uber, Amazon in den ersten Jahren nach der Gründung und andere Tech-Konzerne, die ebenfalls über sehr hohe Bewertungen verfügten. „All diese Unternehmen verdienen noch nicht das Geld, was etablierte Unternehmen verdienen, aber genau das ist doch der Punkt.“ Die Aktienkäufer trauen diesen Unternehmen zu, künftig ganze Wirtschaftszweige zu dominieren – in der Hoffnung, dass sich dann das hohe Risiko auszahlt. „Das ist auch bei Tesla so, mit Manipulation hat das nichts zu tun.“

Ähnlich sieht es Ferdinand Dudenhöffer, Leiter CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen: „Die Wette auf Tesla ist riskant, aber Musk sind in der Elektromobilität Dinge gelungen, die kein konventioneller Autobauer geschafft hat. Er hat das Schnellladen mit seinen Super-Charger breit ausgerollt, er hat die 500 Kilometer Reichweite in den Markt gebracht, er hat das Elektroauto aus der Müsli-Ecke geholt und ein hoch-emotionales Produkt geschaffen.“ Es sei also eine Wette, die man durchaus eingehen könnte, der Vorwurf von Spiegel völlig überzogen.

2. Teslas Autopilot sei „ungetestet“, die Autos „gefährlich“

Als Anfang 2018 in Kalifornien ein 38-Jähriger mit einem Tesla-Elektroauto auf seinem Arbeitsweg von der Fahrbahn abkam und in eine Betonbarriere prallte, war der Autopilot eingeschaltet. Der Fahrer verstarb noch im Krankenhaus.

Tesla stand damals massiv in der Kritik, nicht zu Unrecht, findet Bratzel. „Beim Thema Autopilot ist Musk mit der Bewerbung weit über das Ziel hinausgeschossen.“ Letztlich sei es sein Ziel, einen Autopiloten zu entwickeln. „Das, was Tesla bisher entwickelt hat, ist aber kein Autopilot, sondern ein Fahrassistenzsystem“, sagt Bratzel. Sprich: Der Fahrer muss die Fahrt überwachen. Dass Tesla das nicht klarer kommuniziert habe, sei ein Versäumnis.

Daraus zu schließen, dass die Fahrzeuge an sich gefährlich sind, hält Bratzel für überzogen. „Mehrere Tests haben unabhängig voneinander gezeigt, dass Teslas Fahrzeuge sicher sind“, sagt Bratzel. Der „Autopilot“ sei nur gefährlich, wenn der Fahrer ihn falsch einsetze.

3. „Die Deutschen werden es jetzt viel besser machen“

In puncto Leistung und Verbrauch haben die deutschen Autobauer gegenüber Tesla aktuell noch das Nachsehen. „Das Model X 90D kommt bei 120 km/h auf einen Energieverbrauch von 24,8 Kilowatt“, sagt Dudenhöffer. Audis Modell, der e-tron, verbrauche 30,5, der Jaguar I-Pace sogar 31 Kilowatt. „Musks Batteriesystem und die Technik, die er verbaut, sind aktuell allen anderen Herstellern weit voraus“, sagt Dudenhöffer. „Auf dem Feld der Elektromobilität und der -speicher ist Tesla Innovationsführer.“ Mit dem Kauf des Kondensator-Spezialisten Maxwell Technologies dürfe das auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Maxwell Technologies arbeitet an sogenannten Superkondensatoren, die in Sekunden aufgeladen werden können. Die Technologie ist zwar noch nicht serienreif, aber Musk erwartet sich viel von ihr.
Geht es um die Verarbeitungsqualität der Fahrzeuge, spricht US-Investor Spiegel aus Sicht von Bratzel einen wunden Punkt an: „Mit den etablierten Herstellern kann Tesla nicht mithalten.“ Dafür übertrumpfe Tesla die Konkurrenz in anderen Bereichen: Mit Software-Updates per Funk, dem Fahrgefühl, der Leistung.
Wie lange das so bleibt, ist offen. „Tesla bekommt mehr und mehr Konkurrenz“, sagt Bratzel. Der modulare Elektrobaukasten, den VW entwickle, sei sehr spannend. „Aber bis deutsche Produzenten Teslas Vorsprung aufholen, wird noch viel Zeit vergehen.“

Letztlich lebt Tesla vor allem von der visionären Kraft von Elon Musk – und seinem Einsatz als „Ein-Mann-Marketing-Abteilung“, wie Bratzel ihn nennt. Die Kritik an Musks Unternehmensführung sei in Teilen durchaus angebracht, nicht alles, was er mache sei regelkonform. „Insofern ist es gut, dass jemand darauf aufmerksam macht“, sagt Bratzel.
Allerdings glauben weder Dudenhöffer noch Bratzel, dass es so schlecht um Tesla bestellt ist, wie Spiegel sagt.

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