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Harte Zeiten für Autozulieferer Schock bei Schaeffler: Geißinger verlässt Konzern

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Die Folgen des Desaster-Deals

Welche Autobauer am besten für die Zukunft gerüstet sind
Mazda Quelle: dapd
Suzuki Quelle: obs
Der PSA-Konzern, zu dem die Marken Peugeot und Citroen gehören, liegt wie zuvor auf Platz 11. Für die Franzosen rächt sich laut CAM-Ranking ihre starke Fokussierung auf den europäischen Markt, der zunehmend härter umkämpft wird und zugleich Marktrückgänge verzeichnet. Quelle: dpa
Ebenfalls noch im Bereich der "Low Performer" befindet sich der Renault-Konzern. Allerdings konnte sich das französische Unternehmen um respektable vier Plätze nach oben kämpfen und landete so immerhin auf Platz 10. Und das, obwohl Renault einen Absatzrückgang von 7,1 Prozent verkraften musste. Quelle: REUTERS
Chrysler Quelle: REUTERS
Toyota Quelle: REUTERS
nissan Carlos Ghosn Quelle: REUTERS

An den Folgen des Desaster-Deals trägt Schaeffler bis heute. Noch Ende 2011 stand die Gruppe mit zwölf Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide, allein für 2012 fielen Zinslasten von 600 Millionen Euro an, was den finanziellen Spielraum massiv einengt. Die durch eine Bündelung des Einkaufs erzielten Einsparungen waren da nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal statt der angepeilten 350 bis 400 Millionen Euro im Jahr bisher nur 150 bis 160 Millionen zusammenkamen.

Mittlerweile hat sich die Lage ein wenig entspannt, Schaefflers Schuldenlast ist um rund drei auf immer noch stattliche neun Milliarden Euro gesunken. Die Entlastung ist im Wesentlichen das Verdienst von Finanzvorstand Klaus Rosenfeld, vor allem aber eine Folge der schnellen Konjunkturerholung nach der Krise.

Poltergeist und Raubein - Schaeffler-Chef Geißinger steht angeblich vor der Ablösung. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: dpa

Rosenfeld konnte in Verhandlungen mit den Banken die Konditionen für die Kredite verbessern, die Conti-Beteiligung wurde in mehreren Schritten gesenkt. Das vorerst letzte Conti-Aktienpaket von 3,9 Prozent verkaufte der frühere Finanzchef der Dresdner Bank vor zwei Wochen dank der Kursrally für eine knappe Milliarde Euro. Jetzt hält Schaeffler noch 46 Prozent an seiner Beteiligung. Das soll auch so bleiben: "Sie ist für uns von langfristig strategischer Bedeutung", ließen Mutter und Sohn Schaeffler nach dem Deal mitteilen.

Aber wie geht es jetzt weiter? Sicher ist: Fusion und Integration der beiden Autozulieferer sind vom Tisch. "Vermutlich war die nach der unfreiwilligen Conti-Übernahme verkündete Idee ohnehin nur der untaugliche Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen", glaubt ein Brancheninsider. "Da hätte zusammenwachsen sollen, was nur zum Teil zusammengehört. Im Gegensatz zur Übernahme des früheren Konkurrenten FAG Kugelfischer einige Jahre vorher erschließt sich die industrielle Logik bei Continental nur zum Teil." Bei Schaeffler ist von Zusammenarbeit denn auch nur "projektbezogen" die Rede, Conti spricht auf Nachfrage von "mehreren Dutzend gemeinsamer Projekte, die im Wesentlichen auf Produktebene unterwegs sind".

Wenige rosige Aussichten

Mehr Freude bereitet den Schaefflers das operative Geschäft. Trotz der schlechten Verfassung der europäischen Automärkte, der Probleme südeuropäischer Hersteller und der konjunkturellen Abkühlung in China hat Schaeffler seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2013 mit 5,6 Milliarden Euro gehalten. "Wir sind außerordentlich zufrieden mit der Entwicklung der Sparte Automotive, die sich trotz des schwierigen Marktumfelds in Europa hervorragend behauptet hat", freute sich noch vor kurzem der geschasste Vorstandschef Geißinger. Abstriche gab es im Industriegeschäft, dort musste Schaeffler einen ordentlichen Dämpfer hinnehmen.

Auch mit der operativen Rendite können die Anteilseigner halbwegs zufrieden sein: Die ist zwar geringer als im ersten Halbjahr 2012, liegt mit knapp 13 Prozent aber deutlich über dem, was Mitbewerber verdienen. Eine Studie der Beratung Berylls Strategy Advisors aus München sieht Schaeffler beim operativen Ergebnis auf Platz eins aller europäischen Zulieferer. Im Schnitt kommen die globalen Zulieferer nur auf 6,5 Prozent, hat eine gemeinsame Studie der Beratung Roland Berger und der Investmentbank Lazard ergeben.

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