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Harte Zeiten für Autozulieferer Schock bei Schaeffler: Geißinger verlässt Konzern

Fünf Jahre nach der missglückten Übernahme von Continental ist der fränkische Autozulieferer Schaeffler noch längst nicht aus dem Schneider. Nun verlässt Manager Jürgen Geißinger das Unternehmen.

Mutter und Sohn - Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler sind Alleineigentümer der Schaeffler AG. Quelle: dpa

Probleme mit der Handbremse gehörten früher zu den häufigsten Mängeln, wenn Autos zum TÜV mussten, meist waren die Seilzüge festgerostet. Inzwischen taucht die Feststellbremse seltener in den Mängelberichten auf, die mechanische Handbremse ist ein Auslaufmodell. Immer mehr neue Autos haben eine elektrische Parkbremse, die ohne anfällige Mechanik auskommt.

Zu den wichtigsten Herstellern solcher Parkbremsen zählt Continental: Der Autoelektronik- und Reifenhersteller aus Hannover liefert die Steuergeräte, der Herzogenauracher Kugel- und Wälzlagerspezialist Schaeffler die Mechanik. Die Bremsen gehören zu einer Handvoll Zulieferkomponenten, die die beiden Autozulieferer gemeinsam herstellen und vermarkten.

Die größten Automobilzulieferer
Continental will weiter wachsenTrotz negativer Währungskurseinflüsse und weiter schwacher Konjunktur in Südeuropa hat Continental 2013 deutlich zugelegt. Die Hannoveraner erhöhten ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 33,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 3,7 Milliarden Euro - es handelt sich noch um vorläufige Eckdaten. Die vollständigen Zahlen und den Nettogewinn will Conti bei der Bilanzvorlage am 6. März nennen. Vorstandschef Elmar Degenhart sagte am Rande der Automesse in Detroit, er erwarte 2014 ein Umsatzplus von mehr als 5 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Die deutschen Automobilzulieferer sind im internationalen Vergleich top - doch in puncto Profitabilität läuft ihnen die Konkurrenz aus Korea bereits den Rang ab. Der Zulieferer... Quelle: dpa
... Schaeffler ist dank guter Geschäfte mit seiner Autosparte allerdings ganz ordentlich in das neue Jahr gestartet. Der Bereich sei im Vergleich zu 2012 um drei Prozent gewachsen - der Umsatz der Industriesparte sei dagegen deutlich zurückgegangen. Unter dem Strich habe das fränkische Unternehmen bis Ende März einen Gewinn von 233 Millionen Euro erzielt. Damit ist Schaeffler der profitabelste Automobilzulieferer. Das Ranking der größten Unternehmen der Branche teilen sich jedoch andere. Da noch nicht alle Unternehmen ihre Zahlen für 2013 vorgelegt haben, beziehen sich die Daten in den folgenden Texten auf 2012. Quelle: dpa
Platz 10 - FaureciaDer französische Automobilzulieferer eröffnet die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt. Die Franzosen fertigen Abgasanlagen, Stoßfänger und Innenräume. (Vorjahr: Platz 11) Umsatz 2012: 17,4 Milliarden EuroMarge: 0,5 Milliarden Euro, das entspricht 3,0% vom Umsatz Quelle: Berylls Strategy Advisors "Global Top Automotive Suppliers" Studie 2012 Beachtung finden Unternehmen, die mindestens 50 Prozent des Umsatzes im Automotive-Bereich erwirtschaften. Dieser Umsatzteil wird auch im Ranking herangezogen. Quelle: Presse
Platz 9 - Johnson ControlsObwohl der nordamerikanische Automarkt 2012 enorm gewachsen ist, konnte der US-Hersteller seine Position vom Vorjahr nicht halten. Die Amerikaner stellen an 1300 Standorten weltweit Elektronik, Batterien, Türen, Innenräume und Sitze her. (Vorjahr: Platz 8) Umsatz 2012: 20,6 Milliarden EuroMarge:1,2 Milliarden Euro; das entspricht 5,6% vom Umsatz Quelle: Presse
Platz 8 - MichelinDer französische Hersteller produziert jährlich über 180 Millionen Reifen und ist mit 69 Produktionsstandorten in 18 Ländern der Welt vertreten. Für Michelin arbeiten mehr als 113.000 Menschen. (Vorjahr: Platz 7) Umsatz 2012 : 21,5 Milliarden EuroMarge: 2,4 Milliarden Euro; 11,3% vom Umsatz Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7 - Hyundai MobisDas Wachstum des koreanischen Zulieferers ist eng mit den Zuwächsen beim Autobauer Hyundai Kia verbunden. Mobis hat aber auch durch die Übernahmen von Daewoo Motors durch GM und Samsung Motors durch Renault-Nissan Zugang zu den zwei größten OEMs der Welt erhalten. 65 Prozent des Geschäfts von Hyundai Mobis werden heute außerhalb des koreanischen Heimatmarktes getätigt. (Vorjahr: Platz 10) Umsatz 2012: 21,8 Milliarden EuroMarge: 2,1 Milliarden Euro; das entspricht 9,4% vom Umsatz Quelle: Presse
Platz 6 - AisinPumpen, Motorteile, Federung und Sicherheitssysteme sind das Geschäft des japanischen Autozulieferers Aisin Seiki. 2011 knackte der Konzern erstmals beim Umsatz die 20-Milliarden-Euro-Marke und hält sie seither souverän. (Vorjahr: Platz 6) Umsatz 2012: 22,5 Milliarden EuroMarge: 1,5 Milliarden Euro; das entspricht 6,7% vom Umsatz Quelle: Presse

Umsatzmäßig spielt das Gemeinschaftsangebot bei den Tausenden von Teilen umfassenden Sortimenten kaum eine Rolle. Symbolisch aber schon, denn es gehört zu den wenigen tatsächlich realisierten Projekten eines mit großem Tamtam angekündigten Synergieprojekts nach der Übernahme von Continental durch Schaeffler.

Die spektakuläre Aktion im Herbst 2008 sollte den fränkischen Familienkonzern stärken, die geplante Fusion mit dem dreimal so großen Zulieferer aus Hannover die Expertise für zusätzliche Tätigkeitsfelder bringen und neue Märkte erschließen. Schaeffler wollte damit die Voraussetzungen schaffen, riesige Synergien zu heben und zu den ganz großen Playern im globalen Autozuliefergeschäft aufzuschließen.

Der Traum ist ausgeträumt

Fünf Jahre später ist der Traum ausgeträumt: Die Fusion ist abgeblasen, die Synergieeffekte sind überschaubar. Trotz mehrerer Umschuldungsaktionen schiebt Schaeffler immer noch einen Schuldenberg von neun Milliarden Euro vor sich her. Jetzt gerät die im Familienbesitz befindliche AG in die Schlagzeilen, weil Jürgen Geißinger mit sofortiger Wirkung den Konzern verlässt. Dies beschloss der Aufsichtsrat am Freitagvormittag. Die Entscheidung sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt, teilte Schaeffler mit. "Mit dem heute beschlossenen Wechsel an der Führungsspitze ist der Weg frei, um die Schaeffler-Gruppe und ihre Führung für die Zukunft neu auszurichten", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Georg F. W. Schaeffler. Er danke Geißinger für seinen Einsatz.

Das "Handelsblatt" hatte kurz zuvor unter Berufung auf Unternehmerkreise darüber berichtet. Das Verhältnis Geißingers zu den Eigentümern Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg F.W. sei zerrüttet. Das Führungschaos sei perfekt, weil der Wunschnachfolger für den Chefposten, Klaus Deller, von seinem aktuellen Arbeitgeber Knorr-Bremse offenbar blockiert werde. Daher müsse interimsmäßig Schaeffler-Finanzchef Klaus Rosenfeld die Verantwortung übernehmen, berichtete das Blatt weiter. "Ein Streit, der zur Unzeit kommt", kritisiert ein Schaeffler-Insider.

Rückblende in das Jahr 2008: Mithilfe mehrerer Banken hatte Schaeffler sich bis zum Juli verdeckt Zugriff auf gut 36 Prozent der Conti-Aktien verschafft. Um für eine strategische Partnerschaft auf einen Anteil von knapp 50 Prozent zu kommen, gaben die Herzogenauracher Ende Juli ein öffentliches Übernahmeangebot für die restlichen Conti-Aktien ab.

Das hätte den Konzern fast die Existenz gekostet. Denn als nach der Lehman-Pleite im September die Aktienkurse kollabierten, musste Schaeffler 90 Prozent der Conti-Anteile übernehmen. Zusammen hatten Conti und Schaeffler durch die unfreiwillige Vereinigung Schulden von mehr als 20 Milliarden Euro am Hals. Zusätzlich ins Schlingern geriet das Doppel durch die anschließende Wirtschaftskrise. Nur ein Stillhalteabkommen mit den Hausbanken verhinderte den Kollaps.

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