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Hauptversammlung Audi-Chef hat "klaren Anspruch auf die Nummer 1"

Audi-Chef Rupert Stadler hat die Aktionäre bei der Hauptversammlung mit guten Nachrichten beglückt. Die dankten es mit Lob und Gratulation - aber auch einigen skurrilen Vorschlägen.

VW plant Crafter-Werk in Polen
Posen, PolenVolkswagen steht kurz vor dem Bau eines neuen Werkes in Polen für seinen Großtransporter Crafter. Die Konzernzentrale in Wolfsburg favorisiere den Standort im Großraum Posen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Managements im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover-Stöcken, das auch auf den Zuschlag für den Crafter-Bau hoffte. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete ebenfalls von entsprechenden Plänen. Bisher lässt VW den Großtransporter bei Daimler bauen, der Crafter gleicht größtenteils dem Mercedes-Sprinter. Die Kooperation läuft 2016 aus. Nach dpa-Informationen könnte die Fabrik in Stöcken künftig Teile der Produktion des VW-Kompaktvans Touran bekommen. VW war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Quelle: dpa
Puebla, MexicoVW gilt in Mexiko als Erfolgsgeschichte. Rund zehn Millionen Autos haben die Wolfsburger bislang am Standort Puebla gebaut. Eine ganze Region hängt an dem Riesenwerk. Auf dem Weg zum größten Autokonzern der Welt soll der neue Golf nun den schwierigen US-Markt erobern. „Der Produktionsstart des Golf 7 wird Volkswagen in Nordamerika ordentlich Schub nach vorn geben“, sagt auch VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn bei der Jubiläumsfeier. Bis 2018 will Volkswagen in der Region sieben Milliarden US-Dollar investieren. Ein Großteil davon dürfte nach Mexiko fließen. Quelle: AP
Foshan, China300.000 neue Golf-Modelle sollen in Foshan jährlich vom Band rollen - vorerst. Das neue Volkswagen-Werk in der südchinesischen Provinz Guangdong, nahe der Stadt Foshan soll in einer zweite Phase auf eine Kapazität von 600.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. 6500 Beschäftige hat das Werk bisher. VW-China-Vorstand Jochem Heizmann erklärte, VW befinde sich zudem in "intensiven Gesprächen" mit seinem chinesischen Partner FAW. Dabei gehe es um eine Erhöhung des VW-Anteils am Joint-Venture FAW-Volkswagen auf von 40 auf 50 Prozent. Angesichts der Krise auf dem europäischen Automarkt wird für VW das Geschäft in China immer wichtiger. Im vergangenen Jahr produzierten die Wolfsburger mit ihren beiden chinesischen Partnern SAIC und FAW gut 2,6 Millionen Fahrzeuge. Bis 2018 sollen die Kapazitäten früheren Angaben zufolge in China auf vier Millionen Autos pro Jahr ausgebaut werden. Quelle: dpa
Changchun, ChinaModelle: VW Jetta, New bora, Golf, Sagitar, Magotan, Magotan CC, Motoren, Getriebe Das Joint-Venture mit FAW gingen die Wolfsburger 1991 ein. Fast 16.000 Menschen arbeiten in den gemeinsamen Werken. In Ningbo hat Volkswagen mit dem Bau eines neuen Werkes in China begonnen. Es soll 2014 fertig gestellt sein und eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen jährlich haben. Quelle: dpa/dpaweb
Puebla, MexikoModelle: Beetle, Jetta, Golf Variant In Puebla produziert Volkswagen seit 1964. Mehr als 15.000 Menschen arbeiten hier für Volkswagen. Werk Nummer 101 soll übrigens ebenfalls in Mexiko entstehen. Ab 2016 wird Audi hier den Q 5 produzieren. Quelle: dpa
Wolfsburg, DeutschlandModelle: Tiguan, Touran, Golf, Golf Plus Seit 1938 besteht das Werk Wolfsburg. Am Stammsitz des Volkswagen-Konzerns arbeiten fast 50.000 Menschen. Quelle: dpa
Chattanooga, USAIm Mai 2009 war in Chattanooga der offizielle Baubeginn des ersten amerikanischen VW-Werkes. Die Fertigung dort sollte laut Konzernangaben 2011 mit einer jährlichen Gesamtkapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen starten. Dieses Ziel hat der Autobauer erreicht: Mittlerweile ist dort der 250.000. Passat vom Band gelaufen. „Vor zwei Jahren haben unsere Leute gerade mal gelernt, Autos zu bauen“, erklärte Werksleiter Frank Fischer. „Ich bin sehr stolz auf dieses Team.“ Der US-Passat ist eine Erfolgsgeschichte: Die Produktion hatte am 18. April 2011 begonnen. Das auf den amerikanischen Geschmack abgestimmte Modell verkaufte sich auf Anhieb deutlich besser als der aus Europa importierte Vorgänger. Auch dank des Passat haben sich die Verkäufe der Marke VW in den USA von 2009 bis 2012 verdoppelt. Quelle: dpa

Es ist schon eine sehr spezielle Hauptversammlung, eher ein Familien- denn ein Aktionärstreffen. Eigentlich könnte man sich das Ganze auch sparen. Denn immerhin 99,55 Prozent der insgesamt 43 Millionen Audi-Aktien befinden sich seit bald 50 Jahren im Besitz des Volkswagen-Konzerns, nur 0,45 Prozent befinden sich in Streubesitz, liegen in den Depots ehemaliger NSU- und Audi-Mitarbeiter oder deren Hinterbliebenen.

Die Volatilität ist entsprechend gering - zum Preis von 628 Euro wurden am Mittwoch beispielsweise an der Börse gerade einmal 80 Aktien gehandelt. Statt Dividenden gibt es Ausgleichszahlungen, die sich an der Dividende auf VW-Stammaktien orientiert. Für dieses Jahr soll es demnach exakt vier Euro pro Aktie geben - das kann sich sehen lassen.

Aktionäre als Fans

Die 600 Aktionäre und ihre Angehörigen sind also in erster Linie Fans, die vor allem nach Ingolstadt reisen, um sich einen schönen Tag zu machen: die neuesten Modelle anzusehen, ein Informationspaket samt Modellauto - in diesem Jahr eine Miniaturausgabe der Audi A3 Limousine - in Empfang zu nehmen und ein schmackhaftes Mittagessen einzunehmen. Damit Vorstand und Aufsichtsrat nicht vor leeren Rängen tagen, wird das Büffet allerdings erst geöffnet, wenn die Reden gehalten sind.

Entsprechend friedlich verlaufen die Hauptversammlungen, die wechselweise in den Auslieferungszentren von Audi in Ingolstadt und Neckarsulm abgehalten werden. Dort, wo sonst neue Fahrzeuge ihren Besitzern übergeben werden, hielten heute Vormittag die Audi-Vorstände und ihr Aufsichtsrat Hof, an ihrer Spitze Rupert Stadler, Martin Winterkorn und Ferdinand Piech.

Überraschungen waren nicht zu erwarten - und wurden auch nicht präsentiert. Audi sieht sich auf einem guten Weg und will in diesem Jahr noch besser werden - so lassen sich die News des Tages zusammenfassen. "Wir gehen mit einem hochmotivierten Team an unsere Aufgaben heran, mit dem klaren Anspruch auf die Nummer 1", versicherte Audi-Chef Stadler den Aktionären.

Woran die Scheichs beteiligt sind
Deutsche Bank Quelle: dpa
Autohaus von Porsche Quelle: AP
Autohaus von Mercedes-Benz Quelle: AP
James Hogan und Wolfgang Prock-Schauer Quelle: REUTERS
Helm mit der Aufschrift "Hochtief" Quelle: dpa
Windpark Quelle: dpa
Credit Suisse Quelle: REUTERS

Sein Finanzchef Axel Strotbek verwies auf die hohe Ertragskraft des Audi-Konzerns, der "trotz eines herausfordernden Marktumfelds" eine operative Umsatzrendite von 10,1 Prozent erreichte und damit "erneut über unserem strategischen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent" lag.

Auch die Kapitalrendite lag im vergangenen Jahr mit 26,4 Prozent in einer beachtlichen Größenordnung. Für 2014 plane man erstmals eine Umsatzgröße von über 50 Milliarden Euro und auch ein kräftiges Wachstum beim Absatz. Stadler: "Auch dieses Jahr wollen wir unsere Rundenzeiten verbessern." Er kündigte eine Reihe neuer Modelle an und einen Ausbau der Aktivitäten in Wachstumsmärkten.

Auch in Deutschland gebe es Wachstum: Mit einem Marktanteil von 8,9 Prozent sei Audi derzeit die Nummer eins im Premiumsegment. "Und das ist gut so", fand nicht nur Vertriebsvorstand Luca de Meo.

Bei den Aktionären kamen solche Botschaften sehr gut an: Stadler wurde bei seinem Beitrag immer wieder von Applaus unterbrochen. Später gab es aus dem Kreis der Aktionäre reichlich Dankeschön, Lob und allerlei Gratulationen für den guten Kurs des Unternehmens, auch wortreiche Verbeugungen vor der "geniösen" Arbeit des Ingenieurs und früheren Audi-Chefs und heutigen Aufsichtsrats Ferdinand Piech.

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Allerdings, das soll nicht verschwiegen werden, gab es auch kritische Stimmen aus dem Kreis der Aktionäre: Der Kurs der Aktie von aktuell rund 630 Euro, hieß es da, bewege sich kaum und spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wieder. Und die Dividende könnte höher sein, meinte einer der Kleinst- und "Nano"-Aktionäre. Sein Vorschlag: Man könnte ja vielleicht noch eine Naturaldividende in Form eines Gutscheins für den Autokauf obendrauf legen.

Doch die Frage, wann Audi von der Börse genommen werde - immerhin könnte der Konzern dadurch die eine oder andere Millionen Euro einsparen - kam nicht.

Kurz nach 12 waren alle Fragen gestellt, kurz nach 1 Uhr alle Fragen beantwortet. Passt schon - Mahlzeit!

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