Hauptversammlung BMW ist weiter auf Rekordkurs

BMW verkauft stetig mehr Autos und verdient immer mehr Geld. Der weltweite Appetit auf schicke, teure und große Autos spült den deutschen Oberklasseherstellern Milliarden in die Kassen. Geld, das die Industrie noch dringend brauchen wird, sagen die Konzerne.

Wo BMW Konkurrent Audi überholt
Leichtbau mit KarbonSeit 2013 produziert BMW Karosserien aus Karbon in Serie. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 werden zum Großteil aus dem neuen, leichten Kohlefaser-Material gefertigt. Auch Audi setzt auf Leichtbau, doch die Tage der großen Innovationen liegen weit zurück. Der Audi A8 war 1994 die erste Serienlimousine mit einer Aluminiumkarosserie. Karbon kommt beim R 8 und RS 3 zum Einsatz - im großen Stil setzt man in Ingolstadt aber nicht auf die faserverstärkten Kunststoffe. Und während BMW-Großaktionärin Susanne Klatten über ihre Anteile an SGL Carbon den Zugang zum Werkstoff der Zukunft für den Autohersteller gesichert hat, bleibt es bei Audi seit 2011 bei einer Entwicklungspartnerschaft mit Voith. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
ElektroantriebErst kommt der i3, dann der i8 - BMW setzt voll auf den Elektroantrieb. Ob die Kunden diesen Mut belohnen, wird sich noch zeigen. Klar ist, BMW positioniert sich als innovativer Autobauer mit Visionen. Audi holt sich dagegen den Titel als größter Zauderer. Beim Elektrosportwagen R 8 e-tron und auch beim A 2 e-tron zogen die Ingolstädter den Stecker und setzen nun auf ein Sammelsurium an Antriebsarten - Plug-In-Hybride, Erdgas-Varianten, sparsame Diesel und Benziner. Ökonomisch wird Audi damit Ende wahrscheinlich sogar besser fahren - ihrem Image als technischer Vorreiter wird die VW-Tochter aber nicht mehr gerecht. Quelle: dpa
Lifestyle-KleinwagensegmentMit der britische Tochter Mini startete BMW seit 2001 im Premium-Kleinwagensegment so richtig durch und das mit Preisen, die deutlich über den Kosten für andere Stadtflitzer liegen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Mehr als 300.000 Stück setzte BMW 2012 ab. Dafür sorgen auch zig Abwandlungen und Ausstattungsvarianten bei Innenraum, Farbe und Lack. Den A1 nahm Audi erst 2010 ins Programm auf. Seit 2011 gibt es ihn als Sportback mit vier Türen. Weitere Varianten, die der BMW Mini längst bietet - wie etwa Kombi oder SUV bzw. Crossover - stehen noch aus. Auch wenn der A 1 eindeutig praxistauglicher ist und in der Verarbeitung mehr überzeugt als der Mini - in diesem Segment hat BMW die Nase vorn. Quelle: REUTERS
DesignIn jüngster Vergangenheit häufen sich die Kritikpunkte an der Optik der Audi-Modelle. A4 und A6 sind zu ähnlich, auch die SUV Q3 und Q5 unterscheiden sich kaum. Der nun geschasste Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, das Problem in Angriff zu nehmen - jetzt wird sich sein Nachfolger Ulrich Hackenberg um mehr Abwechslung bemühen. Insgesamt wirkt die Palette eher langweilig und brav als sportlich-elegant. Eine Ausnahme bildet der R 8 e-tron - den Elektrosportwagen hat Audi aber nicht in Serie gebracht. BMW beweist deutlich mehr Mut - auch wenn der Bruch mit Konventionen nicht immer gelingt. Gelungen ist den Münchenern aber der neue 3er. Obwohl mit dem 5er technisch verwandt, bleibt er optisch eigenständig. Quelle: BMW AG
Zweirad-SparteMotorräder von BMW sind beliebt – vor allem, weil sie vergleichsweise langweilig sind. Insbesondere die Tourenmaschinen a lá R 1200 GS sind bei Familienvätern mittleren Alters beliebt, weil sie zuverlässig, bequem und ohne sportliche Ambitionen leicht beherrschbar sind. ABS und große Koffer am Heck sind diesen Fahrern wichtig, den ausgedehnten Wüstentrip machen aber nur die Wenigsten. Das BMW die Modellpalette im Laufe der Jahre auch um Sportmaschinen und Chopper erweitert hat, hat dem Gummikuh-Image der bayrischen Zweiräder keinen Abbruch getan. Eine gänzlich andere Klientel bedient Audi mit der italienischen Marke Ducati:  Motorradleidenschaft pur. Wer eine feuerrote Ducati mit dem sprechenden Typennamen „Monster“ (siehe Foto) bewegt, will nicht bummeln und keine Kontinente durchqueren. Der will sich lieber in die Kurve legen, bis die Fußraste am Asphalt kratzt, den Motor fauchen lassen, bis die Reifen qualmen. Ducati-Fahrer haben ihren Spaß in engen Kehren und nicht auf Reisen. Dass die Maschinen aufregendes Design mit technischer Brillanz verbinden, macht sie für ihre Besitzer zum Non-Plus-Ultra. Immerhin: Bei den Zweirädern hat Audi mit Ducati das bessere Pferd im Stall. Quelle: REUTERS

BMW sieht sich trotz wachsender Herausforderungen weiter auf Rekordkurs. „2014 wird ein Jahr der Wachstumschancen für die Automobilindustrie. Die Nachfrage steigt“, sagte Konzernchef Norbert Reithofer am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Oberklasseherstellers in München. Das gelte vor allem für die USA und Asien, aber auch der Automarkt in Europa beginne sich zu erholen. Dennoch gebe es eine wachsende Zahl von Risiken und Unsicherheiten.

Den Aufgaben, die BMW selbst anpacken könne, stelle sich der Konzern. Das Unternehmen habe gelernt, sich auf Schwankungen der Konjunktur oder Währungsturbulenzen einzustellen. „Wir stellen uns auch dem rasanten technologischen Fortschritt“, sagte Reithofer. BMW investiere Milliarden, etwa um sparsamere Antriebe zu entwickeln. „Doch bei politische Konflikten sind wir auf andere angewiesen.“ Unternehmen setzten angesichts solcher Krisen auf die Diplomatie.

Bei den Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA stützte Reithofer den Kurs der Bundesregierung. Das geplante Abkommen werde für die Autoindustrie nur positive Folgen haben. „Handelsbarrieren verursachen hohe Kosten.“ Allein die deutschen Hersteller zahlten pro Jahr eine Milliarde Euro an Zöllen. „Wer in Europa eine starke industrielle Basis und Beschäftigung erhalten will, der braucht einen freien Warenverkehr.“

Die USA sind inzwischen der zweitgrößte Einzelmarkt für die Münchner. Auch die Produktion dort baut der Konzern aus und überlegt derzeit auch ein weiteres Werk in Nordamerika zu errichten, möglicherweise in Mexiko, wo auch der Rivale Audi derzeit eine neue Fabrik errichtet. Insgesamt setze BMW weiter auf eine möglichst ausgewogene Verteilung des Absatzes auf Asien, Europa und Amerika, um möglichst immun gegen wirtschaftliche Schwankungen auf den einzelnen Märkten zu sein.
Bisher geht diese Rechnung auf. BMW hat im vergangenen Jahr nicht nur Rekordverkäufe vermeldet, sondern auch beim Umsatz und Gewinn neue Bestwerte erreicht. Für dieses Jahr peilt BMW ebenfalls ein Rekordjahr an und will erstmals mehr zwei Millionen Autos im Jahr verkaufen.

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Nach der als sicher geltenden Zustimmung der Hauptversammlung wird der Konzern je Stammaktie 2,60 Euro zahlen. Vor allem für die Familie Quandt bringt das eine stolze Zahlung. Die drei Großaktionäre Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten halten zusammen 46,7 Prozent der Stammaktien und werden gemeinsam knapp 731 Millionen Euro kassieren. Damit brachte die Beteiligung der Familie Quandt in den vergangenen drei Jahren mehr als zwei Milliarden Euro ein.
Allenfalls bei den Wahlen zum Aufsichtsrat, die für fünf Mitglieder der Aktionärsseite anstehen, könnte es am Donnerstag Kritik geben. Die Anlegerschützer DSW wollen zumindest der Wahl von Wolfgang Mayrhuber und Franz Haniel nicht zustimmen, da auch Sicht der DSW beide zu viele derartige Mandate innehätten. Mayrhuber ist unter anderem bei der Lufthansa und Infineon Aufsichtsratschef. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse müssen beide aber kaum um ihre Wahl bangen.

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