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Historisches Quartal Teslas Erfolg ist ein Glaubenskrieg geworden

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Hedgefonds-Milliardär Einhorn sagt Schiffbruch voraus

„Wir sind momentan darauf fokussiert, unser Wachstum selbst zu finanzieren und keine neuen Schulden aufzunehmen, sondern diese zurückzuzahlen“, bekräftigt Musk.
Hat Tesla also die Wende geschafft? Nein, beharren Kritiker wie Hedgefonds-Milliardär Einhorn von Greenlight Capital. Für ihn gleicht Tesla einer Person, die sich einer Extrem-Diät unterzieht. Zunächst purzelt das Gewicht scheinbar wie von selbst. Bei Tesla war es im zweiten Quartal zunächst der volle Fokus auf das Hochfahren der Tesla-3-Produktion, die dank zusätzlichen Schichten und Anlagen um jeden Preis nach oben gedrückt wurde. Und dann im dritten Quartal der eiserne Fokus auf Umsatz und Profit. Wie bei den Extrem-Diäten ist die große Frage: Kann Tesla diese Disziplin durchhalten? Oder kommen die Pfunde umso stärker zurück und machen alles noch schlimmer? Laut Einhorn soll die Quittung schon im gerade laufenden vierten Quartal kommen, dem er einen Einbruch bei Umsatz und Profit prophezeit.

Mehr noch: Einhorn vergleicht Tesla mit der Situation der berüchtigten Investmentbank Lehman Brothers, deren Zusammenbruch im September 2008 die weltweite Finanzkrise einläutete und deren Pleite von Einhorn vorausgesagt worden war. Allerdings hat ihn in letzter Zeit das Glück verlassen. Der 49-jährige Milliardär, der lange Zeit als einer der einflussreichsten Investoren der Wall Street galt, hat in diesem Jahr eine Pechsträhne: Sein wichtigster Fonds hat seit Jahresbeginn 26 Prozent an Wert verloren. Vor allem wegen Wetten gegen Tesla, aber auch gegen Amazon und Netflix.

Ruhiges Fahrwasser? Für Tesla nicht in Sicht

Klar ist, dass sich die Tesla-Kontroverse längst zu einer Art Glaubenskrieg entwickelt hat, bei der sich fanatische Fans und sogenannte Hasser gegenseitig bekämpfen.
So war es schon bei Apple-Gründer Steve Jobs, der um die Jahrtausendwende als Anführer eines Kults und geborener Blender galt. Ebenso wie Amazon-Schöpfer Jeff Bezos, der kurz nach dem Dot.com Crash als Schwindler und Hasardeur gescholten wurde.

Bei Tesla kommt erschwerend hinzu, dass ruhiges Fahrwasser nicht in Sicht ist. Denn Musk muss und will weiterhin teure Risiken eingehen. In China wird gerade eine neue Akkufabrik aus dem Boden gestampft, ein Fertigungswerk wird folgen. Der Zugriff auf Akkus bestimmt das Wachstum, wie Audi-Chef Bram Schot mit der verspäteten Markteinführung des e-Tron gerade erfahren muss.
Tesla wird noch lange in der Investitionsphase bleiben. Wie bei der geplanten Akkufabrik in Europa – wahrscheinlich in Deutschland – sowie weiteren Fertigungskapazitäten für das Model 3 auf dem alten Kontinent. Die Produktion von Model S und Model X sieht Musk für absehbare Zeit exklusiv im Stammwerk in Kalifornien.

Für 2020 ist der Produktionsstart des Sattelschleppers Tesla Semi geplant, kurz zuvor die des Model Y. Der Mini-SUV soll wie das Model 3 in Fremont gefertigt werden. Parallel läuft der Ausbau der von SolarCity übernommenen Solarpanel-Fertigung.

Daneben warten weitere Herausforderungen: etwa der Angriff neuer, vom chinesischen Kapital befeuerter Konkurrenten wie Nio oder Byton. Und auch die traditionelle Autobranche mit Volkswagen und General Motors wird notgedrungen ebenfalls die E-Autoproduktion hochdrehen müssen.
Left steht derweil stolz zu seiner Rolle als Opportunist. Die Klage gegen Tesla wegen der angeblich gesicherten Finanzierung eines Rückzugs von der Börse hält er natürlich aufrecht. Denn damit lässt sich vielleicht noch was verdienen. Und Tesla kann sogar zahlen.

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