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Hochholdinger zu Lucid Wiedervereinigung der Tesla-Veteranen

Peter Hochholdinger, zuvor Produktionschef beim E-Auto-Hersteller Tesla, wechselt zu Wettbewerber Lucid Motors Quelle: Martin Klimek für WirtschaftsWoche

Der ehemalige Tesla-Produktionschef Peter Hochholdinger hat bei Lucid Motors angeheuert. Dort trifft er auf viele ehemalige Tesla-Spitzenkräfte, unter anderem den Chefingenieur des Model S.

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Nach seinem Weggang bei Tesla hat sich Peter Hochholdinger in das nächste Abenteuer gestürzt. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit einer Tour in die Nationalparks hat der ehemalige Produktionschef von Tesla am Montagmorgen seinen nächsten Job angetreten: In Newark beim Elektroautohersteller Lucid Motors. Seinen Arbeitsweg muss er nicht groß verändern. Lucids Hauptquartier liegt nur 15 Kilometer weiter nördlich von der Tesla Fabrik.

Dort trifft Hochholdinger vor allem auf Tesla-Veteranen. Der bekannteste ist Vorstandschef Peter Rawlinson, ein gebürtiger Brite, ehemaliger Chefingenieur des Tesla S. – mit dem Hochholdinger sicherlich einige Geschichten über die Marotten des einstigen gemeinsamen Chefs Elon Musk austauschen kann. Auch mit Peter Hasenkamp, der für den Einkauf der Komponenten des Tesla S zuständig war, sowie Eric Bach, der bei Tesla am Model S, X und 3 arbeitete und bei Lucid die Entwicklung der Hardware verantwortet, trifft er ebenfalls zusammen. Auch Lucid-Verkaufschefin Doreen Allen war vorher in gleicher Position bei Tesla.

Das Flaggschiff von Lucid Motors ist der Lucid Air: Ein silberner viertüriger Elektro-Sedan, mit einer schnittigen Frontpartie ganz ohne Kühlergrill und schmalen Schlitzen für LED-Scheinwerfer. Mit 1000 PS beschleunigt der Wagen in knapp unter 2,5 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde und verspricht eine Reichweite von bis zu 640 Kilometern. Die Beschleunigung macht klar – es ist ein reines Elektroauto, mit eigens entwickeltem Motor und Getriebe.

Hochholdinger soll nun helfen, die Produktion des Autos in der Fabrik in Casa Grande aufzusetzen. Das Städtchen im US-Bundesstaat Arizona, jeweils eine Autostunde von den Metropolen Phoenix und Tucson entfernt, war einst als Standort für Teslas Akkufabrik im Gespräch, bis Musk sich für die Wüste von Nevada entschied.

Lucid peilt einen Preis ab 100.000 Dollar für die ersten Fahrzeuge an, die im nächsten Jahr ausgeliefert werden sollen. In der Entwicklung ist auch ein SUV. Eigentlich sollte der Lucid Air schon 2018 auf den Markt kommen, zum Preis ab 60.000 Dollar. Doch Rawlinson hatte lange Probleme, die Finanzierung zu sichern – bis im Herbst Saudi Arabien einstieg. Finanziert sind Lucid und seine 1300 Mitarbeiter nun mit 1,2 Milliarden Dollar, fast alles davon von Saudi Arabiens Public Investment Fund.

Lucid-Chef Rawlinson bekannteste Schöpfung ist der Tesla S, jene Elektrolimousine, die Tesla Motors international berühmt gemacht hat. Entworfen hat sie Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen. Rawlinson zeichnete als Chefingenieur für die Fahrzeugtechnik verantwortlich. Vier Jahre durchlebte er die Geburt des Tesla S, ging durch Höhen und Tiefen mit dem als Mikromanager und Perfektionisten gefürchteten Tesla-Chef Elon Musk. Es hat sich gelohnt. Der Tesla S ist eine preisgekrönte Ikone, nicht nur wegen Design und geschichtlicher Bedeutung, sondern auch wegen seiner Fahreigenschaften.

Alte Wunden und neue E-Autos

Rawlinson ist immer noch stolz auf den Tesla S. Er sieht seinen ehemaligen Arbeitgeber nicht als Erzkonkurrenten, sondern als einen Mitwettbewerber. „Der Markt vor uns ist doch riesig“, glaubt der Brite.

Aber da sind noch die alten Wunden und im Silicon Valley sieht man den Lucid Air schon als Retourkutsche.

Rawlinson hätte gern viel mehr aus dem Tesla S gemacht, besonders was den Innenraum anging, viel weiter weg von den Raumaufteilungen gewöhnlicher Fahrzeuge. Doch Musk, der wie sein Vorbild Steve Jobs Minimalismus liebt, ließ sich nicht erweichen. Was von Holzhausen entworfen hatte, musste befolgt werden – genau wie Jobs bei Apple seine schützende Hand über Apple-Designer Jony Ive hielt, um die perfekte Erscheinung zu bewahren. „Wir haben quasi den Wagen gefüllt“, sagt Rawlinson.

Nach der Auslieferung des Tesla S im Sommer 2012 ging Rawlinson zunächst nach Großbritannien zurück, um seine Mutter zu pflegen. Dann brachte ihn ein Angebot von Atieva zurück nach Kalifornien. Das Start-up, dessen Mitgründer Bernard Tse einst im Verwaltungsrat von Tesla saß, wurde bereits 2007 aus der Taufe gehoben und wollte sich ursprünglich als Zulieferer für Batteriesysteme profilieren. Das hat auch geklappt – das Unternehmen rüstet unter anderem die Formel E aus.

Doch wie bei Tesla zeigte sich, dass der Markt kleiner war und noch schwieriger als erwartet, so dass man entschied, eigene Fahrzeuge zu entwickeln. Umbenannt in Lucid Motors beschäftigt das Unternehmen nun rund 1300 Leute und will nun das tun, was alle Elektroauto-Startups vorhaben: Das große Vorbild Tesla herausfordern. Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: All das ist hochriskant und ohne garantierte Aussicht auf Erfolg.

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