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Hyundai iX35 Fuel Cell Das kleine Abenteuer mit der Brennstoffzelle

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Bundesweit nur 16 Tankstellen

Also alles ganz normal? Nicht ganz. Es gibt Dinge, die den Alltag mit dem Brennstoffzellenauto dann doch zum Abenteuer machen. Das liegt aber nicht an dem Fahrzeug, sondern an der Infrastruktur. Schon der Transport des Wagens geriet zum Suchspiel. Der ix35 stand vor Testbeginn in Heilbronn und sollte auf dem Anhänger nach Bonn kommen – mit einem Tankstopp am Stuttgarter Flughafen, wo eine von bundesweit 16 Tankstellen, teilweise mit Steuergeldern errichtet, steht. Doch just zum Testzeitpunkt funktionierte die dortige Zapfsäule nicht. Der Transporter musste daher nach Düsseldorf zur nächsten Station mit Wasserstoff weiterfahren. Dort stellte sich heraus, dass die Tankkarte defekt war. Als Ersatz besorgt war, gingen aus unerfindlichen technischen Gründen nur Wasserstoff für gut 240 Kilometer in den Tank.

Bessere Reichweite als Elektroautos

Ist der Kraftstoffbehälter voll, verspricht Hyundai eine Reichweite von knapp 600 Kilometern – bei Normverbrauch. Das habe ich mit meinem Mix aus Stadt- und Autobahnfahrt zwar nicht geschafft. Allerdings bin ich immerhin bei Temperaturen um die null Grad gut 500 Kilometer weit gekommen. Das schlägt im Moment jedes batterieelektrische Auto. Auch den Sportwagen Tesla S. Ein immenser Vorteil, wie ich finde. Und den Wasserstoff presse ich erfreulicherweise in weniger als fünf Minuten in die Druckbehälter.

So braust Toyota in die Zukunft
Wasserstoffauto Mirai Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai kommt im Dezember nach Japan Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai startet im September 2015 in Deutschland Quelle: Toyota
Wie unsere Redaktion berichtete, plant BMW im Rahmen der Kooperation mit Toyota ein eigenes Brennstoffzellenauto. Insider rechnen damit, dass der Wasserstoff-BMW mehr Leistung bringen wird als der Mirai. Einem Bericht des britischen " Autocar"-Magazins zufolge soll das Modell BMW i5 heißen. Quelle: REUTERS
Wasserstoffauto Mirai beruht auf dem Toyota Sedan Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai hat 500 Kilometer Reichweite Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai stößt nur Wasserdampf aus. Quelle: Toyota

Trotzdem keimte bei mir auch im Hyundai so etwas wie Reichweitenangst auf: Kurz vor einem Wochenende habe ich noch Wasserstoff für 135 Kilometer vorrätig. Die entscheidende Frage: Reicht das für Einkäufe und den Besuch im gut 20 Kilometer entfernten Schwimmbad? Je länger ich nachdenke, desto unsicherer werde ich. Irgendwo stehen bleiben, auf dem Land in der Kälte mit Paul im Kindersitz – weit weg von jeder Wasserstoffzapfsäule? Das muss nicht sein.

Ich rufe im nahen Hürth beim Verein HyCologne – Wasserstoff fürs Rheinland an, ob ich denn dort die Vorräte anzapfen dürfe. Ich darf.  HyCologne nutzt den in großen Mengen anfallenden Wasserstoff aus der Chemieindustrie für eine Flotte von vier Nahverkehrsbussen. Damit könnte ich mir die 70 Kilometer von Bonn nach Düsseldorf zur nächsten offiziellen Tankstelle sparen.

Ungewohnte Handgriffe: WiWo-Redakteur Jürgen Rees an der Wasserstoffzapfsäule Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Die Zapfsäule ist aber nur für Tanks mit 350 bar Druck ausgelegt, der ix35 quetscht den Wasserstoff aber mit 750 bar zusammen. So gehen nur gut zwei Kilogramm in die Behälter. Immerhin schenkt mir Ilka Lütz-Walzog von HyCologne den Treibstoff, weil sie sich freut, dass „sich etwas bewegt und Wasserstoffautos auf den Markt kommen“. Und weil jedes Kilogramm Gas für rund 100 Kilometer gut ist, komme ich problemlos übers Wochenende.

Stolze Preise – und politische

Autohersteller und Tankstellenbetreiber kennen natürlich diese Misere. Deshalb soll es angeblich zum Jahresende 2015 bereits 50 Zapfstationen geben. Zudem haben die Unternehmen Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total vereinbart, das Netz in Deutschland bis 2023 auf 400 Stationen auszubauen. Das ist dann zwar viel mehr als heute, aber immer noch weit von einer flächendeckenden Infrastruktur entfernt. Zum Vergleich: Erdgastanken gibt es in Deutschland mehr als 900, Zapfsäulen für Benzin und Diesel sogar mehr als 14.000. Aber die derzeit nicht einmal 100 Autos mit Wasserstoffantrieb in Deutschland versprechen kein lukratives Geschäft.

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Apropos Geld: Hyundai bietet seinen Wasserstoffstromer für rund 65.000 Euro an. Ein stolzer Preis. Aber es sind rund 15.000 Euro weniger als für den Toyota Mirai. Die 9,80 Euro für ein Kilogramm Wasserstoff sind noch ein politischer Wert, weil es noch keinen wirklichen Markt gibt. Der Betrag orientiert sich an den Kosten eines Dieselantriebs pro 100 Kilometer.

Für Paul ist die Sache am Ende unseres Tests jedenfalls klar: Er würde den „Drachen“ gerne behalten, weil er so wunderbar leise fahren und danach so schön fauchen kann. Ich würde ihn gerne nutzen, sobald ein paar mehr Wasserstofftanken in der Nähe meinen Stresspegel senken – also vermutlich ab Ende des Jahres.

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