Hyundai iX35 Fuel Cell Das kleine Abenteuer mit der Brennstoffzelle

Nach Jahren der Ankündigungen kommen nun erste Serienmodelle mit Brennstoffzellenantrieb auf den Markt. Wie fährt es sich eigentlich mit 144 Liter Wasserstoff hinter der Rückbank?

Zapfsäule gesucht: Der Hyundai ix35 mag nur Wasserstoff Quelle: Rudolf Wichert für WirtschaftsWoche

Wenn es draußen kalt oder richtig warm ist, dann faucht das Auto wie ein kleiner Drache. Mein knapp fünfjähriger Sohn Paul freut sich: „Das klingt ja richtig gefährlich.“ Glücklicherweise spuckt der weiße Hyundai ix35 mit Brennstoffzellenantrieb aber kein Feuer, sondern nur Wasserdampf. Das aber so laut, dass Passanten am Bonner Rheinufer erschrecken, wenn sich der große Geländewagen mit dem lautlosen Elektroantrieb heranschleicht und plötzlich merkwürdige Geräusche und weiße Wolken ausstößt. „Ist das denn normal?“, fragt eine junge Frau skeptisch und stellt sich schützend vor ihren Kinderwagen.

Was in diesem Fall ungewohnt klingt, ist völlig ungefährlich. Damit das Wasser in den Eingeweiden des Wagens bei Frost nicht gefriert und im Sommer nicht kondensiert, pustet ein Gebläse den Dampf aus den Leitungen – die wertvolle Technik soll keinen Schaden nehmen.

Die technischen Daten des Hyundai ix35

Das ist aber nicht die einzige Besonderheit des Hyundai mit der auffälligen blauen Bemalung an den Seiten. Kein Diesel- oder Benzinmotor treibt den Wagen des koreanischen Herstellers an, sondern eine Brennstoffzelle, die gut geschützt in der Mitte des Wagens liegt. Die funktioniert wie ein kleines Kraftwerk, in dem ständig eine kontrollierte chemische Reaktion zwischen dem Sauerstoff der Umgebungsluft und dem Wasserstoff aus dem Tank stattfindet und damit Strom produziert. Aus dem Auspuff kommt nur Wasser, keine umweltschädlichen Abgase.

Ein kleines Kraftwerk im Kofferraum

Leise, sauber und komfortabel: Damit ist der Wagen, von dem Hyundai vorerst 1000 Stück gebaut hat, eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren, ja sogar zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Auch der japanische Konkurrent Toyota vertraut der Technik und bringt im September den Mirai, das erste Brennstoffzellenfahrzeug in Großserie, nach Deutschland. Honda zieht mit dem FCV 2016 nach. Und die hiesigen Hersteller? Als einziger deutscher Anbieter hat Mercedes für 2017 ein Modell angekündigt.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzelle

Die Konzerne aus Asien setzen auf die Brennstoffzelle, weil batterieelektrische Fahrzeuge meist schon nach 150 Kilometer schlappmachen und dann stundenlang zum Laden der Akkus an die Steckdose müssen. Doch der Test mit dem ix35 zeigt: Ein paar Hindernisse auf dem Weg zum sauberen Antrieb der Zukunft gibt es auch hier. Wasserstofftankstellen sind rar, die Technik ist teuer, und das Gas ist nur dann wirklich sauber, wenn es mit Sonnen- oder Windstrom hergestellt wurde.

Vergnügen an der Ampel

Das Antriebskonzept selbst ist aber kein Hindernis: Im Alltag klappt das Zusammenspiel aus Kraftwerk, Wasserstofftanks, die hinten unter dem Kofferraum liegen, den Lithium-Polymer-Akkus in der Fahrzeugmitte und dem vorn eingebauten Elektromotor. Die Batterie ist wichtig, um beim Bremsen und Rollen die Bewegungsenergie nicht nutzlos verpuffen zu lassen, sondern zu speichern, wie das auch Hybrid- und Elektroautos tun. Nichts ruckelt. Alles ist ganz unauffällig. Leise surrt der Wagen durch die Stadt, über Land und Autobahn, der Fahrtwind und das ­Abrollen der Reifen dominieren als Geräusche. Der E-Motor hat den typisch kräftigen Antritt, der jeden Ampelstart zum Vergnügen macht.

Das alles funktioniert gut, was wenig wundert. Denn ähnlich wie Toyota, Mercedes oder Honda erprobt Hyundai die Technik bereits seit 1999 in verschiedenen SUV-Modellen und Bussen. 200 Testfahrzeuge haben laut den Koreanern seitdem vier Millionen Kilometer zurückgelegt.

Mein Testwagen profitiert ohne Zweifel davon. 136 Pferdestärken stellt die Brennstoffzelle dem Motor zur Verfügung. Falls ich schnell beschleunigen will, mobilisiert die eingebaute Batterie weitere 30 PS. Leistung hat der Wagen damit im Alltag genug. Nie hatte ich das Gefühl, in einer untermotorisierten Ökokiste zu sitzen.

Ob die Power auch mit Beifahrer, Kindern und Gepäck beladen für eine lange Urlaubsfahrt reicht, haben wir nicht ausprobiert. Aber im Gegensatz zu batterieelektrischen Fahrzeugen mit ihrer begrenzten Reichweite müsste der Hyundai das können. Zudem sieht er nicht anders aus als sein Pendant mit Verbrennungsmotor, er bietet innen denselben Raum für fünf Personen. Nur der Kofferraum hat durch die Tanks 15 Liter weniger Volumen.

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