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Werner knallhart

Zur IAA: Wann kommt die Tempolimit-Bremse per GPS?

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Die Angst vor dem Zorn der Autofahrer

Mal wieder ist Europa die Antwort auf die deutsche Angst vor neuem Denken. Die Europäische Union arbeitet daran, neue Autos ab 2022 verpflichtend mit einem automatischen Speedlimiter ausrüsten zu lassen. ISA: Intelligent Speed Assist. Autonom fahrende Autos müssen ohnehin bald die Geschwindigkeit selber anpassen können, da ist diese neue Vorgabe nur ein Zwischenschritt. Und einige Autos haben solche Funktionen schon heute. Freiwillig.

Allerdings haben die Macher in Europa Angst vor dem Zorn der Autofahrer. Damit die die neue lebensrettende Technik nicht als Angriff auf ihre Individualität auffassen (#Ichfahrsoschnellichwill), soll das Ganze als abschaltbares Feature der elektronischen Fahrassistenz kommen. Zwar bei jedem Neustart des Wagens wieder eingeschaltet, aber eben abschaltbar. Warum aber soll eine lebensrettende Sicherheitstechnik abschaltbar sein? Egoistisch und unsozial ist das.

Kein Mensch käme auf die Idee, nach Lust und Laune die Bremslichtfunktion abschalten zu wollen, weil er selber entscheiden möchte, wie hell seine Rücklichter strahlen. Kein Mensch würde auf ein Verbot von Bahnschranken bestehen, weil schließlich jeder selber abschätzen können sollte, ob es noch langt, bevor der Zug kommt. Warum gilt also bei der Geschwindigkeit Individualität vor Sicherheit? Es gibt nur eine Antwort – und die ist peinlich: Weil es bislang immer schon so war.

Tesla-Gründer Elon Musk hat recht, wenn er darauf hinweist, dass es bald verboten sein wird, selber Auto zu fahren, statt den Computer steuern zu lassen. Weil selber zu fahren einfach zu gefährlich ist. Also genießen wir das Selbstfahren noch ein bisschen und schmelzen es langsam ab.

Besagtes ISA-System soll sich bei der Regelung der Geschwindigkeit irgendwie an GPS-Daten, Navi-Karten und mithilfe von Verkehrszeichenerkennung an der Straße orientieren. Letzteres hat laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat einen gravierenden Nachteil: Jede Geschwindigkeitsbegrenzung müsste extra mit einem Verkehrsschild aufgehoben werden, damit das Auto das erkennt. Das ist bislang zumindest dann nicht nötig, wenn Straßen einmünden. Hinter der Einmündung gilt die Beschränkung für alle als aufgehoben, denn der Einbiegende kann ja nichts vom Beginn der Beschränkung wissen. Hier droht eine millionenschwere Nachrüstung mit einer Flut von teuren Blechschildern europaweit. Kinners, das kann doch nicht die Zukunft sein.

Ich sag mal so: Solange Einmündungen noch nicht vom Auto zuverlässig erkannt werden können, reicht doch auch erstmal eine grobe Beschränkung in Zonen per GPS, europäischem Satellitenortungsservice Galileo und Navi-Karte. In der Ortschaft Limit auf 55 km/h, in der 30er-Zone auf 35, auf der Landstraße 110 oder so. Nicht als Assistenz, auf die sich wir Fahrer blindlings verlassen können, ohne auf die Schilder zu achten, sondern als eine Art liebevolles Ausbremsen, wenn sich jemand nicht ans Limit hält in Bereichen, die eindeutig per GPS zuzuordnen sind. Die Verantwortung bleibt beim Fahrer, insbesondere bei neuen Limits wie in Baustellen, die in Karten nicht vermerkt sind.

Und zwar ohne Abschalt-Option. Fangen wir bei den Carsharing-Fahrzeugen an. Die orientieren sich ja wie die Roller bereits an Mietzonen, außerhalb derer sich die Miete nicht beenden lässt. Einfach Tempolimits mit reinbasteln. Wie finden Sie das?

Wer sagt, die Elektro-Mietroller hätten keinen Einfluss auf die Mobilitätswende, weiß jetzt: Das ist zum Glück vorschnell geurteilt. Wenn wir lernen, machen die Scooter sogar das Autofahren sicherer. Wer hätte das gedacht?

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