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Image-Desaster Ersatzteil-Chaos verärgert BMW-Kunden

Rund 1.200 BMW-Fahrzeuge, die in Werkstätten stehen und nicht repariert werden können, sorgen für Unmut bei Kunden. Der Premium-Autohersteller kommt nach einer Software-Umstellung mit den Ersatzteilen nicht hinterher.

BMW verscherzt es sich derzeit mit den Kunden. Quelle: AP

Sofie S.ist stocksauer. Seit vier Wochen muss die Immobilienmaklerin jetzt schon auf ihren BMW X5 verzichten, weil der Hersteller ihrer Vertragswerkstatt die dringend benötigten Ersatzteile nicht liefert.

Ihr Wagen war bei einem von ihr unverschuldeten Auffahrunfall am Heck schwer beschädigt worden, doch der fünfstellige Schaden wäre normalerweise längst von ihrer Düsseldorfer Werkstatt behoben worden. Wenn nur endlich die dringend benötigten Teile für die Auspuffanlage kämen.

So wie S. geht es hunderten Autofahrern in ganz Deutschland. Nach einer Software-Umstellung Anfang Juni im zentralen Logistiksystem ist bei BMW das große Ersatzteil-Chaos ausgebrochen, - was nicht nur die Kunden ärgert. "1.200 Autos stehen in den Niederlassungen und können nicht repariert werden", sagte Gesamtbetriebsrats-Chef Manfred Schoch der Branchen- und Wirtschaftszeitung "Automobilwoche".

Offenbar seien die Zwischenlager im Vorfeld der Umstellung nicht ausreichend bevorratet worden. "Es hätte andere Lösungen gegeben, aber man wollte Geld sparen. Jetzt wird es dreimal so teuer", kritisiert Schoch. "Wir haben einen massiven Verlust bei Umsatz und Deckungsbeitrag und unzufriedene Kunden." Zudem wurde im bayerischen Deggendorf während der Flutkatastrophe ein Teile-Zwischenlager von den Wassermassen beschädigt.

Wo BMW Konkurrent Audi überholt
Leichtbau mit KarbonSeit 2013 produziert BMW Karosserien aus Karbon in Serie. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 werden zum Großteil aus dem neuen, leichten Kohlefaser-Material gefertigt. Auch Audi setzt auf Leichtbau, doch die Tage der großen Innovationen liegen weit zurück. Der Audi A8 war 1994 die erste Serienlimousine mit einer Aluminiumkarosserie. Karbon kommt beim R 8 und RS 3 zum Einsatz - im großen Stil setzt man in Ingolstadt aber nicht auf die faserverstärkten Kunststoffe. Und während BMW-Großaktionärin Susanne Klatten über ihre Anteile an SGL Carbon den Zugang zum Werkstoff der Zukunft für den Autohersteller gesichert hat, bleibt es bei Audi seit 2011 bei einer Entwicklungspartnerschaft mit Voith. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
ElektroantriebErst kommt der i3, dann der i8 - BMW setzt voll auf den Elektroantrieb. Ob die Kunden diesen Mut belohnen, wird sich noch zeigen. Klar ist, BMW positioniert sich als innovativer Autobauer mit Visionen. Audi holt sich dagegen den Titel als größter Zauderer. Beim Elektrosportwagen R 8 e-tron und auch beim A 2 e-tron zogen die Ingolstädter den Stecker und setzen nun auf ein Sammelsurium an Antriebsarten - Plug-In-Hybride, Erdgas-Varianten, sparsame Diesel und Benziner. Ökonomisch wird Audi damit Ende wahrscheinlich sogar besser fahren - ihrem Image als technischer Vorreiter wird die VW-Tochter aber nicht mehr gerecht. Quelle: dpa
Lifestyle-KleinwagensegmentMit der britische Tochter Mini startete BMW seit 2001 im Premium-Kleinwagensegment so richtig durch und das mit Preisen, die deutlich über den Kosten für andere Stadtflitzer liegen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Mehr als 300.000 Stück setzte BMW 2012 ab. Dafür sorgen auch zig Abwandlungen und Ausstattungsvarianten bei Innenraum, Farbe und Lack. Den A1 nahm Audi erst 2010 ins Programm auf. Seit 2011 gibt es ihn als Sportback mit vier Türen. Weitere Varianten, die der BMW Mini längst bietet - wie etwa Kombi oder SUV bzw. Crossover - stehen noch aus. Auch wenn der A 1 eindeutig praxistauglicher ist und in der Verarbeitung mehr überzeugt als der Mini - in diesem Segment hat BMW die Nase vorn. Quelle: REUTERS
DesignIn jüngster Vergangenheit häufen sich die Kritikpunkte an der Optik der Audi-Modelle. A4 und A6 sind zu ähnlich, auch die SUV Q3 und Q5 unterscheiden sich kaum. Der nun geschasste Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, das Problem in Angriff zu nehmen - jetzt wird sich sein Nachfolger Ulrich Hackenberg um mehr Abwechslung bemühen. Insgesamt wirkt die Palette eher langweilig und brav als sportlich-elegant. Eine Ausnahme bildet der R 8 e-tron - den Elektrosportwagen hat Audi aber nicht in Serie gebracht. BMW beweist deutlich mehr Mut - auch wenn der Bruch mit Konventionen nicht immer gelingt. Gelungen ist den Münchenern aber der neue 3er. Obwohl mit dem 5er technisch verwandt, bleibt er optisch eigenständig. Quelle: BMW AG
Zweirad-SparteMotorräder von BMW sind beliebt – vor allem, weil sie vergleichsweise langweilig sind. Insbesondere die Tourenmaschinen a lá R 1200 GS sind bei Familienvätern mittleren Alters beliebt, weil sie zuverlässig, bequem und ohne sportliche Ambitionen leicht beherrschbar sind. ABS und große Koffer am Heck sind diesen Fahrern wichtig, den ausgedehnten Wüstentrip machen aber nur die Wenigsten. Das BMW die Modellpalette im Laufe der Jahre auch um Sportmaschinen und Chopper erweitert hat, hat dem Gummikuh-Image der bayrischen Zweiräder keinen Abbruch getan. Eine gänzlich andere Klientel bedient Audi mit der italienischen Marke Ducati:  Motorradleidenschaft pur. Wer eine feuerrote Ducati mit dem sprechenden Typennamen „Monster“ (siehe Foto) bewegt, will nicht bummeln und keine Kontinente durchqueren. Der will sich lieber in die Kurve legen, bis die Fußraste am Asphalt kratzt, den Motor fauchen lassen, bis die Reifen qualmen. Ducati-Fahrer haben ihren Spaß in engen Kehren und nicht auf Reisen. Dass die Maschinen aufregendes Design mit technischer Brillanz verbinden, macht sie für ihre Besitzer zum Non-Plus-Ultra. Immerhin: Bei den Zweirädern hat Audi mit Ducati das bessere Pferd im Stall. Quelle: REUTERS

Manche Kunden machen ihrem Unmut im Internet Luft, stellen entsprechende Kommentare online. So wie Sandra Haindl: „Ich warte seit FÜNF WOCHEN auf einen Sensor Fußgängerschutz. Nach einem Schreiben an den Vorstand von BMW kam doch nach einer halben Woche ein lapidares Schreiben der Fachabteilung, dass dieses Teil nun auf höchste Versandpriorität gesetzt wurde. Das war vor einer Woche, ich weiß noch immer nicht, wann ich mein Auto wiederbekomme.“ Die langjährige BMW-Kundin schreibt weiter, angesichts des quasi nicht vorhandenen Kundenservices sei sie wahrscheinlich nicht mehr lange BMW-Kundin. „Unzufriedenheit ist kein Ausdruck mehr, das ist einfach eine Frechheit.“

Auch Burkhard Weller, Chef des Autohändlers Wellergruppe, klagt: "Bislang wurden wir dreimal am Tag mit Ersatzteilen beliefert", sagt er. Das sei derzeit nicht mehr der Fall. Angesichts der angespannten Lage am Automarkt kommt der Ersatzteil-Engpass zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die Zahl der Auto-Neuzulassungen in Deutschland sinkt weiter. Anfang Juli teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit, dass die Anzahl der neu zugelassenen Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 1,503 Millionen gesunken sei. Im Juni wurden laut KBA knapp 283.000 neue Autos angemeldet, das waren 4,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. BMW musste einen Rückgang von 7,1 Prozent hinnehmen.

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Auch freie Werkstätten klagen laut Automobilwoche über Probleme: "Ein Wahnsinn: Wir wissen nicht, wann wir welche Teile bekommen. Mal warten wir zwei Wochen auf eine Stoßstange, mal erhalten wir ein Blechteil am selben Tag", wird Werkstattbesitzer Armin Fröhlich zitiert. 

Ein Sprecher von BMW bestätigte die Rückstände bei Teilelieferungen. Allerdings normalisiere sich die Situation wieder. Nur etwa fünf Prozent aller Teilelieferungen würden verspätet bei den Händlern und Werkstätten ankommen, hieß es. Um die Wartezeiten zu überbrücken, werden den Kunden Fahrzeuge gestellt. Viele Kunden sind dennoch unzufrieden: "Wer mit einem Touring in den Urlaub fahren wollte und ersatzweise eine Limousine erhält, ist nicht glücklich", betont ein Händler.

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