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Infiniti-Chef Roland Krüger "Infiniti hat das Zeug zum Top-Player"

Premiumautos kommen in Deutschland von Audi, Mercedes oder BMW. Mitbewerber gibt es viele, doch meist ohne durchschlagenden Erfolg. Mit einem neuen Chef will Infiniti jetzt den Sprung aus der Nische schaffen.

Infiniti-Chef Roland Krüger: „Wir haben das Potenzial, ein Top-Player zu werden“ Quelle: REUTERS

„Dein neuer Dienstwagen?“ „Ein Infiniti.“ „Aha, und von welcher Marke ist der?“ So oder so ähnlich könnte dieses Gespräch irgendwo in Deutschland stattgefunden haben. Drei Sätze, die das Hauptproblem der Nissan-Tochter Infiniti auf den Punkt bringen: Die Marke ist - zumindest hierzulande - kaum bekannt.

Das will Roland Krüger ändern. Der ehemalige Vertriebschef von BMW Deutschland leitet seit knapp 100 Tagen die japanische Nobelmarke – und will den in Europa dahindümpelnden Autobauer auf Angriff trimmen. „Infiniti hat großes Potenzial, im deutschen Markt ein Top-Player zu werden“, sagt Krüger beim Autosalon Genf im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Noch ist Luft nach oben.“

Die Highlights beim Genfer Autosalon
Mansory Huracan Quelle: Presse
McLaren 675LT Quelle: Presse
Supersportler P1 Quelle: Presse
Seat 20V20 Quelle: AP
Mazda CX-3 Quelle: Presse
VW GTE Quelle: obs
Audi R8 V10 plus Quelle: AP

Wie viel Luft nach oben, darüber schweigt sich Krüger allerdings aus. Geplante Absatzzahlen oder Wachstumsraten will der Infiniti-Chef nicht nennen. Man müsse „Stück für Stück“ die Marktanteile ausbauen und „sukzessive das Modellprogramm ausweiten“, sagt Krüger stattdessen.

Die Ansagen sind klar, auch in Krügers ruhigen Worten. Auf einer Automesse, wo jeder Hersteller mit knackigen Sprüchen um Aufmerksamkeit buhlt, ist er ein angenehmer Gegenpol.

Rückstand ist gewaltig

Die Top-Player im Premium-Segment, das sind natürlich die deutschen Branchengrößen Audi, BMW und Mercedes-Benz. Gemessen an den Verkäufen liegt das Trio für die Japaner in weiter Ferne. So lieferte zum Beispiel Krügers Ex-Arbeitgeber BMW im Januar 2015 hierzulande über 19.000 Autos aus. Bei Infiniti waren es 1015 Nobelschlitten – im gesamten Jahr 2014.

Neuzulassungen in Deutschland 2014

Die Unterschiede sind gewaltig, doch 2014 war für Infiniti in Deutschland ein gutes Jahr. Von einer Wachstumsrate jenseits der 95 Prozent will sich Krüger aber nicht blenden lassen. „Die Basis ist in einigen Märkten sehr klein, die Wachstumsraten entsprechend hoch“, sagt der 48-Jährige. Möglich gemacht hat das jüngste Absatzplus die Öffnung der Marke nach unten. Mit der Limousine Q50 kam in der Mittelklasse ein Konkurrent zu C-Klasse, A4 und 3er auf den Markt, der Infiniti neue Kunden brachte.

Diese Strategie will Krüger auch künftig verfolgen – und noch einen Schritt weiter gehen. Infiniti wagt den Schritt in die Kompaktklasse. Auf dem Autosalon in Genf enthüllte Krüger das QX30 Concept, die seriennahe Studie eines Kompakt-SUVs. Im Frühjahr 2016 soll das neue Volumenmodell auf den Markt kommen, wenige Monate nach dem klassischen Kompaktwagen Q30.

„Die Kernpunkte für unsere Expansion in Europa sind die Kompakt-Modelle Q30 und QX30“, sagt Krüger. „Der QX30 ist sehr wichtig, da er neue Kundengruppen erschließt, die Infiniti bisher nicht bedient hat. Sehr große Kundengruppen.“

Kompakt-Offensive soll Verkäufe ankurbeln

Dabei kommt Infiniti ein Autobauer zu Hilfe, den die Japaner eigentlich angreifen wollen: Daimler. Mercedes-Benz, über diverse Kooperationen mit der Renault-Nissan-Allianz verbunden, liefert für die großen Modelle der Q50- und Q70-Baureihen nicht nur Dieselmotoren zu, sondern stellt mit der A- und GLA-Klasse die technische Basis für die geplanten Infiniti-Kompaktmodelle.

Der extravagante Asiate
Frontal gibt sich der Infiniti Q50 durchaus aggressiv. Auf dem ausgeprägten Kühlergrill prangt das Infiniti-Logo. Die leicht geschwungenen Scheinwerfer werfen einen bösen Blick voraus. So sieht niemand aus, der sich verstecken will. Quelle: Sebastian Schaal
Von der Seite ähnelt die Front einem Drachenkopf: Lang gezogene Schlitze, die frontal auf den markanten Grill zulaufen, darunter betonte Nebelscheinwerfer. Quelle: Sebastian Schaal
Zwei ovale Auspuffrohre, zwei Chromleisten und markante Rückleuchten. Auch von hinten zeigt der Infiniti Q50 seinen individuellen Charakter. Quelle: Sebastian Schaal
In ganzer Länge zeigt der Q50 seine asiatische Herkunft: Die Chromelemente fallen ein bisschen breit aus. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Quelle: Sebastian Schaal
In der Tiefgarage könnte man den getesteten Q50 für schwarz halten, in der Sonne zeigt er eine weitere Besonderheit: Dann schimmert er in metallic-violett. Malbec Black nennt der Hersteller den Farbton. Sehr schick. Quelle: Sebastian Schaal
Unter der Haube wummert ein 170-PS-starker Vierzylinder-Dieselmotor aus dem Hause Daimler, der allerdings nicht ganz so elegant daher kommt, wie der Rest des Q50. Quelle: Sebastian Schaal
Damit beschleunigt der Q50 problemlos in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer. Und das bei einem relativ geringen Verbrauch von 6,0 Litern im Test. Das ist in Ordnung, liegt aber deutlich über dem angegebenen Verbrauch von 4,8 Litern. Quelle: Sebastian Schaal

Aus Krügers Sicht läuft die Zusammenarbeit mit den Stuttgartern „sehr gut“. Er betont aber stetig, dass Infiniti nicht nur Mercedes-Technik kopiert. „Die gemeinsame Entwicklung führt immer noch zu einem eigenständigen Charakter – und das muss auch so bleiben“, so Krüger. „Ich bin den QX30 Ende Februar in Japan gefahren und kann nur sagen, dass die Ingenieure einen guten Job gemacht haben.“

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