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Infotainment im Auto Gefahr aus der Mittelkonsole

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Kein durchdachtes Nutzungskonzept

Gemessen am Ablenkungspotential und dem Bedienungsaufwand hat das System von BMW (1er) am besten abgeschnitten, dicht gefolgt von Audi (A3); mit Abstand auf dem dritten Platz landete bei dieser Bewertung Mercedes (A-Klasse).

Das Touch-Pad im Audi ist eine recht neue Eingabemethode. Auf einer berührungsempfindlichen Fläche werden mit der Fingerkuppe Buchstaben gemalt. Die Erkennungsrate ist dadurch höher, die Anforderung an das System geringer als bei der Spracheingabe. Quelle: Konstantin Tschovikov

Die Tester hielten allerdings allen drei Herstellern vor, „über kein wirklich durchdachtes Konzept zur Nutzung von Internet im Fahrzeug“ zu verfügen, entsprechende Funktionalitäten seien „nur rudimentär vorhanden“. Kritisiert wurde auch die mangelnde Qualität bestimmter kommunikativer Interaktionen zwischen Fahrer und Fahrzeug. „Die Sprachausgabe – sie wirkt unnatürlich, abgehackt – ist bei allen Systemen verbesserungswürdig“.

Die Tester bemängelten ferner die Anforderungen an die manuelle Bedienbarkeit der Systeme. In dem von der Uni Salzburg für den ACE gefertigten Abschlussbericht heißt es dazu: „Generell oft uneinheitlich ist die Scrollfunktion – einmal im, dann wieder gegen den Uhrzeigersinn und selbst innerhalb eines Systems inkonsistent – scrollen im, hineinzoomen gegen den Uhrzeigersinn“.

Am Dreh-Drück-Steller lassen sich, ähnlich einer fest montierten Computermaus, sämtliche Menüs aufrufen, Einstellungen vornehmen und Texte eingeben. Spätestens bei Texten wird es kritisch, denn die Bewegung der Hand muss sehr oft mit dem Bildschirm abgeglichen werden. Quelle: Konstantin Tschovikov

Der ACE fordert von den Fahrzeugherstellern weitere Anstrengungen auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung, um „berechtigte Zweifel zu zerstreuen“, wonach sich das Unfallrisiko durch Ablenkung erhöht, wenn moderne Kommunikationssysteme im Auto benutzt werden. Auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) muss laut ACE im Rahmen des Kfz-Zulassungsrechts klären, wie viel und welche Technik im Auto der Verkehrssicherheit noch zuträglich ist oder nicht. Die Anforderungen an die Autofahrer werden sich mit dem Einzug von Internet & Co dramatisch erhöhen, prognostiziert der ACE.

So hat der ACE getestet

„Wer aber in seinem Auto die Armaturen und Displays wie im Cockpit eines Jets bedienen will, der muss gegen sich auch die für einen Piloten üblichen Sicherheitsanforderungen gelten lassen“, mahnen die Experten des Clubs. Der ACE geht davon aus, dass 90 Prozent der Straßenverkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Etwa 20 Prozent der tödlichen Unfälle würden durch eine Ablenkung des Fahrers verursacht. „Wie dem wirksam zu begegnen ist, sollte jetzt auch zu den vordringlichen Aufgaben der Verkehrsunfallforschung gehören“, sagte ein ACE-Sprecher.

Die Spracheingabe ist die scheinbar ideale Lösung. Grundsätzlich können heute ganze Adressen samt Straße und Hausnummer ohne Unterbrechung aufgesagt werden. Auch SMS, E-Mails oder Sprachmemos lassen sich inzwischen diktieren. Quelle: Konstantin Tschovikov

Beispielsweise müsse geklärt werden, inwieweit moderne Fahrerassistenzsysteme menschliche Schwächen ausgleichen könnten. Außerdem müsse mehr Augenmerk auf den absehbaren rasanten Einzug neuer Kommunikationstechniken samt Infotainment im Auto gerichtet werden.

Wer hinterm Steuer derartige Dienstleistungen in Anspruch nimmt, kann sich unter den derzeit herrschenden Bedingungen nicht mehr hinreichend auf das Straßenverkehrsgeschehen konzentrieren, vermutet der ACE.

Und zieht als Fazit: Das Internet im Auto lässt sich nicht pauschal verteufeln und erst recht nicht aufhalten. Es kommt jedoch sehr auf die Inhalte und die nötigen Bedien- und Eingabeschritte an. Besonders die extrem ablenkende, manuelle Zieleingabe am Navigationssystem ist absolut grenzwertig. Je komplexer die Aufgabe ist, umso mehr Sicherheit bietet die Sprachsteuerung. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber keinesfalls die Lösung für die gefährliche Problematik der Ablenkung am Steuer.

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