Infrastruktur für E-Autos Einmal vollladen, bitte! Aber wo?

BMW startet die Produktion des i3. 2014 sollen insgesamt elf neue Stromer die elektromüden Deutschen zum E-Auto bekehren. Doch von einem flächendeckenden Netz aus Ladestationen fehlt jede Spur. Woran es hapert.

Jetzt rollt der BMW i3 zum Händler
Eben noch auf dem IAA-Stand jetzt auf der Showbühne der Händler: Am 16. November ist Marktstart für den neuen BMW i3. BMW teilte im Vorfeld mit, es lägen schon mehrere Tausend Bestellabsichten vor. Der BMW i3 ist das weltweit erste von Beginn an für Elektromobilität konzipierte Premium-Automobil für emissionsfreies Fahren im urbanen Umfeld. Für dieses Modell hat der Autohersteller die Produktion in seinem Werk Leipzig komplett umgestellt. Quelle: AP
Mit dem i3 startete BMW im Werk Leipzig die Produktion seines ersten elektrischen Modells in Großserie. BMW hat das Leipziger Werk für die Elektro-Serienproduktion erheblich ausgebaut. Rund 400 Millionen Euro steckte der Autobauer nach eigenen Angaben in die Werkserweiterung. Der BMW i3 feierte auf der Messe IAA seine Publikumspremiere. Quelle: dpa
Das Elektroauto i3 verfügt über eine Leistung von 125 kW/170 PS und wird von einer tief und mittig im Unterboden angeordneten Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgt. Ebenso wie die außergewöhnlich leichte und dabei extrem steife CFK-Fahrgastzelle werden auch der Elektroantrieb und der Energiespeicher von der BMW Group entwickelt und produziert. Quelle: dpa
Der nur 1.195 Kilogramm (Leergewicht nach DIN) schwere BMW i3 kommt im Alltagsverkehr auf eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometer. Auf Wunsch übernimmt ein Zweizylinder-Verbrennungsmotor die Funktion eines Range Extenders, mit dem die Reichweite auf bis zu 300 Kilometer ausgedehnt werden kann. Quelle: dpa
Der BMW i3 basiert auf einer neuen, als LifeDrive-Konzept bezeichneten Fahrzeugarchitektur. Sie ermöglicht ein visionäres, von einer eigenständigen Formensprache geprägtes Design sowie ein großzügiges Raumangebot auf vier Sitzplätzen. Quelle: dpa
Charakteristisch für die Marke BMW i ist der in der gesamten Wertschöpfungskette verankerte Gedanke der Nachhaltigkeit. So wird bereits bei der Herstellung der Carbonfasern für die Fahrgastzellen in Moses Lake ausschließlich aus Wasserkraft gewonnene Energie eingesetzt. Im BMW Werk Leipzig wird der für die Produktion von BMW i Automobilen benötigte Strom zu 100 Prozent von eigens dafür errichteten Windkraftanlagen erzeugt. Auf den Markt kommt das Elektroauto voraussichtlich im Herbst 2013. Der BMW i3 startet bei 35.000 Euro - ohne den kleinen Motor zur Reichweitenverlängerung. Quelle: dpa
Ein weiterer Star auf der IAA wird der BMW i8 Hybrid-Sportwagen sein. Der lockt mit der Dynamik eines Hochleistungssportwagens mit Verbrauchs- und Emissionswerten auf Kleinwagenniveau. Quelle: dpa

Rund 2000 Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge gibt es in Deutschland, davon etwa 30 so genannte Schnellladestationen. Gegenüber 14.300 gewöhnlichen Aral, Shell, Esso- usw. Tankstellen, die der ADAC auf deutschen Straßen gezählt hat, plus 350 Autobahntankstellen gar nicht mal so wenig. Und noch üppiger wirkt das elektrische Angebot, bedenkt man, dass in diesem Jahr bisher nur 3000 E-Autos in Deutschland neu zugelassen wurden. "Wenn man gut plant, kann man sich mit einem Elektroauto ganz gut bewegen", fasst Christian Buric vom ADAC zusammen und verweist auf die Website lemnet.org, die sämtlich Ladestationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfasst.

Doch der Status quo ist mitnichten befriedigend. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung in sieben Jahren hierzulande eine Million Elektroautos fahren sehen möchte und die deutschen Autobauer mit Modellen wie dem i3, dem VW e-Up, dem A3-etron oder dem e-Golf massiv in die Technologie investiert haben. "Es ist das klassische Henne-Ei-Problem", sagt Buric, der dasselbe Phänomen bei Erdgasautos beobachtet hat. Obwohl Erdgas-Antriebe steuerlich gefördert werden, günstig im Unterhalt sind und eine tolle CO2-Bilanz haben, setzen sie sich in Deutschland nicht durch. Doch woran hakt es zuerst? Will keiner ein Erdgas-Auto, weil die Infrastruktur dafür zu schlecht ist oder ist das Erdgasnetz so dünn gesät, weil es zu wenig Interessenten für Erdgas-Fahrzeuge gibt?

Doch Erdgas- oder LPG-Autos lassen nicht eins zu eins mit den neuen Stromern vergleichen. Der große Vorteil der E-Autos: Sie lassen sich bequem zu Hause tanken. Einfach über Nacht in der Garage an die Dose hängen und am Morgen wartet das frisch betankte CO2-neutrale Automobil. Rund ein Drittel der deutsche Autobesitzer - so sieht es die Nationale Plattform Elektromobilität in ihrem dritten Zwischenbericht - sind die perfekte Zielgruppe für Stromer. Denn sie pendeln täglich aus Dörfern und Gemeinden in die Ballungszentren - rund 40 km hin und 40 km zurück. Eine perfekte Distanz für die neue Generation von Elektrofahrzeugen wie etwa den BMW i3, der ab heute im Werk Leipzig im Produktion geht und eine rein elektrische Reichweite von rund 150 Kilometern mitbringt. Morgens hin, abends zurück und zack in der Garage an Netz. Städter, für die Garagen ebenso wie Vier-Zimmer-Wohnungen mit Balkon Mangelware sind, mögen langen Gesichter machen, doch tatsächlich haben etwa 60 Prozent der Autobesitzer auch eine Garage oder einen Stellplatz und damit potenziell die Möglichkeit in Fahrzeug über den Hausanschluss mit Hilfe einer so genannten Wallbox aufzuladen.

Braucht die Elektromobilität am Ende also keine flächendeckende öffentliche Infrastruktur, weil diejenigen, für die die Fahrzeuge gedacht sind, sowieso zu Hause tanken? "Wir gehen davon aus, dass über 80 Prozent der Ladevorgänge zu Hause oder an Orten stattfinden, wo das Auto zehn bis zwölf Stunden am Stück steht stattfinden wird", erklärt Prajyout Sathe von der Unternehmensberatung Frost&Sullivan.

Will Deutschland zum "Leitmarkt für Elektromobilität" werden, kann sich der Aufbau der Infrastruktur aber nicht ausschließlich in den eigenen vier Wänden abspielen.

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