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Italienischer Sportwagenbauer Lamborghini baut neuen Roadster

Erst Rolls-Royce, dann Bentley, jetzt die Italiener: Lamborghini baut einen SUV. Im Interview erklärt Chef Stephan Winkelmann, was das Lambo-SUV können wird und was er als nächstes vorhat - auch in Deutschland.

Stephan Winkelmann ist seit 2005 Lamborghini-Chef. Quelle: AP

Herr Winkelmann, Lamborghini ist für seine extremen und kompromisslosen Sportwagen bekannt. 2018 kommt als dritte Baureihe ein SUV, der Urus. Wie viele Kompromisse wird ein SUV von Lamborghini eingehen müssen?

Der Urus wird ein Supersportwagen innerhalb des  SUV-Segments sein. Natürlich hat ein SUV eine andere Ausrichtung und Ziel als ein herkömmlicher Supersportwagen. Es geht aber immer noch um das Handling des Fahrzeugs, ganz klar. Ergänzt wird das bei einem SUV natürlich um die Alltagstauglichkeit, den Komfort und den Platz, wenn man nicht nur zu zweit unterwegs ist oder längere Strecken fahren will. Das werden wir alles berücksichtigen. Es wird aber ein sehr emotionales Fahrzeug werden und passt deshalb wunderbar zur Marke Lamborghini – auch weil wir der erste Hersteller waren, der mit dem LM002 Mitte der 80er Jahre einen Luxus-SUV gebaut hat.

Vorstöße in andere Segmente neben den Supersportwagen wurden aber allesamt schnell wieder beendet. Was wird der Urus anders machen?

Über die Vergangenheit zu reden ist müßig. Ich bin seit zehn Jahren bei Lamborghini. In dieser Zeit haben wir bewiesen, dass wir aus einem Hersteller, der über einen längeren Zeitraum nur über ein Modell verfügte, eine erfolgreiche Mehr-Modell-Marke machen konnten. Der Aventador stellt bereits die sechste Generation unserer Zwölfzylinder Supersportwagen dar, während wir beim Zehnzylinder-Modell mit dem Hurácan bereits in der zweiten Generation sind. Das unterstreicht die Seriosität unseres Ausbaus. Wir wollen jetzt ein drittes Modell bringen, und ich glaube, dass wir die richtige Ausrichtung dazu haben. Die Nachfrage nach SUV ist weltweit ungebrochen, und ein relativ kleiner Hersteller wie wir muss international denken, um erfolgreich zu sein.

Zur Person

Werden auch die Sportwagen-Baureihen noch ausgebaut?

In diesem Frühjahr haben wir den Aventador Superveloce vorgestellt, der auf 600 Exemplare limitiert ist. Schon heute ist das Modell bereits fast komplett ausverkauft. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, den 750 PS starken Superveloce auch als Roadster auf den Markt zu bringen. Vom Roadster wird es im Gegensatz zum Coupé aber nur 500 Exemplare geben.

Lamborghini baut SUV in Italien
Die VW -Sportwagentochter Lamborghini will den Markt für Geländewagen aufmischen. Vorstandschef Stephan Winkelmann kündigte am Mittwoch im Beisein von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi in Rom den Bau eines Luxus-SUV an, der 2018 zu den Händlern rollen soll. Luxuriöse Geländewagen sind derzeit vor allem in den USA und Asien stark gefragt. Erstmals wurde der Geländewagen von Lamborghini vor drei Jahren als Studie mit dem Namen Urus auf der Automesse in China einem größeren Publikum vorgestellt (im Bild). Zuletzt war spekuliert worden, er könnte bereits 2017 auf den Markt kommen. In der Branche wird vermutet, dass sich der Lamborghini-SUV die Plattform mit dem Audi Q7, dem VW Touareg und dem Porsche Cayenne teilen soll, von denen VW im vergangenen Jahr fast 200.000 Stück verkauft hat. Quelle: REUTERS
Lamborghini rechnet mit einem jährlichen Verkauf von rund 3.000 Exemplaren seines Luxus-SUVs. Dadurch würde sich der Absatz von zuletzt 2.530 Fahrzeugen mehr als verdoppeln. Bislang baut Lamborghini zwei Sportwagentypen – den Huracan als Nachfolger des Gallardo und den Aventador. In die Erweiterung seines Werks in Sant'Agata Bolognese und die Entwicklung des Geländewagens steckt Lamborghini nach eigenen Angaben einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dadurch sollen bis zu 500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt beschäftigt die Marke mit dem Kampfstier im Logo rund 1.100 Mitarbeiter, die meisten davon in seinem Stammwerk in Norditalien. Im Gegenzug für die Investition soll Lamborghini bis zu 90 Millionen Euro an Steuervergünstigungen und anderen Subventionen erhalten. Quelle: dpa
Das Lambo-SUV könnte laut den Experten von IHS Automotive aber nur zum Teil in Italien gefertigt werden. Im slowakischen Werk in Bratislava konzentriert der VW-Konzern die Fertigung der großen Luxus-SUVs, wie etwa dem Porsche Cayenne, Audi Q7 oder Bentley Bentayga. Beim Lamborghini könnte es ähnlich laufen wie bei Cayenne und Bentayga: In Bratislava wird die Karosserie gefertigt, zur Endmontage werden die Autos dann in das jeweilige Werk der Marke gebracht. Bei Bentley könnte der Bentayga bereits bald Zuwachs erhalten. Im Interview mit dem britischen Fachmagazin "Autocar" sagte Rolf Frech, Entwicklungschef der Nobelmarke, dass die Entwicklung eines weiteren SUV-Modells durchaus im Bereich des Möglichen liege.  "Autocar"  spekuliert, dass sich die Bentley-Designer dabei am BMW X6 orientieren könnten. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, betonte Frech. Quelle: AP
Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer will von dem SUV rund 3.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen – zum fürstlichen Preis von mindestens 200.000 Euro. Extrawünsche bei Lack, Leder oder sonstiger Ausstattung treiben den Preis weiter nach oben. Quelle: dapd
Bislang hat Bentley nur diese schemenhafte Aufnahme des SUV-Modells veröffentlicht, das „Bentayga“ heißen wird. Das gaben die Briten im Januar auf der Automesse in Detroit bekannt. Ebenso das Datum für den Marktstart: Die Serienversion wird erstmals auf der IAA im Herbst diesen Jahres gezeigt, 2016 soll der Bentayga dann bei den Bentley-Händlern stehen. Quelle: Bentley Motors Limited
Einen Ausblick auf die SUV-Vorstellungen der Briten gab die Studie EXP 9F, den Bentley 2012 auf den Automessen in Genf und Peking zeigte. Das kantige und etwas unproportioniert wirkende Design polarisierte – und das vollkommen bewusst: Bentley wollte provozieren und so die Medien und potenzielle Kunden dazu antreiben, ihre eigenen Vorstellungen von einem Bentley-SUV kundzutun. Quelle: REUTERS
Im vergangenen September kam vom Vorstand die Produktionsfreigabe – allerdings mit einem entschärften Design. Die Front wird sich – wie auf dem sandigen Foto zu erkennen – am typischen Vier-Augen-Gesicht der Marke orientieren. Die gesamte Linienführung wird wohl deutlich filigraner ausfallen. Für den standesgemäßen Vortrieb soll der aus dem VW-Konzern bekannte W12-Motor sorgen, der in dem SUV bis zu 610 PS leisten könnte. Quelle: Bentley Motors Limited

Die technische Basis des SUV kommt von Audi. Wie viel Lamborghini steckt noch im Urus?

Ohne die Plattformstrategie des Volkswagen Konzerns wäre für uns kein drittes Modell denkbar. Dennoch zeichnen sich die einzelnen Konzernmarken dadurch aus, dass sie ihre Identität bewahren. So werden wir das auch machen. Unsere DNA zu bewahren ist die Grundlage, ansonsten würden wir uns an einem solchen Projekt nicht beteiligen.

Ist die SUV-Baureihe ihr bislang schwierigstes Projekt?

Bis jetzt haben wir bestehende Modelle ausgetauscht, d.h. erfolgreiche Fahrzeuge haben einen Nachfolger erhalten. Ganz abgesehen von dem Eintritt in ein für uns neues Segment ist natürlich die Tatsache, eine dritte Baureihe zu etablieren, eine Herausforderung für das Unternehmen. Die Mannschaft ist aber hochmotiviert. Für mich persönlich ist es, schon wegen der Größe des Projekts, sicher die bislang größte Herausforderung.

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