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Jaguar, Land Rover, Rolls-Royce Wie der Brexit britische Autobauer in Schieflage bringt

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Jaguar drohen Zölle auf die eigenen Autos

Um sich vom Brexit unabhängiger zu machen, emanzipiert sich Jaguar Land Rover ein Stück weit vom britischen Heimatmarkt. Im slowakischen Nitra bauen die Briten derzeit ihr erstes Werk auf dem Kontinent – es ist auf 150.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, kann aber auf eine Kapazität von 300.000 Autos erweitert werden. Zudem lässt Jaguar das neue Kompakt-SUV E-Pace mit immerhin rund 60.000 Einheiten pro Jahr bei Magna Steyr in Österreich bauen. Auch der I-Pace, das erste Elektroauto der Marke, läuft in einer Magna-Werkshalle in Graz vom Band. Will Jaguar dann sein technologisches Aushängeschild auf dem Heimatmarkt verkaufen, müssen sie womöglich Einfuhrzölle entrichten.

Den britischen Autobauern und ihren europäischen Kunden droht noch von ganz anderer Seite Ungemach. Denn die in Großbritannien ausgestellten Pkw-Typgenehmigungen könnten durch den EU-Austritt ungültig werden, befürchtet der europäische Fahrzeugherstellerverband ACEA. Kommt es zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nicht zu einem Abkommen, dürften die betroffenen Fahrzeuge hierzulande nach dem 30. März 2019 im Extremfall nicht mehr verkauft oder auch nur genutzt werden.

Über britische Typgenehmigungen verfügen in der Regel Modelle britischer Hersteller oder in Großbritannien produzierte Autos. Derzeit kann jeder Fahrzeughersteller eine beliebige nationale Behörde für die Zulassung seiner Autos in der EU wählen. Das Zertifikat gilt in der gesamten EU, die Autos dürfen also in allen Staaten genutzt und verkauft werden. Diese Regelung war in der Vergangenheit schon ein Streitpunkt zwischen Deutschland und Italien: Das Bundesverkehrsministerium (damals noch unter Alexander Dobrindt) sah beim Fiat 500X eine illegale Abschalteinrichtung als erwiesen an. Da der Wagen eine italienische Typzulassung hat, sind die dortigen Behörden zuständig – die dem Ersuchen aus Deutschland aber partout nicht nachgehen wollten.

Mit diesem Auto will Jaguar Tesla jagen
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar
Jaguar I-Pace Elektroauto Quelle: Jaguar

Durch den Brexit wird Großbritannien jedoch zu einem Drittland. Die britischen Typgenehmigungen verlieren dann ihre europaweite Wirkung. Das bedeutet, dass ein Hersteller ab diesem Zeitpunkt keine Kraftfahrzeuge und Bauteile mit einem Konformitätszertifikat in den Verkehr bringen kann, welche sich auf eine Typgenehmigung beziehen, die von der britischen Genehmigungsbehörde erteilt wurde, schreibt der Verband der TÜV (VdTÜV) in einer Stellungnahme. Die ACEA befürchtet sogar Einschränkungen bei der legalen Nutzbarkeit von britisch zertifizierten Autos auf europäischen Straßen, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Erkennt die EU eine britische Typgenehmigung (unter Auflagen) an, könnte der Status quo erhalten bleiben.

Die europäischen Autobauer sollten sich nicht zu früh auf den ein oder anderen herüberwandernden Kunden eines britischen Herstellers freuen, falls dessen Auto stillgelegt wird. Der Brexit betrifft sie ebenfalls – und das wird womöglich teuer. Denn wie der ACEA vorrechnet, könnten Volkswagen, PSA und Co wegen des Brexits das CO2-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer bis 2021 verfehlen.

Der Grund ist simpel: In Großbritannien ist der Anteil an umweltfreundlichen Autos höher als auf dem Kontinent. 16 Prozent aller Elektroautos und 31 Prozent aller Hybride der 28 EU-Staaten sind dort zugelassen. Treten die Briten 2019 aus der EU aus, müssten auch diese Fahrzeuge aus der Statistik herausgerechnet werden – und das hätte „erhebliche Auswirkungen“, erklärte ACEA an diesem Montag. Fielen diese Autos aus den auf ganz Europa berechneten Fahrzeugflotten weg, gerieten die CO2-Ziele für die restliche EU27 in Gefahr. Schafft ein Hersteller die 95 Gramm CO2 nicht, drohen für jedes Gramm Überschreitung 95 Euro Strafe – pro Auto.

Der Verband plädierte dafür, das bisherige System beizubehalten, also die britischen Daten auch nach dem Brexit weiter einzubeziehen. Sollte dies nicht möglich sein, müsse die EU-Kommission „das Ziel von 95 Gramm auf den Prüfstand stellen“, forderte ACEA.

Die Liste an Risiken und potenziellen Kosten ist lang – und dennoch gibt es weiterhin Optimisten. „Ich bin unverändert guter Dinge, dass wir am Ende des Tags ein positives Ergebnis haben werden“, sagt Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös. „Auch wenn ich Deutscher bin: Wir sind ‚truly British‘ und wollen auch in England bleiben. Das ist Teil unserer Marke.“

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