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Japan, Korea, China Asiens Autobauer setzen zum Überholen an

Trotz Atomkatastrophe und Hochwasser: Die deutschen Autobauer müssen verstärkt mit Konkurrenz aus Japan, aber auch aus Korea und China rechnen.

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Toyota-Chef Akio Toyoda Quelle: REUTERS

2011 war kein gutes Jahr für Akio Toyoda. Der Chef des japanischen Autoriesen Toyota musste an allen Fronten kämpfen. Zuerst der Skandal um defekte Bremsen in den USA, der zu Millionen Rückkäufen führte. Dann die verheerenden Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima, die dazu führte, dass der Konzern die Produktion zwischenzeitlich komplett einstellen musste.

Kein halbes Jahr später: Die Flutkatastrophe in Thailand, die zu erheblichen Verzögerungen bei der Produktion führte. In zehn Ländern mussten Fabriken auf die Belieferung mit Bauteilen warten. Dazu kommt der starke Yen, der die Gewinnmargen der in Japan hergestellten Autos drastisch erhöht, sodass Toyota auch noch die Preise senken muss, um die fertigen Autos überhaupt los zu werden.

Toyota musste Gewinnerwartungen korrigieren

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    Am Freitag zog Toyota die Konsequenzen und schraubte die Gewinnerwartungen deutlich nach unten. Statt dem ursprünglich geplanten Nettogewinn von 390 Milliarden Yen erwartet der Konzern nur noch 180 Milliarden Yen (1,7 Milliarden Euro) im laufenden Geschäftsjahr.

    Trotz aller Schreckensmeldungen lassen sich die Japaner nicht unterkriegen, wie der Auftritt auf der Tokyo Motor Show zeigte, die am Wochenende zu Ende ging. Auch Korea stärkt seine Position als ernst zu nehmender Wettbewerber auf dem globalen Automarkt. Und China will ebenfalls keine kleinen Brötchen mehr backen.

    Unter dem Motto „Reborn“ (wiedergeboren) stellte der Konzern auch nach einem katastrophalen Jahr neue Modelle vor. Noch im Dezember soll der Toyota Aqua mit Hybridtechnik auf den Markt kommen, der außerhalb Japans als Prius C vermarktet wird.

    Die Stars der Tokyo Motor Show
    Mazda Elektro-Studie Takeri Quelle: dapd
    Toyota zeigt den FCV-R mit Brennstoffzelle Quelle: REUTERS
    Honda Micro Commuter Quelle: REUTERS
    Nissan Concept Car PIVO3 Quelle: REUTERS
    Mercedes F 125 Quelle: PR Daimler
    Der VW Passat Alltrack Quelle: Pressebild VW
    Mitsubishi-Hybrid-Studie PX-MIEV2. Quelle: dapd

    Elektroflitzer für die Megacities

    Die technischen Spielereien zeigen, dass sich die Japaner den Spaß bei der Arbeit nicht nehmen lassen. Der Toyota „Fun-Vii“ etwa ist eine Art Chamäleon-Auto. Ein Display bildet die Hülle des keilförmigen Gefährts mit Elektroantrieb. Damit lässt sich die Farbe des Autos beliebig ändern. Auch die anderen Japaner sparen nicht an Pathos. „Big answers from small cars“ lautete das Motto, unter dem Daihatsu in Tokio seine neuen Kleinwagen vorstellte. Kleines Zwei-Mann-Auto für die Rush Hour in Japans Megacities.

    Man weiß hier, was der Markt verlangt. Honda setzt ebenfalls auf Mini-Elektroautos. Ebenso wie der selbsternannte Marktführer in diesem Segment – Nissan. 20000 verkaufte Nissan „Leaf“ konnte Firmenchef Carlos Ghosn stolz verkünden. Bei Mazda ist man in Sachen Elektromobilität bisher weniger ambitioniert. Dafür arbeiten die Entwickler hier auf Hochtouren am perfekten Verbrennungsmotor mit möglichst geringem Abgasausstoß. „Sky active“ heißt die neue Technologie, mit der Mazda-Technikchef Hirotake Kanazawa den CO2-Ausstoß der Autos bis 2015 um fast 25 Prozent senken will.

    Koreaner expandieren

    Im tschechischen Hyundai-Werk in Nosovice Quelle: dapd

    Bei den Koreanern läuft es ähnlich prächtig. Hyundai expandiert aggressiv, baute Fabriken in China, Indien, der Türkei, Tschechien und den USA. In Amerika hat der Konzern mit 300.000 verkauften Autos 2010 bereits den größten europäischen Autobauer Volkswagen abgehängt. Die deutschen Autobauer, müssen sich zunehmend um ihre Marktmacht in Korea sorgen. Bisher lag ihr Importanteil in dem Tigerstaat bei 66 Prozent.

    Doch die preiswerten koreanischen Autos von Hyundai und Kia werden zur starken Konkurrenz – weltweit. Vor allem Volkswagen muss um Marktanteile bangen, denn die Koreaner greifen auf allen Segmenten an. Das legendär gewordene Youtube-Video eines Amateurfilmers auf der IAA beweist, wie die Wolfsburger über Autos aus Fernost denken. „Da scheppert nichts“, stellt VW-Chef Martin Winterkorn anerkennend fest, während er am Lenkrad des neuen Hyundai i30 rüttelt.

    Exportwelle aus China

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      Neben Korea und Japan werden die deutschen Autobauer ihren Blick in Zukunft auch verstärkt nach China richten. Dort plant die politische Führung fünf wettbewerbsstarke Autokonzerne nach dem Vorbild von Volkswagen, General Motors oder Toyota. Ab 2020 könnten die Chinesen, nach Analysteneinschätzungen, mit einer Exportwelle die weltweiten Automärkte fluten.

      „Genau wie die Japaner und Koreaner werden auch die Chinesen weltweit wettbewerbsfähig auftreten“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche unlängst in einem Interview. Vor ein paar Wochen erst verkündete der chinesische Autobauer Chery Quantum offiziell die Gründung seiner neuen Automarke „Qoros“. „Wir beginnen Mitte 2013 mit der Produktion und werden anfangs 150.000 Einheiten im Jahr herstellen, später 300.000, davon die Hälfte für den Export nach Europa“, sagte Co-Vorstandschef Volker Steinwascher laut einem Zeitungsbericht. Auch Xu Heyi, Chef von BAIC, einem der größten Wettbewerber im chinesischen Automarkt kündigte an, er wolle eine internationale Marke aufbauen.

      Kleine Hersteller tun sich zusammen

      Auch wenn es noch ein paar Jahre dauern könnte, bis die Chinesen bei der Qualität mit weltweit etablierten Autokonzernen mithalten können, auf ihrem Heimatmarkt gewinnen sie ständig Marktanteile. Seit 2009 liegen die chinesischen Autobauer im eigenen Land auf Platz Eins und verkauften eine Million Fahrzeuge mehr als im Vorjahr.

      Bisher bieten rund 100 chinesische Hersteller Autos im Reich der Mitte an. In den nächsten Jahren soll diese Zahl deutlich sinken. Die vielen kleinen unbekannten Hersteller sollen zu schlagkräftigen Großkonzernen zusammengeschmolzen werden. Für die Autobosse in Wolfsburg, München und Stuttgart könnten diese in einigen Jahren zu echte Konkurrenten werden.

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