Jubiläumsfest in der Krise Opel macht sich Mut

Der Absatz bröckelt, die Verluste häufen sich. Heute spielt all das bei Oper aber nur eine Nebenrolle: 150 Jahre nach Firmengründung feiert der Autobauer mit Besuchern aus der Region. Doch die Probleme bleiben.

Die kultigsten Opel-Modelle
Als erstes Auto rollt der " Lutzmann" im Jahre 1899 in Rüsselsheim aus der Opel-Fabrik. Der Kraftwagen mit 4 PS und Einzylinder-Heckmotor mit Wasserkühlung, nach den Plänen des Dessauer Hofwagenbaumeisters Friedrich Lutzmann ähnelt einer Pferdekutsche. Lutzmann hatte seine 'Anhaltinische Motorenwagenfabrik' zuvor an den erfolgreichen Fahrrad- und Nähmaschinenhersteller Opel verkauft. Quelle: dpa
Der Laubfrosch war ab 1924 das erste deutsche Auto, das am Fließband gebaut wurde. Das mutmaßliche Plagiat eines Citroën-Modells wurde in grüner Lackierung verkauft und machte wegen seines vergleichsweise günstigen Preises Opel zum größten Autohersteller im deutschen Reich.
Der Opel Olympia war 1935 der erste deutsche Serienwagen mit selbsttragender Stahlkarosserie und wurde nach dem Krieg als 'Rekord' nach US-Vorbildern neu entwickelt. Bis heute Kult bei Youngtimer-Freunden ist der bis 1972 gebaute Rekord C, der auch als Coupé zu haben war.
Die Modelle Kapitän (Foto), Admiral und Diplomat konkurrierten in der Oberklasse bis 1977 mit den Limousinen von Mercedes-Benz. Mindestens sechs Zylinder waren bereits in den 30er-Jahren Pflicht, der Diplomat verfügte in den 70ern sogar über einen 8-Zylinder von Chevrolet. Nach dem Weltkrieg war das Design der Opel-Straßenkreuzer zeitweise sehr amerikanisch. Quelle: REUTERS
Der Opel Admiral B wurde von 1969 bis 1977 gebaut. 1972 wird der Kühlergrill verändert - mit waagerechten Rippen und Opel-Emblem. 1976 bekommt das Armaturenbrett ein frisches Design.
Im Sommer 1965 debütiert das Opel Diplomat V8 Coupé. Der elegante Zweitürer basiert auf der gleichnamigen Limousine, mit der Opel seit 1964 wieder in der automobilen Oberklasse vertreten ist. Das Coupé fertigt der Karosseriebauer Karmann, bis 1967 laufen 347 Exemplare vom Band. Quelle: Opel
Die erfolgreichste Baureihe Kadett/Astra startete 1962 als Käfer-Herausforderer im neu errichteten Werk Bochum. Erfolgreich war und ist der 1991 in Astra umgetaufte Millionenseller auch als Coupé und Caravan. Ein bereits vor dem Krieg gebauter Kadett wurde später als Moskwitsch 400 auf den alten Bändern in der Sowjetunion gebaut. Quelle: dpa
Mit unterschiedlichen Typen des Mittelklasse-Wagen Ascona gewann Rallyefahrer Walter Röhrl 1974 Europameister, 1982 auch die Weltmeisterschaft. Quelle: Opel
Das technisch identische Coupé Manta eignete sich vor allem in der späteren Variante Manta B für Tuningversuche halbstarker Möchtegern-Rennfahrer. Quelle: dpa

So gut ist die Stimmung am Opel-Stammsitz Rüsselsheim selten: Die Bänder laufen auf Hochtouren, eine Live-Band spielt Oldies, Kinder fahren begeistert Kart und Tausende Opel-Fans testen ihre Lieblingsautos.

Zum 150-jährigen Firmenjubiläum gönnt sich der Autobauer eine Auszeit von der Krise. Auch Interims-Chef Thomas Sedran, der derzeit einen Knochenjob hat und vor schmerzhaften Entscheidungen steht, lässt sich an diesem Samstag die gute Laune nicht nehmen: „Wir alle bei Opel können stolz sein auf unser Unternehmen und unsere Autos.“

Fraglich ist nur, wie viele Jubiläen Opel noch feiern wird. Denn die Krise in Südeuropa hat den ohnehin seit Jahren defizitären Autobauer erneut auf Talfahrt geschickt. So leidet Opel schon wieder unter Überkapazitäten - obwohl die Rüsselsheimer vor nicht einmal zwei Jahren ein Werk geschlossen und 8000 Stellen abgebaut haben.

Längst feilt das Management am Zukunftsplan „Drive Opel 2022“, der Wachstum fördern und Kosten senken soll. Doch so einfach ist das nicht. Denn um etwa die Personalkosten zu drücken, muss sich das Management mit der mächtigen Gewerkschaft und dem Betriebsrat einigen. Dabei geht es auch um die Zukunft des Werks Bochum, für dessen Fortbestand der Betriebsrat mit aller Macht kämpfen wird.

Zwar soll auch die Verwaltung verschlankt werden, Experten sind aber davon überzeugt, dass das nicht reichen wird. Opel müsse die Kraft haben, unschöne Entscheidungen zu treffen, um langfristig überleben zu können, betont Autoexperte Stefan Bratzel. Er schätzt, dass der Autobauer mindestens ein, eher zwei Werke schließen müsste, um die Kapazitäten der Nachfrage anzupassen.

Die herausragende Rolle auf dem Weg „zurück in die Champions League“ soll eine Produktoffensive spielen, betont Sedran: „Große Chancen sehen wir bei Kleinwagen - wir werden unter dem Adam noch ein echtes Citycar bringen. Ein Cabrio namens Cascada wird im März 2013 in den Verkauf kommen.“ Der Kleinwagen Adam wird kommende Woche auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Analyst Ian Fletcher von IHS Automotive erwartet, dass Opel mit dem Adam den Modellen Citroën DS3 oder Fiat 500 Konkurrenz machen will.

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