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Karl-Thomas Neumann im Interview Opel soll mit 23 neuen Modellen wieder glänzen

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Deutschland ist das Rückgrat

Diese Modelle entscheiden über Opels Zukunft
Opel Adam Quelle: dpa
Opel Mokka Quelle: dpa
Opel Monza Quelle: GM Company
Opel Cascada Quelle: dpa
Opel Insignia Quelle: dpa-tmn
Opel Zafira Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Verdienen Sie dann künftig auch mehr an jedem verkauften Mokka?

Uns laufen nicht die Kassen über, bloß weil der Mokka in Europa produziert wird. Früher wäre es so gewesen, dass wir für die Autos aus Korea nur eine Art Vertriebspauschale bekommen hätten. Aber kürzlich haben wir unsere Buchhaltung umgestellt – auf das sogenannte „Country of sale“-Prinzip. Nun wird jedes Auto mit einer Fertigungsgebühr berechnet. Den Mehrerlös dürfen wir behalten. So wird vergleichbar, was die Autos unterschiedlicher Marken auf dem Weltmarkt erlösen. Das ist wichtig für die Produktionssteuerung.

Sie haben trotzdem noch große Überkapazitäten in Europa. Was unternehmen Sie dagegen?

Richtig. Insgesamt sind unsere Werke nur zu etwa zwei Drittel ausgelastet.

Und deshalb auf Werksebene defizitär?

Mal langsam. Wir sind insgesamt defizitär, aber das sind wahrscheinlich die meisten Autowerke und Volumenhersteller in Europa. Ich muss deshalb auf die Deckungsbeiträge schauen: Mit welchen Autos kann ich Geld verdienen und ab wann erreiche ich den Break-even, um die Fixkosten zu decken. Auf dem Weg sind wir. Wir holen Produktion nach Europa, reduzieren die Kapazitäten und versuchen unseren Absatz zu steigern.

Wie reduzieren Sie die Kapazitäten?

Wir machen die gängigen Instrumente zur Flexibilisierung, wie Urlaubsschichten. Und wir beenden die Fahrzeugfertigung in Bochum Ende 2014. Zudem versuchen wir Autos, die wir in Europa verkaufen, auch hier zu produzieren, um Standorte besser auszulasten. Darum ist die Entscheidung für die Mokka-Produktion in Saragossa so wichtig: Wir können eine große Fabrik besser auslasten und senken so die Fixkosten.

In Bochum kursiert das Gerücht, JaguarLandRover hätte das Werk im britischen Ellesmere Port gerne gekauft.

Das kann ich dementieren.

Neumann schaltet auf der Landstraße in den fünften Gang.

Unser Weg ist jetzt klar abgesteckt. Und mit dem, was wir in der Planung haben, werden wir es schaffen...

…den Break-even zu erreichen? Bis wann?

Ja, zur Mitte der Dekade, sprich bis 2015/2016, und wir wollen mehr. Eine schwarze Null wäre auf Dauer nicht befriedigend. Unsere Werke liegen – bis auf eine Fabrik in Polen - in Hochlohn-Europa. Kein anderer Autohersteller produziert prozentual so viele Fahrzeuge in Deutschland wie wir. Deutschland bleibt dabei auch in Zukunft unser Rückgrat, unsere Heimat – und neben Großbritannien unser größter Markt.

Entwicklung der Marktanteile in Westeuropa bis Ende Mai in Prozent (zum Vergrößern bitte Grafik anklicken)

Spielen bei Ihrer Produktionsplanung die Werke von PeugeotCitroen (PSA) eine Rolle?

Wir arbeiten mit unserem französischen Partner bei Einkauf, Entwicklung und Logistik zusammen. Wir haben als Teil des GM-Konzerns globale Skaleneffekte, aber nicht im Bereich von Minivans – wie dem Meriva und Zafira - für Europa. Da kann uns PSA helfen. Die haben dort große Kompetenz, aber das gleiche Problem wie wir: mangelnde Skaleneffekte in diesen typisch europäischen Segmenten. Wir haben deswegen nun den Teileeinkauf in einer Gesellschaft gebündelt und sind dadurch nun der zweitgrößte Einkäufer in Europa.

Wird die nächste Generation des Familien-Vans Zafira von 2017 an bei Peugeot gebaut?

Dieses Gerücht kam nur auf, weil ich entschieden habe, die Entwicklung des nächsten Zafira kurzfristig neu zu orientieren.

Wollen Sie das Segment aufgeben?

Keineswegs, ich habe nur die Entwicklung für einen Augenblick angehalten. Das Segment passt sehr gut zu Opel, der aktuelle Zafira ist ein großartiges Auto. Aber er ist dem Segment ein Stück entwachsen. Und laut Marktforschungen kommt das Segment in Zukunft unter Druck: Aus Familien-Vans werden schicke Crossover. Insofern tut eine kurze Besinnungspause gut, um den Nachfolger des Zafira wieder im „sweet spot“ des Segments zu positionieren. Genau das werden wir tun. Wir machen keine Kompromisse.

PeugotCitroen und Bosch sprechen derzeit mit vielen Autoherstellern, um Partner für den neuen mechanischen Hybridantrieb namens Hybridair zu gewinnen. Kann sich die Technik am Markt behaupten?

Wir prüfen viele Felder der Zusammenarbeit. Das ist der positive Geist dieser Kooperation mit unserem französischen Partner. Über Entscheidungen zu bestimmten Technologien reden wir dann, wenn sie gefallen sind.

Was passiert mit dem Elektroauto Ampera? Gibt es einen Nachfolger? Sinkt der Preis (wie beim Leaf)?

Wir sind stolz auf unser Elektroauto Ampera. Es war im vergangenen Jahr „Auto des Jahres“ und Marktführer in Europa. Der Ampera ist ein Beleg für unsere Innovationskraft. Wir nehmen dem Kunden damit die Angst vor der Reichweitenbegrenzung. Aber natürlich ist das Auto noch relativ teuer – und wir wollen mit der nächsten Generation den Preis senken.

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