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Karl-Thomas Neumann im Interview Opel soll mit 23 neuen Modellen wieder glänzen

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Opel schafft die Wende

Opels Managerverschleiß auf dem Chefposten
Michael Lohscheller Quelle: Opel
Karl-Thomas Neumann Quelle: obs
Thomas Sedran Quelle: dpa
Stephen Girsky Quelle: dpa
Karl-Friedrich Stracke Quelle: dpa
Nick Reilly Quelle: REUTERS
Hans Demant Quelle: AP

Die Motoren waren lange ein Schwachpunkt vieler Opel-Fahrzeuge.

Stimmt. Aber der hier ist auf der Höhe der Zeit. Und im neuen Insignia werden wir einen 140 PS-Diesel bringen, der lediglich 99 Gramm CO2 ausstößt. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 3,7 Litern auf 100 Kilometer. Damit ist er Bester seiner Klasse. Genauso wie der neue 136 PS-Diesel im Zafira mit nur 4,1 Liter Verbrauch. Und mit dem Corsa schaffen wir 3,3 Liter Diesel und gerade einmal 88 Gramm CO2 pro Kilometer. Bis 2016 werden wir 80 Prozent unserer Motoren erneuern.

Die Mittelkonsole des Cascada ist etwas überfrachtet. Finden Sie das nicht auch?

Die Kritik höre ich nicht zum ersten Mal. Wir haben uns das zu Herzen genommen: Schauen Sie nur auf den Opel Adam. Und auch im neuen Insignia ist der Bereich aufgeräumter. Da gibt es nur noch Knöpfe für die Klimaanlage und vier, fünf Knöpfe für die Navigation. Der Rest wird über einen Touchscreen und ein Write-Pad geregelt, das handschriftliche Eingaben erkennt.

Sie sind der sechste Opel-Chef in den letzten 15 Jahren Jahren, das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen. Es gibt sicher einfachere Jobs in der Autoindustrie.

Wohl wahr. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Wende hinbekommen werden.

Was sind die größten Herausforderungen?

Unser Kernmarkt Europa steckt in einer schweren Krise, er erodiert seit nunmehr 20 Jahren und eine schnelle Besserung erwarte ich nicht. Die Talsohle ist wohl erreicht, aber es geht nicht bergauf. Wir haben das in unserem Restrukturierungsplan schon berücksichtigt, aber leichter wird es dadurch natürlich auch nicht.

Im ersten Halbjahr schrumpfte der westeuropäische Pkw-Markt um rund sieben Prozent. Opel konnte den Marktanteil von 6,8 Prozent halten und ist nach wie vor drittstärkste Marke in Europa. Ist die Talsohle erreicht?

Uns hilft, dass wir sehr gute und auch neue Autos haben. Der Mokka ist in Deutschland und Europa inzwischen einer der meistverkauften Geländewagen (SUV): Für dieses Modell liegen uns 110.000 Bestellungen vor. Und der Adam schafft als Lifestyle-Kleinwagen für Opel ein völlig neues Segment. Für den Wagen gibt es bisher 40.000 Bestellungen. Das müssen noch mehr werden, aber der Anfang ist gemacht. Und auch der Cascada hilft bei der Neupositionierung der Marke. Unser Cabrio ist seit 20. April im Handel – und läuft sehr gut an.

Der Mokka wird in Südkorea gebaut, die Lieferzeit beträgt aktuell mehr als ein halbes Jahr. Der Aufbau einer Produktion in Europa war da ein logischer Schritt. Wie stark haben Sie dafür kämpfen müssen?

Es war mein Herzenswunsch, den Mokka nach Europa zu holen. Die Zahlen entwickelten sich zu unseren Gunsten. Anfangs bekam ich zu wenig Autos aus Korea, weil alle den Welterfolg des Mokkas und seiner Schwestermodelle unterschätzt haben. In der alten Welt von GM hätten wir uns wahrscheinlich mit den Stückzahlen, die Opel einmal auf Basis konservativer Schätzungen angemeldet hatte, begnügen müssen. Wir haben es dann aber geschafft, dass wir überproportional viele Mokkas zugeteilt bekamen. Denn wir konnten belegen, dass wir im internationalen Vergleich wirtschaftlich mit dem Modell gut dastehen.

Was bringt die Produktion in Europa?

Wir lasten unsere Produktionskapazitäten in Europa besser aus, sichern die bestehenden Arbeitsplätze und verkürzen die Lieferzeiten für unsere Kunden. Es freut uns sehr, dass Opel von GM für eine Produktion im Werk Saragossa den Zuschlag bekommen hat.

Wann geht es los?

In der zweiten Jahreshaelfte 2014 werden wir mit einer sogenannten CKD-Fertigung beginnen. Dabei werden die Autos aus vorgefertigten Komponenten zusammengebaut.

Wird von Saragossa aus nur der europäische Markt beliefert?
Das ist unser Ziel. Hier gilt es schließlich erst einmal, die hohe Nachfrage zu bedienen. Das hilft uns erst mal…

…Saragossa besser auszulasten?

Auf jeden Fall. Früher hätte man bei einer schwachen Werksauslastung die Autos in den Markt gedrückt. Heute machen wir das nicht mehr. Trotzdem halten wir unseren Marktanteil; das ist ein Riesenerfolg. Ich bin überzeugt, dass wir unseren Marktanteil in Europa und Deutschland mittelfristig wieder ausbauen können.

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