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Konzern-Umbau Daimler steckt 35 Milliarden Euro in deutsche Werke

Der Startschuss ist gefallen, der Autokonzern Daimler möchte seine Divisionen nochmal umbauen. Dazu wird erst einmal eine Millionensumme investiert.

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Mercedes Quelle: dpa

Daimler investiert in den kommenden sieben Jahren 35 Milliarden Euro in die deutschen Standorte. "Die Zahl ist vereinbart worden von der Unternehmensleitung mit dem Betriebsrat", erklärte ein Daimler-Sprecher am Montag und bestätigte damit Informationen des Konzernbetriebsrats. Die Summe beinhalte bereits einige Milliarden Euro, die in den vergangenen beiden Jahren für die verschiedenen Produktionswerke von Mercedes-Benz Pkw und Daimler Trucks vereinbart worden waren.

Schwerpunkte der Investitionen sind dem Betriebsrat zufolge Elektromobilität, Mobilitätsdienstleistungen und autonomes Fahren. Zudem habe das Unternehmen dem Betriebsrat erstmals Mitsprache zugesagt bei Entscheidungen, welche Arbeiten im eigenen Haus gemacht werden und was an externe Anbieter vergeben wird.

"Das Unternehmen muss sich in Zukunft bei Neuinvestitionen und der Frage nach Eigen- oder Fremdbezug mit dem Betriebsrat beraten", erklärte der stellvertretende Betriebsratschef Ergun Lümali. Allerdings hat die Arbeitnehmervertretung hier kein Vetorecht. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte mit Blick auf die Produktion von Elektroautos erklärt, künftig noch mehr Teile von Fremdanbietern beziehen zu wollen. Der Betriebsrat will dagegen dafür sorgen, dass es mehr Eigenproduktion gibt.

Daimler hatte ebenfalls am Montag den im Sommer angekündigten Umbau eingeläutet. Der Konzern könnte künftig aus den drei rechtlich selbstständigen Einheiten Mercedes-Benz Pkw, Nutzfahrzeuge und Finanzdienstleistungen bestehen, erklärte das Unternehmen am Montag. Der Vorstand will zunächst einen dreistelligen Millionenbetrag in die Vorbereitungsarbeiten investieren. Um profitabel und wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse sich Daimler schnell an neue Rahmenbedingungen anpassen können, erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Es dauert allerdings noch, bis der Dax-Konzern agiler wird: Ein endgültiger Beschluss wäre nach eingehender Prüfung frühestens auf der Hauptversammlung 2019 möglich. Zunächst sollen externe Berater alle rechtlichen und steuerlichen Fragen klären.

Derzeit besteht Daimler aus fünf Divisionen: Daimler Financial Services, Pkw, Vans, Lkw und Busse arbeiten nebeneinander unter dem Konzerndach. Künftig werden die Vans der Pkw-Sparte zugeschlagen, die Busse den Lkws. Die geplanten drei unabhängigen Einheiten sollen mehr unternehmerische Verantwortung bekommen, erklärte Daimler. Dadurch sollen sie stärker wachsen, investieren und mehr Gewinn machen können. "Mit dem Projekt ermöglicht Daimler zielgerichtete Kooperationen und Partnerschaften", hieß es weiter.

Insidern zufolge könnten die drei Sparten eigenständige Aktiengesellschaften sein. Gegenseitige Beteiligungen mit anderen Unternehmen, etwa aus der IT-Branche, wären durch einen Aktientausch dann einfacher möglich als heute, wo ein Partner mit einer Daimler-Aktie sich am ganzen Konzern beteiligt.

Wie alle Automobilkonzerne muss Daimler massiv in die Trends autonomes Fahren, Elektromobilität und digitale Dienste investieren. Partnerschaften mit Firmen aus der IT-Branche sind schon heute an der Tagesordnung. Wie sich der Dax-Konzern unter diesen Bedingungen derzeit schlägt, werden die für Freitag erwarteten Quartalszahlen zeigen.

Spekulationen, damit werde eine Abspaltung des Nutzfahrzeuggeschäfts und ein Verkauf vorbereitet, erteilte der Konzern erneut eine Absage. "Es ist nicht geplant, dass sich die Daimler AG von einzelnen Geschäftsbereichen trennt", hieß es dazu. Ob damit auch Teilbörsengänge der Töchter ausgeschlossen sind, ist offen.

Analysten wie Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI fordern schon länger eine Aufspaltung der Konzerns, um den Börsenwert des Dax-Konzerns zu steigern. "Natürlich schaffen separate rechtliche Einheiten alleine noch keinen höheren Shareholder Value. Daimler müsste den nächsten Schritt gehen und seine Einheiten alle oder teilweise an die Börse bringen", schrieb Ellinghorst. Die Aktie legte am Montag in einem schwachen Marktumfeld zeitweise um mehr als ein Prozent zu.

Auch Sorgen der rund 170.000 Beschäftigten der Daimler AG vor Stellenstreichungen oder um ihre Betriebsrenten will der Autobauer nicht aufkommen lassen. "Mit dem Projekt verfolgt der Konzern weder ein Spar- noch ein Effizienzprogramm oder gar die Absicht, Arbeitsplätze abzubauen", erklärte das Unternehmen. Die drei Geschäftsfelder hätten ihren Sitz weiterhin in Deutschland. In einem Eckpunktepapier zum Interessenausgleich für die Mitarbeiter sei die Beschäftigungssicherung von 2020 bis Ende 2029 verlängert worden.

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Das sei der längste bislang vereinbarte Zeitraum mit einem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, erklärte der Daimler-Betriebsrat. "Eine Umstrukturierung macht nur dann Sinn, wenn es die Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte festigt und damit den Beschäftigten mehr Sicherheit gibt", sagte Betriebsrats-Chef Michael Brecht. Die Sparten-AGs blieben an die Tarife der Metallindustrie gebunden.

Im vierten Quartal sollen drei Milliarden Euro aus liquiden Mitteln in das Pensionsvermögen von Daimler in Deutschland eingezahlt werden. Ziel sei es, 90 Prozent der Ansprüche auf Betriebsrenten abzudecken, erklärte ein Konzernsprecher. Den Aktionären wäre es sicher lieber, wenn das Geld ins laufende Geschäft gesteckt würde, erklärte Analystin Kristina Church von der Investmentbank Barclays. Es sei außerdem eine "schlechte Nachricht", dass der Konzernumbau bis 2019 dauere.

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