Koreanischer Autobauer Was Kias Wachstum bremst

Das Kia-Werk in der Slowakei eilt von Rekord zu Rekord. Doch international läuft es bei dem Shooting Star aus Korea derzeit nicht. Auch in Deutschland häufen sich die Probleme, die der neue Geschäftsführer jetzt angehen will – und muss.

WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schaal hilft bei der Montage des Kia cee'd. Quelle: Kia

Mit einem satten Klacken rastet die Stoßstange ein. Im nächsten Handgriff dreht der Arbeiter noch zwei Schrauben ein, und schon fährt das Band den Kia cee’d auf der Fertigungslinie eine Station weiter. Alles wie immer im slowakischen Kia-Werk Zilina, fast alles. Eines ist an diesem Tag Mitte Mai anders: An der Stoßstange ist bereits ein Kennzeichen montiert: „1 million cee’d“.

Acht Jahre nach dem Produktionsbeginn der ersten Generation des Kompaktwagens in Zilina haben die Arbeiter jetzt das einmillionste Exemplar gefertigt. Der weiße pro_cee’d GT, das Topmodell mit 204 PS, wird später ins Vereinigte Königreich ausgeliefert – sofern es die Qualitätskontrollen übersteht.

Neuzulassungen in Deutschland 2014

Das Werk in Zilina läuft auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr liefen in der Slowakei insgesamt 323.000 Kia vom Band, so viel wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Produktion um drei Prozent zu. Mehr als die Hälfte der in Europa verkauften Kia kommen aus der Slowakei. „Vor zehn Jahren kam noch kein Kia aus Europa, heute sind es 56 Prozent“, sagt Artur Martins, Marketing-Chef von Kia Motors Europe. „Wir sind stolz, das in dieser Zeit erreicht zu haben.“ Die Kia-Fahrzeuge aus Zilina gehen in alle Regionen Europas. Die größten Absatzmärkte des Werks waren 2014 Russland (18 Prozent der Jahresproduktion), Deutschland liegt auf Rang drei.

Unsicherheitsfaktor Russland

2013 gingen noch 30 Prozent der Fahrzeuge nach Russland, doch die Absatzkrise nach den politischen Unsicherheiten und EU-Sanktionen hinterließ auch bei Kia Spuren. „Wir senken unsere Produktion aber nicht, wir verteilen sie anders“, sagt Eek-Hee Lee, Präsident und CEO von Kia Motors Slovakia. „Jetzt geht ein größerer Teil unserer Produktion nach Westeuropa.“

Rund jeder dritte Wagen, der das Werk verlässt, ist eines der Kompaktmodelle der cee’d-Familie. Mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens entfällt auf das Kompakt-SUV Kia Sportage, der Van Venga spielt nur eine untergeordnete Rolle. Angesichts einer Reihe neuer Modelle werde man auch 2015 die Produktionskapazität in dem 2006 in Betrieb gegangenen Werk voll ausschöpfen, sagt Lee.

Nicht nur die Fabrik in Zilina ist ausgelastet. In Mexiko ziehen die Koreaner derzeit sogar eine neue Fabrik hoch, um die steigende Nachfrage in Nord- und Südamerika bedienen zu können. Ab 2016 sollten im Nordosten des Landes bis zu 300.000 Autos pro Jahr gebaut werden. Die Kosten für das Werk belaufen sich auf über eine Milliarde Dollar.

Kia wuchs rasant – und stagniert heute

Dass Kia-Werke ausgelastet sind oder gar neue Kapazitäten aufgebaut werden, ist eines der spektakulärsten Comebacks der Autobranche. Vor nicht einmal 20 Jahren geriet Kia wegen der hohen Schulden im Zuge der Asienkrise in Schieflage – und musste Insolvenz anmelden. Der damalige Konkurrent Hyundai rettete den ältesten koreanischen Autobauer. Die Allianz hält bis heute: Der Mutterkonzern hält immer noch 34 Prozent der Kia-Anteile.

Seit dem hat sich Kia zu einer der am stärksten wachsenden Autobauern weltweit entwickelt. Alleine zwischen 2004 und 2009 hat Kia die Verkäufe in der EU mehr als verdoppelt. Aber noch spielen die Koreaner nicht in der Champions League der globalen Autoindustrie. Toyota, Volkswagen und GM haben im vergangenen Jahr jeweils zehn Millionen Autos oder knapp darunter verkauft. Hyundai Kia kam auf acht Millionen – davon entfallen rund drei Millionen auf Kia – und ist damit derzeit hinter Renault-Nissan der fünftgrößte Automobilhersteller.

Die überraschende Rangliste der Wertstabilsten
Halbjährlich ermitteln die Restwerte-Spezialisten von Bähr und Fess im Auftrag von Focus Online die "Restwertriesen" in 16 PKW-Fahrzeugklassen, die aktuell auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Wir zeigen in der folgenden Bilderstrecke die - zum Teil wirklich überraschenden - Sieger und Verlierer, die prozentual und in Euro gemessen in den kommenden Jahren besonders hohe Restwerte behalten bzw. besonders wenig an Wert verlieren ... Quelle: Presse
... was ein jetzt gekaufter Wagen 2019 noch wert ist. Gewinner nach Prozent („relativer Restwertriese“) sind die Modelle, die binnen vier Jahren prozentual am meisten vom ursprünglichen Wert erhalten haben. Als Sieger in Euro („absoluter Restwertriese“) bezeichnen die Experten Neuwagenmodelle, die nach vier Jahren in Euro gerechnet am wenigsten an Wert verlieren. Den durchschnittlichen Wertverlust eines Neuwagens über alle Pkw-Klassen hinweg beziffern die Experten im ersten Jahr auf 24,2 Prozent bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern, danach sind es jeweils rund fünf bis sechs Prozent jährlich. Quelle: Presse
Die deutschen Hersteller schneiden vor allem bei den relativen Restwert-Siegern gut ab. Mercedes holt dort fünf erste Plätze, unter anderem mit dem GLA, der S-Klasse als Plug-In Hybrid und der E-Klasse. Bei ihrer Auswertung berücksichtigen die Experten von Bähr und Fess folgende Eckdaten: Kauf des Neuwagens im April 2015 zum Listenpreis, ausstattungsbereingt), angenommener Verkauf des Fahrzeugs im April 2019 zum Händerverkaufspreis, dazwischen wird eine klassenspezifische Durchschnitts-Jahresfahrleistung angenommen. Quelle: Presse
Wie schon in den Vorjahren dominiert die Marke Dacia die Liste der absoluten Restwertriesen. Sandero, Logan MCV, Lodgy und Duster räumen ab. Bei den Kleinstwagen fährt wieder der Peugeot 108 ganz oben aufs Treppchen - nicht so aber bei den relativen Restwert-Siegern: Da schafft der Opel Karl den ersten Platz. Quelle: Presse
Bei den Sportwagen siegt Porsche mit dem Boxster S erneut in der "Relativ"-Kategorie, beim Wertverlust in Euro kann allerdings ein Exot glänzen: Der neue Ford Mustang mit Turbo-Benziner. Quelle: Presse
BMW siegt mit dem 2er Active Tourer in der Van-Kategorie, der Audi A5 in der oberen Mittelklasse (gleichauf mit der E-Klasse). Quelle: Presse
... siegt der außerdem VW Golf Sportsvan bei den Kompakten, während der neue Renault Espace den Sieg bei den größeren Familienkutschen für sich verbuchen kann. Quelle: Presse

Mit dem Erfolg kam dann die weitere Expansion: 2006 eröffneten die Koreaner in der Slowakei ein eigenes Werk in Europa. Mit den Autos aus Zilina, die speziell auf den europäischen Markt zugeschnitten sind, legten die Verkaufe nochmals zu. Vor 2006 lag der Marktanteil der Koreaner in Europa bei unter einem Prozent. Mit neuen Modellen aus Korea wie den Kleinwagen Picanto und Rio sowei den europäischen Wagen aus Zilina kommt Kia heute auf 2,8 Prozent.

„Das Werk in der Slowakei hat eine zentrale Rolle im nachhaltigen Wachstum von Kia in Europa im vergangenen Jahrzehnt gespielt“, sagt Martins. „Der cee’d wird ausschließlich in Zilina gebaut und bildet mit 20 Prozent des Absatzes in Europa einen Eckpfeiler unseres Erfolgs.“ Eine kluge Entscheidung, wie der einmillionste cee’d unterstreicht.

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