Kostendruck in der Autobranche Mittelständische Zulieferer fürchten um ihre Existenz

Die Mehrzahl der Autozulieferer glaubt, dass Deutschland als Entwicklungs- und Produktionsstandort unwichtiger wird. Damit nicht genug: Kleinere Betriebe sehen ihre Existenz durch den Kostendruck nachhaltig gefährdet.

Deutschlands Zulieferer sind für ihre Qualität und ihr Know-how bekannt. Anhaltender Kostendruck macht vielen Betrieben jedoch bange. Quelle: dpa

Die deutschen Automobilzulieferer haben das abgelaufene Geschäftsjahr erfolgreich abgeschlossen. Das darf jedoch nicht über Brüche im System hinwegtäuschen, die immer offensichtlicher werden.

Demnach stimmen 54 Prozent der Automobilzulieferer der Aussage zu, dass ein weiter steigender Kostendruck durch die Automobilhersteller die Existenz des eigenen Unternehmens nachhaltig gefährdet. Das ergab eine Befragung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Die Stimmung im Detail

Studienleiter Stefan Bratzel: "Auch im Bereich Einkauf sehen die Zulieferer Gefahrenpotenzial. Zwei Drittel der Unternehmen glauben, dass ein preisgetriebener Einkauf zwangsläufig zu Qualitätsproblemen führt".

Zweifel an Vertrauensbasis

Dabei leiden die Mittelständler deutlich stärker unter einem steigenden Kostendruck als die großen Zulieferer. Während knapp zwei Drittel der kleineren Betriebe der Aussage voll oder bedingt zustimmen, dass steigender Kostendruck ihre Existenz nachhaltig gefährdet, sind es bei den großen Unternehmen nur 41 Prozent.

Auslandsaktivitäten der deutschen Zulieferer

"Bedenklich stimmt, dass viele Zulieferunternehmen Zweifel an der Vertrauensbasis zu ihren Kunden hegen", sagt Bratzel. Immerhin 40 Prozent der befragten Zulieferunternehmen stimmen der Aussage nicht zu, dass ihre Kunden ein Interesse daran haben, dass ihr Unternehmen nachhaltig wirtschaften kann und die Existenz gesichert ist. 58 Prozent sind jedoch anderer Meinung.

Die großen und stärker internationalisierten Automobilzulieferer blicken wohl auch daher wesentlich zuversichtlicher ins nächste Jahr als die mittelständischen Betriebe. Bei den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern beurteilen fast zwei Drittel die Aussichten für 2016 als positiv, bei den kleineren sind es dagegen nur knapp die Hälfte.

Auch im Rückblick sind die großen Zulieferer zufriedener als die kleineren. Fast drei Viertel der großen Lieferanten geben an, dass sich die Nachfragesituation 2014 verbessert habe – bei den kleineren war das nur bei der Hälfte der Fall.

Vorsichtiger beim Gang ins Ausland

Die Mehrzahl der Automobilzulieferer (54 Prozent) glaubt zudem, dass Deutschland als Entwicklungs- und Produktionsstandort an Bedeutung verlieren wird. Im Vergleich zur Befragung in 2013 sind die Unternehmen in punkto Auslandsengagement dennoch deutlich vorsichtiger geworden.

Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

Insbesondere die Russlandkrise schlägt hohe Wellen: Planten im Jahr 2013 noch 23 Prozent der deutschen Zulieferunternehmen, in Russland aktiv zu werden, sind es aktuell nur noch 9 Prozent. Auch die Neigung in Osteuropa zu investieren ging von 17 auf jetzt sieben Prozent deutlich zurück.

Einig sind sich jedoch die Zulieferer in der wichtigen Rolle von Innovationen. Produkt- und Prozessinnovationen stellen demnach für 86 Prozent der befragten Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar.

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