Langstrecken-Klassiker Porsche gewinnt die 24 Stunden von Le Mans

Die Siegesserie von Audi ist zu Ende: Nach fünf Audi-Siegen in Folge triumphierte dieses Jahr die Konzernschwester Porsche bei dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans – genau 25 Jahre nach dem ersten Porsche-Sieg.

24 Stunden von Le Mans Quelle: Presse

Porsche hat 45 Jahre nach dem ersten Triumph wieder das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Der Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 19 überquerte nach 396 Runden um die 13,629 Kilometer lange Rennstrecke als Erster die Ziellinie. Gefahren wurde der Wagen von Earl Bamber (Neuseeland), Nick Tandy (England) und dem deutschen Formel-1-Piloten Nico Hülkenberg.

Das Porsche-Glück machte der Wagen #19 perfekt: Das Auto von Mark Webber, Brendon Hartley und Timo Bernhard kam mit einer Runde weniger als Zweiter ins Ziel. Für Porsche ist es der 17. Gesamtsieg und der erste Sieg seit der Rückkehr nach Le Mans im vergangenen Jahr.

Die neuen Kraftprotze
Sie sind verflucht schnell, aber auch verdammt kompliziert: Die Rennwagen mit Hybridantrieb, die am kommenden Wochenende bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen und in der WEC um den Titel des Langstrecken-Weltmeisters kämpfen. Die so genannten Le Mans-Prototypen (LMP1) sind technische Wunderwerke, aerodynamisch perfektioniert, ultraleicht und mit enormem Aufwand auf höchste Effizienz getrimmt. Technische Basis für die Fahrzeuge ist eine ausgeklügelte Formel, die den Kraftstoffverbrauch limitiert und die Potenziale zur Energie-Rückgewinnung auf der Strecke belohnt. Wie dieses Ziel erreicht wird – mit welchen Motoren, Energiespeichern und Rekuperationstechniken – bleibt den Herstellern überlassen. So sehen die Super-Rennwagen von Audi und Porsche, Toyota und Nissan zwar auf den ersten Blick ganz ähnlich aus. Bei näherem Hinsehen zeigen sich jedoch große Unterschiede. Quelle: Audi
Toyota TS040 HybridDer Langstrecken-Weltmeister des Vorjahres geht in Le Mans mit einem weiterentwickelten Hybridsystem an den Start. Angetrieben wird die Flunder von einem Achtzylinder-Saugmotor mit 3,7 Litern Hubraum und einer Leistung von offiziell über 530 PS, der an der Hinterachse arbeitet. Ihm assistiert ein Elektromotor, der über 300 PS mobilisiert. Toyota gewinnt Bremsenergie an der Vorderachse zurück und speichert diese in einem Kondensator, einem so genannten Supercap. Dieser hat zwar nur eine eingeschränkte Speicherkapazität, ist aber in der Lage, die gespeicherte Energie in weniger als drei Sekunden ins Antriebssystem zurück zu speisen. Toyota startet in der sogenannten Sechs-Megajoule-Klasse – so viel elektrische Energie steht den Japanern pro Runde zur Verfügung. Quelle: Toyota
Toyota tritt dieses Jahr in Le Mans mit zwei Autos an. Wagen Nummer 1: Sébastien Buemi (Schweiz), Anthony Davidson (England), Kazuki Nakajima (Japan) Wagen Nummer 2: Alex Wurz (Österreich), Stéphane Sarrazin (Frankreich), Mike Conway (England) Quelle: Toyota
Audi R18 e-tron quattroDas allradgetriebene Auto des 13-fachen Le Mans-Siegers wird wie schon im Vorjahr von einem Sechszylinder-Dieselmotor mit vier Litern Hubraum angetrieben, der dank Turboaufladung auf eine Leistung von 558 PS (21 PS mehr als im Vorjahr) und ein Drehmoment von über 850 Newtonmeter kommt. Weil das Auto diesmal in der Klasse 4 Megajoule startet (so viel elektrische Energie darf das Auto pro Runde maximal verbrauchen), wurde auch der Elektromotor des Hybrid-Systems stärker: Er bringt nun 272 PS auf die Vorderachse und damit 40 PS mehr als im Vorjahr. Die beim Bremsen anfallende Energie wird wieder in einem Schwungrad zwischengespeichert. Quelle: Audi
Audi tritt wie gewohnt mit drei Autos an. Obwohl die Ingolstädter 2014 in Le Mans gewonnen haben, kleben dieses Jahr die Startnummern 7, 8 und 9 auf den Karbonflundern. Die Startnummern stammen aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Und die hat vergangenes Jahr Toyota gewonnen. Wagen Nummer 7: André Lotterer (Deutschland), Benoit Tréluyer (Frankreich), Marcel Fässler (Schweiz) Wagen Nummer 8: Oliver Jarvis (England), Lucas di Grassi (Brasilien), Loic Duval (Frankreich) Wagen Nummer 9: Marco Bonanomi (Italien), Filipe Albuquerque (Portugal), René Rast (Deutschland) Quelle: Audi
Porsche 919 Hybrid Bei der zweiten Generation des Porsche 919 Hybrid koppeln die Stuttgarter einen kleinen, leichten und sparsamen Vierzylinder-Benziner mit einem leistungsstarken Elektroantrieb. Der turboaufgeladene Verbrennungsmotor mit zwei Litern Hubraum wirkt auf die Hinterachse und kommt auf eine Leistung von deutlich über 500 PS. Das E-Kraftwerk an der Vorderachse leistet über 400 PS – genauere Zahlen nennt Porsche nicht. Nur so viel: In Summe mobilisiert der Antrieb knapp 1000 Pferdestärken. Energie gewinnt Porsche gleich auf zweierlei Weise zurück. Genutzt wird nicht nur die Bremsenergie an der Vorderachse, sondern mit Hilfe einer Turbine und eines Stromgenerators auch die Abgasströmung. Gespeichert wird der Recyclingstrom in einer flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie – einer Eigenentwicklung von Porsche. Bis zu 8 Megajoule elektrische Energie darf der Rennwagen pro Runde zurückgewinnen – mehr ist derzeit nicht erlaubt. Quelle: Porsche
Beim Debüt 2014 trat Porsche noch mit zwei Autos an und erlaubte sich bei den Startnummern ein kleines Zahlenspiel: Ein Wagen fuhr mit der 20, der andere mit der 14. Da die Zuffenhausener dieses Jahr aber drei Autos ins Rennen schicken, klappt das nicht mehr. Wagen Nummer 17: Timo Bernhard (Deutschland), Mark Webber (Australien), Brendon Hartley (Neuseeland) Wagen Nummer 18: Romain Dumas (Frankreich), Marc Lieb (Deutschland), Neel Jani (Schweiz) Wagen Nummer 19: Nico Hülkenberg (Deutschland), Earl Bamber (Neuseeland), Nick Tandy (England) Quelle: Porsche
Nissan GT-R LM NismoDer Rennwagen des zweiten japanischen Teams unterscheidet sich konzeptionell ganz deutlich von seinen Wettbewerbern. Der drei Liter große und von zwei Turboladern angefachte V6-Benziner liegt im Bug des Wagens und treibt mit 550 PS die Vorderräder an. Dazu gesellen sich zwei mechanische Schwungräder, die die Bremsenergie auffangen und die gespeicherte Kraft beim Beschleunigen etwa aus einer Kurve auf die Vorderachse lenken. Angeblich sollte das System in der 8-Megajoule-Klasse bis zu 1200 PS mobilisieren. Da Nissan aber Zweifel an der Zuverlässigkeit des Hybridsystems hat, starten die Japaner nur in der 2-Megajoule-Klasse – mit entsprechend weniger Leistung. Um diese Kraft auf die Straße zu bringen, sind die Vorderreifen deutlich breiter als die Reifen an der Hinterachse. Da auch alle Kühler im Vorderbau angeordnet sind und die Auspuffrohre und Turbolader nach oben rückten, ergab sich Platz für zwei tunnelartige Konstruktionen in Längsrichtung, die für einen Ansaugeffekt und maximalen Anpressdruck an der Hinterachse sorgen sollen. Während die Fahrzeuge der Wettbewerber bei Rennen im britischen Silverstone und belgischen Spa schon ihre Feuertaufe hinter sich gebracht werden, erlebt das „Batmobil“ von Nissan erst in Le Mans seine Premiere. Die Japaner gehen deshalb als Herausforderer an den Start. Quelle: Nissan
Nissan tritt bei der Premiere in diesem Jahr gleich mit drei Autos an. Wagen Nummer 21: Tsugio Matsuda (Japan), Lucas Ordonez (Spanien), Mark Shulzhitskiy (Russland) Wagen Nummer 22: Harry Tincknell (England), Alex Buncombe (England), Michael Krumm (Deutschland) Wagen Nummer 23: Max Chilton (England), Jann Mardenborough (England), Olivier Pla (Frankreich) Quelle: Nissan

Mit 39X Runden hat das Porsche-Trio den seit 2010 gültigen Distanzrekord nur knapp verpasst. Der Audi R15 TDI war damals 5.410 Kilometer gefahren. Der Porsche 919 Hybrid kam dieses Jahr auf 5.383 Kilometer.

Der beste Audi mit der Startnummer 7 von André Lotterer, Benoit Tréluyer und Marcel Fässler wurde mit drei Runden Rückstand Dritter. Damit ist die Siegesserie der Ingolstädter beendet, Audi hatte die letzten fünf Ausgaben des französischen Langstrecken-Klassikers gewonnen – seit 1999 sogar dreizehn von 16 Rennen. 2015 hatte Audi mit mehreren Problemen zu kämpfen, während das Rennen bei dem siegreichen Porsche reibungslos verlief.

Vom Start weg konnten sich die jeweils drei Rennwagen der deutschen Hersteller schnell vom Rest des Feldes absetzen und lieferten sich ein enges Duell mit ständigen Führungswechseln. Das hohe Tempo an der Spitze forderte allerdings auch seinen Tribut: Nach rund drei Rennstunden kollidierte der Audi mit der Startnummer 8 (Lucas di Grassi, Loic Duval, Oliver Jarvis) beim Überrunden mit einem langsameren Fahrzeug und schlug in die Leitplanke ein. Während der anschließenden Reparatur verlor der Wagen eine Runde auf die Führenden – und konnte diesen Rückstand im Rennverlauf nicht mehr aufholen.

Fakten zum Rennen

Am Samstagabend verlor auch der bestplatzierte und lange Zeit führende Porsche #17 die Chancen auf den Sieg. Der frühere Formel-1-Fahrer Mark Webber, der bei Red Bull Racing lange Teamkollege von Sebastian Vettel war, hatte trotz eines Verbots wegen einer Unfallstelle ein anderes Auto überholt – die einminütige Zeitstrafe warf den Porsche zwischenzeitlich auf den vierten Platz zurück. Am Ende wurde er nach einer Aufholjagd dennoch Zweiter.

Nach acht Stunden lagen die vier führenden Fahrzeuge innerhalb von zehn Sekunden. Dass es ein enges Rennen werden würde, hatte sich bereits nach den ersten beiden Saisonläufen der Langstrecken-Weltmeisterschaft abgezeichnet. Bei den Sechs-Stunden-Rennen in Silverstone und Spa hatte der Audi #7 jeweils knapp vor Porsche gewonnen.

Die Entscheidung fiel drei Stunden vor Rennende. Der bis dahin bestplatzierte Audi #9 von Marco Bonanomi, Filipe Albuquerque und René Rast musste wegen Probleme mit der Elektronik und dem Hybridsystem zur Reparatur in die Garage und fiel von einem Podestplatz bis auf den siebten Rang zurück. Auch an den anderen beiden Audis gab es außerplanmäßige Boxenstopps, weil sich jeweils ein Teil der Motorhaube gelöst hatte.

Enttäuschend verlief das Rennen für die beiden japanischen Autobauer. Die beiden Autos des Langstrecken-Weltmeisters Toyota liefen zwar ohne größere Probleme, konnten aber das Tempo von Audi und Porsche zu keiner Zeit mitgehen. Wegen des Problems des Audi #9 konnte der Toyota mit der Startnummer 2 den sechsten Rang einfahren. Hinter besagtem Audi kam der Toyota #1 als Achter ins Ziel – zehn Runden hinter dem Sieger.

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Noch schlechter lief es für Nissan, erstmals seit den 90er Jahren wieder in der Königsklasse von Le Mans am Start: Bereits im Training kamen die drei Nissan GT-R LM Nismo bei weitem nicht an die Zeiten der Konkurrenz heran. Einer der drei Nissan GT-R LM Nismo fiel in der Nacht wegen eines technischen Defekts aus, die anderen beiden mussten lange an der Box repariert werden. Immerhin konnte. sie das härteste Langstreckenrennen der Welt beenden – als 40. und 45. mit jeweils mehr als 100 Runden Rückstand auf den Porsche #19.

Der nächste Lauf der Langstrecken-WM findet am 30. August auf dem Nürburgring statt.

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