Lastwagenmarkt in der Krise MAN macht Millionenverlust

Auf dem europäischen Nutzfahrzeugmarkt ist keine Erholung in Sicht. MAN bekommt die Flaute mit aller Kraft zu spüren: Zu Jahresbeginn rutschte die VW-Tochter tief in die roten Zahlen.

Der Lastwagenhersteller MAN bekommt die anhaltende Krise in vielen europäischen Ländern zu spüren. Quelle: dapd

Die Konjunkturflaute setzt dem Münchner Lastwagen- und Maschinenbauer MAN immer stärker zu: Die VW -Tochter fuhr zu Jahresbeginn einen überraschend hohen operativen Verlust von 82 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Schnitt für das erste Quartal lediglich mit einem Viertel dieses Werts gerechnet. Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht: Der Auftragseingang sackte um 14 Prozent ab. Für das Gesamtjahr stellte der Vorstand am Freitag einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres und ein deutlich verringertes operatives Ergebnis in Aussicht.

Die anhaltende Marktschwäche im Nutzfahrzeuggeschäft und in der Schifffahrtsbranche sowie Belastungen durch zusätzliche Vorsorgen in der Sparte Power Plants hätten zu dem Verlust geführt, schrieb Vorstandschef Georg Pacht-Reyhofen an die Aktionäre. MAN hatte vor Kurzem angekündigt, für möglich Risiken bei einem Großauftrag für schlüsselfertige Dieselkraftwerke 140 Millionen Euro zur Seite zu legen. Die Umsatzrendite war mit 2,3 Prozent negativ, vor Jahresfrist hatten noch plus 6,6 Prozent zu Buche gestanden.

Während im Nutzfahrzeuggeschäft in Europa keine Erholung absehbar sei, sei die Talfahrt in Brasilien gestoppt. Dort solle der Absatz wieder steigen, kündigte der MAN-Chef an. Die Rendite des Konzerns werde jedoch auch im Gesamtjahr erheblich unter der des Vorjahres liegen.

Der Vorstand hatte bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen, um das Unternehmen auf Kurs zu bringen. Dazu zählen Einsparungen und Effizienzsteigerungen sowohl in der Produktion als auch auch in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb. Viel Potenzial sieht MAN in der Neuausrichtung des Einkaufs unter dem Dach des riesigen VW-Konzerns, zu dem dessen eigenes Nutzfahrzeuggeschäft sowie der schwedische MAN-Rivale Scania gehören. Zwei bis drei Viertel vom Wert eines Lastwagens entfallen auf Materialkosten.

In Europa ist der Lkw-Markt seit mehr als einem Jahr auf Talfahrt, und wirkliche Besserung erwartet der MAN-Vorstand nicht vor 2014. Vor allem im ersten Halbjahr werde das Geschäft auf dem Heimatkontinent weiter zurückgehen, hatte das Management bereits im Februar prognostiziert. Dort macht MAN mehr als zwei Drittel seines Nutzfahrzeuggeschäfts. Angesichts der Flaute hatte der Vorstand unlängst über eine Ausweitung der Kurzarbeit nachgedacht. Im ersten Quartal hatte der Konzern rund 6000 Mitarbeiter weniger arbeiten lassen. Kurzarbeit wurde für die erste Jahreshälfte angemeldet.

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