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Liefert Musk weiter schwarze Zahlen? Tesla muss zeigen, ob es seinen Börsenwert verdient hat

Tesla ist der mit weitem Abstand der am höchsten gehandelte Autohersteller der Welt. Quelle: via REUTERS

In der Finanzwelt ist Tesla derzeit das Maß aller Dinge, kein anderer Autobauer hat einen höheren Börsenwert. Die Quartalszahlen müssen nun zeigen, ob der Überflieger auch dauerhaft Geld verdienen kann.

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An der Börse ist der Elektroauto-Pionier Tesla in diesem Jahr der Senkrechtstarter schlechthin – mit Spannung wird nun der nächste Geschäftsbericht der Firma von Tech-Milliardär Elon Musk erwartet. Am Mittwoch nach US-Börsenschluss will Tesla seine Ergebnisse für das abgelaufene zweite Quartal vorlegen. Alle Augen am Markt richten sich darauf, ob der Konzern nach drei Quartalen mit schwarzen Zahlen erneut einen Gewinn abliefert und so seine bislang längste Strecke der Profitabilität ausbaut.

Für Tesla-Chef Musk hätte das bisherige Jahr kaum besser laufen können. An der Börse jagt sein vor zwölf Monaten noch als verlustreicher Sorgenfall mit ungewisser Zukunft gehandeltes Unternehmen von einem Rekordhoch zum nächsten. Teslas Marktkapitalisierung knackte zuletzt sogar zeitweise die Marke von 300 Milliarden Dollar, der Konzern stellt – gemessen am Börsenwert – alle anderen Autohersteller weltweit klar in den Schatten. Tesla ist damit der mit weitem Abstand am höchsten gehandelte Autohersteller der Welt. Zum Vergleich: Die drei nach Absatz und Produktion größten US-Rivalen General Motors, Ford und Fiat Chrysler bringen es auf knapp 80 Milliarden Dollar – zusammengerechnet. Und auch das deutsche Trio Volkswagen, Daimler und BMW ist meilenweit abgeschlagen.

Für Musk ist es ein Triumph. Der 49-jährige Star-Unternehmer, der nebenher die Raketenfirma SpaceX und viele andere Projekte betreibt, hat mit Tesla alle Erwartungen übertroffen. Vor einem Jahr kämpfte er mit tiefroten Zahlen, die Mittel waren knapp, die Zweifel an der Zukunft von Tesla groß. Dann drehte der E-Autobauer auf: drei Quartale schwarzer Zahlen in Serie. Plötzlich scheint der bislang chronisch verlustreiche Konzern profitabel und hebt an der Börse ab.

Musk winkt aufgrund des Höhenflugs der nächste große Zahltag. Dank der Kursrally stehen dem 49-Jährigen seit Dienstag Aktienoptionen im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar zu. Grund ist ein Vergütungsplan, der an den Börsenwert und bestimmte Geschäftsziele von Tesla gekoppelt ist. Da Tesla in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt mehr als 150 Milliarden Dollar wert war, hat Musk nun die Option, Aktien weit unter Marktwert zu kaufen und dadurch – zumindest auf dem Papier – einen Mega-Profit zu machen.

Während Musk dank Teslas Börsen-Hype immer reicher wird und sich in den Milliardärs-Charts wie der „Forbes“-Liste oder dem „Bloomberg Billionaires Index“ immer weiter in Richtung der Spitzenplätze vorschiebt, hat das Unternehmen nach wie vor viele Skeptiker. Trotz der jüngsten Erfolgswelle zählt Tesla weiterhin zu den Konzernen, auf deren Kursverfall die größten Wetten am Finanzmarkt laufen. Doch für diese sogenannten Shortseller, über die Musk sich jüngst mit roten Satin-Shorts im Tesla-Fanshop lustig machte, wird es immer enger. Denn auch abseits der Börse macht der E-Autobauer große Fortschritte.

Musks Zweifler weisen dennoch immer wieder darauf hin, dass Tesla bislang nur an der Börse eine echte Größe ist. Tatsächlich fertigt das Unternehmen trotz immenser Investitionen und rasanter Expansion im Vergleich zu den etablierten Branchenschwergewichten bislang noch recht geringe Stückzahlen. Das japanische Schwergewicht Toyota – von Tesla jüngst als wertvollster Autobauer an der Börse überholt – lieferte im jüngsten Quartal mit 398.029 Neuwagen allein in den USA mehr aus als Tesla im gesamten vergangenen Jahr weltweit. So zeigt der Hype auch, wie abgekoppelt der Börsenhandel von den realwirtschaftlichen Grundlagen sein kann.

Allerdings konnte Tesla auch in diesem Bereich zuletzt durchaus glänzen: Während der globale Automarkt von der Coronakrise ausgebremst wurde, brachte Tesla zuletzt überraschend viele Autos an die Kundschaft. Das ist eigentlich auch wenig überraschend, da es schon vor der Pandemie lange Wartelisten für Teslas Model 3 und Model Y gab und Musks Firma traditionell auf den Online-Vertrieb setzt, weshalb ihr geschlossene Autohäuser weniger ausmachen als der Konkurrenz.



Zudem mehren sich die Stimmen derer, die glauben, dass Teslas Vorsprung vor allem bei Software und Digitalisierung nur noch schwer einzuholen sein könnte. „Die Kernkompetenz, die Tesla so wertvoll macht, liegt weniger im Feld E-Mobilität“, sagte der Vorstandschef des zweitgrößten Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart. Entscheidend in der Beurteilung sei vielmehr das Know-how bei neuen „Elektronik-Architekturen, deren Programmierung, drahtlosen Updates, den damit verbundenen Sicherheitsanforderungen und der Vernetzung des Autos mit der Cloud“. Gerade dort tun sich Volumenanbieter wie Volkswagen, wo sowohl der neue Golf als auch der Elektro-Hoffnungsträger ID.3 mit IT-Problemen zu kämpfen haben, aktuell noch schwer.

Nun steht Tesla vor einem Meilenstein, der Musks Firma den Weg zum Aufstieg in die US-Börsenelite im Leitindex S&P 500 ebnen könnte. Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind vier Quartale mit schwarzen Zahlen in Serie. Heute Nacht könnte Musk diesem Ziel einen großen Schritt näher kommen.

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