Lohndumping-Debatte Daimler-Personalchef spricht von Skandalisierung

Wegen Lohndumping-Vorwürfen ist der Autobauer Daimler kürzlich in die Kritik geraten. Personalchef Wilfried Porth kritisiert die Debatte nun als überzogen - und warnt vor möglichst hohen Mindestlöhnen.

Der Personalvorstand der Daimler AG, Wilfried Porth, spricht von einer Skandalisierung. Quelle: dpa

Daimler-Personalchef Wilfried Porth hält die aktuelle Debatte um Lohndumping und Werkverträge für übertrieben. „Ich sehe mit Sorge, dass Dinge skandalisiert werden, die kein Skandal sind“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Mit möglichst hohen Mindestlöhnen oder durch Veränderungen der Werkvertragsgesetzgebung wird die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft gefährdet. Im Endeffekt haben die Arbeitnehmer nichts davon.“
Der Autobauer war in die Kritik geraten, weil er nach Recherchen des SWR über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Der Konzern hatte der Darstellung des Senders damals widersprochen.

Die Brandherde des Dieter Zetsche
Citan versagt beim Crash-TestDie Zusammenarbeit zwischen Mercedes und Renault kratzt schwer am Image der deutschen Premiummarke. Das erste gemeinsame Produkt, der Kastenwagen Citan offenbart beim Euro-NCAP-Crashtest schwere Sicherheitsmängel. Statt wie üblich fünf gab es für den Mercedes nur drei Sterne. Der Kopfairbag verfing sich beim simulierten Frontalzusammenstoß. Und das harte Armaturenbrett hätte im Ernstfall den Insassen ernste Verletzungen zugefügt. Der Citan schnitt hier sogar noch schlechter ab als der Kangoo. Quelle: Screenshot
Ein Audi auf einer Rennstrecke Quelle: Audi
Ein schöner alter Mercedes Quelle: dpa/dpaweb
Dieter Zetsche und Carlos Ghosn Quelle: REUTERS
Kein starker GroßaktionärWährend bei BMW Johanna Quandt und ihren Kindern Stefan Quandt und Susanne Klatten gut 48 Prozent der Stimmrechte halten, fehlt Daimler ein solch starker Großaktionär. Kuwait ist mit einem Anteil von 7,6 Prozent Daimler größter Einzelaktionär. Erst im vergangenen Oktober trennte sich der bis dahin bedeutendste Aktionär, das Scheichtum Abu Dhabi, von seinen Anteilen. Der Staatsfonds Aabar besitzt nun keine direkten Stimmrechte mehr an dem Dax-Konzern. Dafür ist der chinesische Staatsfond CIC bei den Schwaben eingestiegen, allerdings ebenfalls nur mit knapp drei Prozent. Eine starke Schutzmacht im Rücken fehlt Zetsche damit nach wie vor. Quelle: dpa
Qualm kommt aus einem Auspuff Quelle: AP
Schwaches KleinwagensegmentBMW setzte 2012 mehr als 528.000 BMW 1er und Minis ab - das Kleinwagensegment der Bayern läuft wie geschnitten Brot. In Stuttgart sind es deutlich magerer aus - 2012 verkaufte Daimler 337.000 Smarts. Und BMW schafft es für die Mini-Flitzer stattliche Preise zu verlangen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Daimlers Smart kann da nicht mithalten. Ob seine Elektroversion den Durchbruch auf dem Kleinwagenmarkt oder Carsharingmarkt bringt, steht noch in den Sternen. Quelle: dpa

„Löhne, die zwischen Sozialpartnern ausgehandelt worden sind, sollte man nicht skandalisieren. Mann kann nicht diejenigen, die das in Anspruch nehmen, kritisieren, wenn es vorher so ausgehandelt wurde“, betonte er. „Wir werden in diesem Land nicht die Situation haben, wo jeder das Gleiche verdient.“
Zugleich warnte der Daimler-Vorstand vor zu hohen Belastungen für Unternehmen. „Zwei Entwicklungen halte ich für bedenklich: eine weitere Erhöhung der Lasten für unsere Unternehmen und Regulierungsansätze, die die freie Marktwirtschaft infrage stellen.“

Er sehe die Gefahr, dass Unternehmen ihre Standorte wegen zu hoher Kosten komplett ins Ausland verlagerten. „Die Wertschöpfungskette im Automobilbereich ist nicht beliebig teilbar“, warnte Porth. „Wenn das Gesamtsystem unwirtschaftlich ist, dann gerät auch das Gesamtsystem in Gefahr.“
Daimler produziert beispielsweise einen Teil seiner Kompaktwagen aus Kostengründen zusätzlich im ungarischen Kecskemet. „Bei den Kompaktfahrzeugen sind wir in einem Fahrzeugsegment unterwegs, das nicht die Renditen bietet, die wir am oberen Ende unseres Produktsegments haben“, sagte er. Aus finanzieller Sicht spiele daher eine „Mischkalkulation“ vom deutschen Stammwerk in Rastatt und dem Werk in Ungarn eine wichtige Rolle.
Die Mitarbeiterzahl im Inland bleibt Porth zufolge nahezu gleich. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er insgesamt mit einem leichten Plus bei der Belegschaft - allerdings getrieben durch das Wachstum im Ausland.

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