Luftverschmutzung in China und Indien E-Auto-Förderung soll Smog-Probleme lösen

Erneut hat Chinas Hauptstadt Peking die höchste Smog-Warnstufe ausgegeben. In Shanghai und Neu Delhi wird die Luft zum Atmen ebenfalls knapp. Jetzt sollen Elektro-Autos stärker gefördert werden.

Smog in China Quelle: dpa

Es war der schlimmste Smog in der Geschichte Pekings: Drei Tage lang galt in der vergangenen Woche die höchste Smog-Alarmstufe. Und auch für die kommenden Tage stellt sich Chinas Hauptstadt erneut auf heftige Luftverschmutzung ein. Die Alarmstufe „Rot“ soll von Samstag bis Dienstag gelten, wie Pekings Wetteramt am Freitag mitteilte. Während der höchsten Warnstufe bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen, einige Industriebetriebe müssen den Betrieb einschränken oder stoppen. Auch für den Autoverkehr gelten Beschränkungen.

Das ist kein Einzelfall. In Shanghai und Neu Delhi wird die Luft zum Atmen ebenfalls knapp. In Shanghai müssen Fabriken ihre Produktion drosseln, Kinder und ältere Menschen dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen.

Indien hat als Notfallmaßnahme den Autoverkehr ins Visier genommen: Der Oberste Gerichtshof des Landes hat entschieden, dass im Großraum Neu Delhi die Registrierung von Dieselfahrzeugen mit mehr als zwei Litern Hubraum bis Ende März ausgesetzt wird. Vor allem große, prestigeträchtige Geländewagen sind von der Maßnahme betroffen. Begründung des Gerichts: „Den Reichen kann nicht erlaubt sein, luxuriöse Dieselfahrzeuge zu kaufen und damit die Luft zu verpesten.“ Zudem dürfen ab1. Januar Privatfahrzeuge nur noch jeden zweiten Tag gefahren werden.

Die Region Neu Delhi ist ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Hersteller. Entsprechend verschnupft reagierten Daimler, BMW und VW auf den Diesel-Kreuzzug in Indiens Hauptstadt. Besonders betroffen ist vor allem Daimler, denn das Unternehmen bietet in Indien ausschließlich Fahrzeuge mit mehr als zwei Litern Hubraum an. Die Stuttgarter planen Investitionen von 140 Millionen Euro in Indien. Auch VW betrachtet Indien als Markt mit gigantischem Wachstumspotenzial. Diese geplanten Investitionen könnten nun in Gefahr sein.

Die Autobauer rechnen damit, dass weitere Megastädte in China, Indien und anderen Schwellenländern dem Beispiel Neu Delhis folgen werden. Grund genug hätten sie: In vielen Metropolen Chinas wird die Luftverschmutzung ein immer drängenderes Problem. In Indiens Megastädten ist die Lage sogar noch schlimmer: Von den 20 schlimmsten Smog-Städten der Welt liegen 12 in Indien.

Peking ruft erneut höchste Alarmstufe aus
Peking stellt sich für die kommenden Tage erneut auf heftige Luftverschmutzung ein. Zum zweiten Mal in diesem Monat hat die Stadt die höchste Smog-Warnstufe ausgegeben. Die Alarmstufe „Rot“ soll von Samstag bis Dienstag gelten, wie das Wetteramt der chinesischen Hauptstadt am Freitag mitteilte. Während der höchsten Warnstufe bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen, einige Industriebetriebe müssen den Betrieb einschränken oder stoppen. Auch für den Autoverkehr gelten Beschränkungen. Quelle: dpa
Peking hatte den höchsten Smog-Alarm erstmals am 7. Dezember ausgerufen, als die Belastung mit gefährlichem Feinstaub laut offiziellen Messungen weit über einen Wert von 300 stieg. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Höchstwert von 25. Für die kommenden Tage rechnen die Behörden nun mit noch etwas schlechterer Luft als bei der ersten Warnung der höchsten Kategorie. Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: dpa
Smog in Peking Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: AP
Smog in Peking Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: REUTERS

Chinas Regierung hat sich wegen der Smog-Probleme die Förderung von Elektroautos auf die Fahnen geschrieben. Mit Steuererleichterungen für lokal emissionsfreie Fahrzeuge hat sie den Markt erfolgreich angekurbelt: Rund eine Viertel Million Elektroautos wurde in diesem Jahr in China verkauft, mehr als doppelt so viele wie 2014. Damit liegt China beim E-Auto-Absatz erstmals vor den USA. 2016 soll sich der Absatz erneut verdoppeln, auf dann gut eine halbe Million Elektroautos. Die Mutterfirma NEVS (National Electric Vehicle Sweden) des Autobauers Saab freut sich in diesen Tagen über einen milliardenschweren Auftrag aus China: Die Leasingfirma Panda New Energy bestellte 250.000 Elektroautos.

Der VW-Dieselskandal, die Luftprobleme in Schwellenländern, verschärfte Abgasgrenzwerte in der EU und das klare Signal des Weltklimagipfels in Paris werden den Wandel weg vom Verbrennungsmotor und hin zu Batteriefahrzeugen beschleunigen. Ein drastischer Preisverfall der E-Auto-Batterien kommt den Autobauern dabei gelegen. Trotzdem birgt der Umstieg enorme Gefahren für Deutschlands Autoindustrie, wie ein exklusiver Vergleich von herkömmlichem Verbrenner und E-Auto zeigt.

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