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Marcel de Rycker "Peugeot Deutschland hat nie Verlust gemacht"

Peugeot Deutschland-Chef Marcel Rycker ist die Rentabilität wichtiger als Volumen. Aus unrentablen Geschäften zieht er sich deshalb zurück. Am Elektroauto iOn hält er dennoch fest.

Die rentabelsten Autokonzerne der Welt
Platz 15 - Peugeot/Citroën (PSA) - Frankreich - EBIT-Marge: -0,2 ProzentMit einem strikten Sparprogramm haben die Franzosen ihre Angestellten auf die Barrikaden gebracht. Doch die Einsparungen haben zumindest die Verluste reduziert. Unterm Strich schreiben die Franzosen aber weiter rote Zahlen. Quelle: Center of Automotive Management (CAM), Datenbasis 1. - 3. Quartal 2013) Quelle: AP
Platz 14 - Fiat-Chrysler - Italien/USA - EBIT-Marge: 4,0 ProzentDas italienisch-amerikanische Doppel landet auf den hinteren Plätzen. Das liegt vor allem an Fiat. Die Italiener haben weiter mit den Problemen in Europa zu kämpfen und auch die Wiederbelebung von Alfa Romeo lässt noch aus sich warten. Quelle: AP
Platz 13 - Nissan - Japan - EBIT-Marge: 5,2 ProzentNissan-Chef Carlos Ghosn schaut zurecht skeptisch: Die Japaner fahren zwar Gewinne ein, doch haben mit Renault weiterhin einen kriselnden Partner und auch die eigene Rendite ist im Jahresvergleich geschrumpft. Quelle: rtr
Platz 12 - Mitsubishi - Japan - EBIT-Marge: 5,3 ProzentDie Japaner schauen wieder nach oben. Langsam erholt sich der Konzern von der Erdbeben-Katastrophe und ihren Folgen. Die Rendite legt leicht zu. Dazu tragen auch Verkaufsschlager wie der SUV Outlander (FOTO) bei. Quelle: dpa
Platz 11 - Mazda - Japan - EBIT-Marge: 5,6 ProzentIm Verhältnis konnte nur ein Autokonzern noch mehr bei der Rendite zulegen als die Japaner. In der ultramodernen Fabrik im südwestjapanischen Hofu, läuft alle 54 Sekunden ein Fahrzeug vom Band. Quelle: AP
Platz 10 - Honda - Japan - EBIT-Marge: 5,8 ProzentRelativ konstant entwickelt sich die Marge bei Honda. Die Japaner punkten vor allem wieder auf dem US-Markt und landen so im Vergleich zur internationalen Konkurrenz im Mittelfeld. Quelle: dpa
General Motors Quelle: AP

Da war Marcel de Rycker noch guter Dinge: Anfang Oktober traf sich der Geschäftsführer von Peugeot Deutschland mit dem Autor, um sich mit ihm am Rande der Präsentation des neuen Peugeot 508 über die Probleme der französischen Automarke auf dem deutschen Automarkt zu unterhalten: Seit Jahresbeginn sind die Neuzulassungen von Peugeot hierzulande um ein Prozent zurückgegangen, während die Schwestermarke Citröen im gleichen Zeitraum um fast sechs Prozent zulegte.

Dem 52-jährigen Marketingfachmann, der seit 2010 für Peugeot tätig ist und zuvor unter anderem für Mercedes, Opel, BMW und VW arbeitete, war die Rentabilität wichtiger als der Marktanteil. In der Konzernzentrale in Paris sah man das offenbar anders: Wenige Tage nach dem Interview teilte der Konzern überraschend mit, dass der in Kassel geborene Franzose das Unternehmen „auf eigenen Wunsch verlässt, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen.“

Einen Nachfolger für de Rycker hatte Peugeot auch schon parat: Alberic Chopelin, der bislang den Vertrieb in Zentral- und Osteuropa leitete, wird am 1. November bei Peugeot in Köln die Geschäftsführung übernehmen. Hier aber erst einmal das letzte Interview des (noch) amtierenden Deutschland-Chefs.

WirtschaftsWoche: Herr de Rycker, der PSA-Konzern hat eine schwere Krise hinter sich, ist darüber zum Teil in chinesischen Besitz geraten. Wie heftig traf es Ihr Geschäft?

Marcel de Rycker: Die Krise und die Berichte darüber in der Öffentlichkeit haben uns das Geschäft nicht gerade leichter gemacht. Nicht nur im Autoverkauf. Auch einige der Hausbanken unserer Händler haben sich besorgt gezeigt. Aber der Wind hat sich inzwischen total gedreht.

Peugeot Deutschland-Chef Marcel Rycker im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Bei den Verkäufen in Deutschland schlägt sich das aber noch nicht nieder. Nach aktuellen KBA-Zahlen ist der Absatz weiter rückläufig.

Das hat damit zu tun, dass wir uns auf rentables Geschäft konzentriert haben. Wir sind aus den Tageszulassungen raus, haben uns aus dem Mietwagengeschäft zurückgezogen und wir haben auch Rahmenabkommen mit Verbänden gekündigt. Wenn man diese Kanäle ausdünnt, sinkt natürlich erst einmal der Marktanteil. Dafür wuchs das Privatkundengeschäft. Und das schlägt sich in einer steigenden Rentabilität nieder, bei uns, aber auch im Handel. Vergangenes Jahr haben einige unserer Händler rote Zahlen geschrieben – in diesem Sommer lag ihre Rentabilität fünfmal so hoch, im Schnitt bei ein Prozent. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Nach einem Verkauf von 54.800 Pkw in 2013 hatten Sie sich für dieses Jahr ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 76.000 Autos. Das werden Sie kaum mehr erreichen, oder?

Das ist in der Tat nicht mehr erreichbar. Nach Stand heute gehe ich davon aus, dass wir knapp unter dem Vorjahresvolumen bleiben werden.

Droht Ihnen da ein roter Brief aus Paris?

Ich kriege dafür sicher keinen Druck aus der Konzernzentrale, weil auch dort inzwischen Rentabilität vor Volumen geht.

Zur Person

Peugeot Deutschland wird also am Jahresende einen Gewinn nach Paris überweisen?

Wir sind immer positiv gewesen, haben auch in den schwierigen Zeiten nie Verlust gemacht. Ich kann Ihnen keine Zahl nennen. Aber es war immer ein sehr beeindruckender Betrag. Und auch dieses Jahr werde ich das abliefern, was im Budget vorgesehen war.

Welchen Stellenwert hat der deutsche Markt noch für Peugeot?

Deutschland ist hinter China und Frankreich, Großbritannien und Spanien der fünftgrößte Markt. Wir kommen hier aktuell auf einen Marktanteil von 1,8 Prozent. Aber das ist wirklich der Tiefpunkt. Ich bin sicher: Mit den neuen Produkten wird er schnell wieder steigen.

Auf wie viel Prozent?

Wir müssen wenigstens auf 2,5 Prozent kommen. Mehr brauchen wir nicht – wenn wir ordentlich Geld verdienen.

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