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Markt für Elektroautos Tesla greift BMW an

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E-Autos sind das Dilemma der gesamten Branche


„Was die Wahrnehmung von E-Autos als Lifestyleprodukt angeht, ist Tesla weit voraus“, sagt Konrad Weßner, Geschäftsführer von puls Marktforschung in Nürnberg. Für keine andere E-Auto-Marke würden Kunden so viel ausgeben wie für einen Tesla. Für den neuen BMW-Chef Krüger ein alarmierendes Signal. „Die Strahlkraft der i-Serie auf die Marke BMW ist gewaltig“, mahnt Weßner. Allein deshalb müsse die Weiterentwicklung der i-Familie ein Schlüsselthema für Krüger werden.

Doch die angekündigten Modelle i5 und i9 sollen nicht vor 2020 kommen. Branchenbeobachter halten das für gefährlich lange. „Das Tesla Model S hat es binnen nur drei Jahren zur meistverkauften Oberklasse-Limousine der USA gebracht“, warnt Martin Stemmler, der bei der Personalberatung Korn Ferry das Geschäft mit der europäischen Autoindustrie verantwortet. „Manager müssen heute viel schneller und flexibler reagieren als ihre Vorgänger“, sagt Stemmler. Strategische Beweglichkeit sei nun die wichtigste Eigenschaft.

Produktionsprognose für BMW (zum Vergrößern bitte anklicken)

Darin sind sich die 52 Vorstände und Geschäftsführer europäischer, amerikanischer und asiatischer Autokonzerne einig. Sie hatte Korn Ferry zu den Folgen der sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen in der Autoindustrie befragt – neue Mitbewerber, strengere CO2-Vorschriften, neue Technologien und immer volatilere Märkte.

Ausweg aus der Misere

Krügers Situation steht für das Dilemma einer ganzen Industrie. Reine Elektro-Autos verkaufen sich schleppend, reißenden Absatz finden dagegen Geländewagen mit hohem Spritverbrauch. Von 2020 an darf ein Auto im Schnitt der Flotte eines Herstellers aber nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Andernfalls sind empfindliche Strafzahlungen fällig.

Wie soll die Branche da rauskommen? Krüger könnte die i3- und i8-Modelle lediglich als Investitionen in die E-Mobilität betrachten und die Erkenntnisse auf die Massenfahrzeuge übertragen - etwa auf Geländewagen mit zusätzlichem E-Motor für kurze Stadtfahrten wie mit dem BMW X5 xDrive40e bereits gezeigt - und mit Karbonkarosserieteilen, die das Gewicht der Boliden senken. Optisch sind die teilelektrifizierten SUV aber nicht von ihren Brüdern mit Verbrennungsmotor zu unterscheiden. Keiner sieht, wie innovativ und zukunftsorientiert die bayerischen Ingenieure arbeiten.

Auto




Krüger bleibt nach Meinung von Experten deshalb nur, jetzt möglichst rasch in ein neues, auffälliges i-Modell zu investieren, auch wenn es sich nicht rechnet. Denn es würde teuer in der Produktion – weil das Volumen zu gering ist und teuer im Verkauf, weil sich die Bundesregierung nicht zu einer Anschubfinanzierung durchringen kann.

Das erfordert Mut. Unter Umständen den Mut, von den Plänen des Vorgänger abzuweichen. Müssen auf i3 und i8 tatsächlich i5, i1, i9 und weitere folgen? In einem Jahr schon könnte ein Apple-Auto neue Begehrlichkeiten wecken, in fünf Jahren könnte es bereits neue, bahnbrechende Antriebstechnologien geben. Reithofers Feststellung, dass Volatilität die neue Normalität sei, ist der wichtigste Rat, den der scheidende dem neuen Chef mit auf den Weg geben konnte.

Krügers schwierigste Aufgabe wird sein, zu erkennen, wann die vorgezeichneten Pfade in eine Sackgasse führen und wann er neue Wege gehen muss.

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