Markt für Elektroautos Tesla greift BMW an

Das Image von BMW als Elektroauto-Pionier wackelt: Weitere i-Modelle sollen erst 2020 folgen. So stiehlt Tesla dem Autobauer die Schau – und das Geschäft.

Harald Krüger BMW Auto i3 Quelle: dpa

BMW-Chef Harald Krüger und sein Elektro-Flitzer i3 haben eines gemeinsam - sie arbeiten nahezu geräuschlos. Das sorgt für Ruhe, innerhalb und außerhalb des Unternehmens, birgt aber auch Gefahr – nämlich, überhört zu werden.

Die ist für den neuen Lenker an der Spitze des größten Premium-Autoherstellers der Welt derzeit groß. Denn ein Gegenspieler aus dem Silicon Valley sucht die Bühne wie die Motte das Licht und droht BMW den Ruhm nebst Marktanteilen abzugraben: Elon Musk, Gründer des US-Elektroauto-Bauers Tesla. Der Milliardär aus der US-Internet-Hochburg will nicht weniger als auf den Thron im globalen Elektromobilitätsreich.

Das ist keine leere Drohung. Im vierten Quartal 2014 war das Tesla Model S weltweit das zweitbeliebteste Elektro-Auto hinter dem Nissan Leaf. Die coolen kohlefasernen E-Mobile von BMW, der kleine Stadtflitzer i3 und der Supersportwagen i8 schafften es nicht einmal in die Top fünf.

Die wichtigsten Kennzahlen des BMW-Geschäftsjahres 2014

Musk macht jede Neuheit zum Hype

Und Musk setzt noch einen drauf. Mit seinem Energiespeicher Powerwall, der Hausbesitzern mit Solaranlage erlauben soll, nahezu autark zu leben und den Tesla mit sauberem Strom zu laden, präsentiert sich Musk sogar als Alleskönner der E-Zukunft. „Wir wollen grundlegend ändern, wie die Welt Energie verwendet“, sagt er. Die Fans johlen und jubeln ihm zu wie einem Popstar. Dass die Akkus weder neu noch besonders innovativ sind, scheint sie nicht zu stören.

Während Musk es gelingt, jede Neuheit zum Hype zu stilisieren, muss BMW-Chef Krüger aufpassen, dass er dagegen mit seinen E-Innovationen nicht verblasst. So stellten die Bayern auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas im Januar einen Stromspeicher vor, der nichts anders leisten soll als Teslas Powerwall, nämlich Strom aus Solarzellen eines Carports zwischenzuspeichern. Doch Huldigungen wie bei Musk blieben aus.

Warum das Modell noch nicht auf dem Markt ist? „Wir sehen es vor einer Markteinführung als unsere Pflicht als seriöser Hersteller, den für ein Serienangebot erforderlichen Reifegrad sicherzustellen“, sagt Julian Weber, Leiter Innovationsprojekte Elektromobilität bei BMW.

VW bleibt trotz Dieselgate vor Toyota
Toyota – 1. Halbjahr 2016Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor. Quelle: AP
Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben. Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen. Quelle: dpa
BMW – 1. Halbjahr 2016Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus? Quelle: dpa
Audi – 1. Halbjahr 2016Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an. Quelle: obs
Daimler – 1. Halbjahr 2016BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „ Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
Porsche – 1. Halbjahr 2016Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar. Quelle: dpa
Toyota – Gesamtjahr 2015Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen. Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft. Quelle: dpa
Volkswagen Quelle: dpa
Volkswagen Quelle: dpa
Skoda Quelle: AP
Porsche Quelle: dpa
Audi Quelle: dpa
Daimler Quelle: REUTERS
BMW Quelle: dpa
Opel Quelle: AP
Renault – Gesamtjahr 20152015 hat Renault dank neuer Fahrzeugmodelle 2,8 Millionen Autos und Transporter ausgeliefert – so viel wie niemals zuvor. Damit wuchs der französische Autobauer mehr als doppelt so stark wie der weltweite Automarkt, der ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnete. Die Franzosen bauten ihren Marktanteil in Europa aus und verteidigten ihre Position in den Schwellenländern. In Deutschland konnte Renault über 110.000 Autos verkaufen. Nach dem Rekordjahr setzen sich die Franzosen auch neue Ziele: "Unser Wachstum wird sich 2016 beschleunigen und wir werden unsere Position in all unseren Regionen verbessern", so Vertriebschef Thierry Koskas. Gleichzeitig sieht sich Renault aber auch mit einem Problem noch unbekannten Ausmaßes konfrontiert. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es bei Renault im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bei Volkswagen zu Durchsuchungen kam. Die Aktien verloren zeitweise knapp 23 Prozent an Wert. Welche Folgen – etwa Rückrufe, Schadenersatz- oder Strafzahlungen – daraus resultieren, ist noch unklar. Quelle: REUTERS

Das ist ein Seitenhieb auf den kalifornischen Wettbewerber, der Langzeitstudien bisher schuldig geblieben ist – aber auch das riskante Kalkül deutsche Gründlichkeit gegen schnelle Markteinführung und Mitnahme der Pionierprofite.

Selbst zum Recycling der Batterien aus den i-Modellen haben BMW-Ingenieure schon Ideen entwickelt. Schaffen es die Akkus, sich nur noch zu 80 Prozent aufzuladen, sollen sie ein zweites Leben antreten. Vorbild ist die Hamburg Hafen City, wo sie zu Dutzenden zusammengeschaltet als Leistungspuffer für Schnellladestationen oder als Speicher von Solarstrom dienen.

Zurzeit untersucht BMW-E-Mobilitätsexperte Weber in Kalifornien, Shanghai und Berlin, welches Geschäftsmodell am vielversprechendsten ist. Vom vollständigen, sauberen Energiekreislauf bei ihren Elektroautos hat BMW bisher in der Öffentlichkeit noch nicht groß geschwärmt, wohl aber Musk mit seinen Akkus und dem Tesla Model S.

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