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Marktausblick Das bringt das Autojahr 2016

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Die Herausforderungen für 2016

Soweit so gut. Doch nun zu den Entwicklungen, die die Autohersteller viel Geld und Nerven kosten werden:

  • Die Umweltanforderungen steigen. Ein erster Schritt in die neue Ära der neuen Abgasreinigungssysteme erfolgt zum 1. Januar 2016 in Europa. Ab diesem Datum beginnt die Umsetzungsphase der in einer EU-Richtlinie vorgeschrieben Real Driving Emissions (RDE). Neue Fahrzeugtypen müssen sich dann zusätzlich zu dem bekannten Rollenprüfstand-Test einen Test auf der Straße unterziehen. Die RDE-Tests sehen vor, dass der Stickoxid-Ausstoß auf der Straße dauerhaft nur um die Hälfte über den im Labor gemessenen Werten liegen darf. In einer Übergangsphase ab 1.1.2018 bis 1.1.2020 darf die Abweichung das 2,1-fache des Labortests betragen. "Dies ist für nahezu alle Autobauer eine sehr große Herausforderung, denn heute weichen selbst Euro-6-Diesel erheblich davon ab", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR Center Automotive Research, das die Prognose für das kommende Autojahr erstellt hat. "Die Branche muss in den nächsten Jahren Milliardenbeträge in die Abgasreinigung des Diesels stecken. Diesel ist derzeit im Normalbetrieb bei nahezu allen Autobauern ein Schmuddel-Antrieb, mit deutlich zu hohen NOx Emissionen im realen Fahrbetrieb."
  • Die strengeren Anforderungen an Dieselfahrzeuge machen den Antrieb teurer. Im Kompakt- und Kleinwagensegment lohnen sich Diesel daher kaum noch (siehe Warum sich der Diesel in der Golf-Klasse kaum noch rechnet ) Der bisherige Diesel-Wettbewerbsvorteil der europäischen Premiumhersteller wird in den nächsten Jahren zu Belastung.
  • Das hat auch Folgen für die so beliebten SUV. Sie brauchen mehr Sprit und stoßen mehr NOx und CO2 aus. Die durch Technik-Innovationen erzielten Fortschritte werden durch das Zusatzgewicht der SUV und die Marktanteilsrückgänge beim Dieselantrieb "aufgefressen", so Dudenhöffer.

Neuzulassungen in Deutschland 2014

  • Der chinesische Markt legt zu, aber es findet eine für die deutschen Hersteller und Zulieferer problematische Verschiebung statt. Bisher sind die ausländischen Markten überproportional stark gewachsen, nun drängen immer mehr heimische Hersteller auf den Markt. Das Segment der kompakten SUV explodiert förmlich und das Großteil dieses Wachstums verbuchen lokale Automarken wie Haval aus dem Great-Wall-Konzern mit seinen kleinen bis großen SUV H1 bis H9. In die Karten spielt dem Hersteller die staatliche Förderung von Fahrzeugen mit weniger als 1,6 Litern Hubraum, für die eine steuerliche Erleichterung von nur fünf statt zehn Prozent Kaufsteuer gilt und die noch bis 2016 läuft.
  • Selber Markt, anderes Problem: Auch in punkto Elektromobilität legen die chinesischen Hersteller an Qualität und Quantität zu und emanzipieren sich damit zusehends von den ausländischen Marken. Das Vorpreschen verdanken die chinesischen Hersteller ihrem Staatsrat. Das höchste Verwaltungsorgan erstellte ein Strategiepapier mit dem Titel „Made in China 2025“, das die Schwerpunkte der industriellen Entwicklung festlegt. Darin nimmt der Bau von Elektro- und Hybridfahrzeugen eine Schlüsselrolle ein. So möchte die chinesische Regierung, dass 2025 drei Millionen Neuwagen mit E-Motor auf die Straße kommen. Zusammen mit den bis dahin verkauften E-Mobilen würden dann acht Prozent aller Autos im Land mit Strom fahren. Gleichzeitig gibt Peking das Ziel aus, dass chinesische Hersteller bis 2020 Top-Modelle produzieren, die es unter die zehn weltweit beliebtesten Stromer schaffen. Zwei heimische Autobauer sollen es bis 2025 gar unter die zehn absatzstärksten E-Autohersteller der Welt schaffen. Die Konkurrenz für deutsche Hersteller wird immer härter.
  • Zwei der vielversprechenden BRIC-Staaten sind derzeit ein Totalausfall: In Russland sind die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent eingebrochen, in Brasilien um 13 Prozent - ausgehend von einem bereits gesunkenen Niveau. "Auch im Jahre 2016 rechnen wir in beiden Marktblöcken mit weiter sinkenden Verkäufen, wenn auch die Schrumpfungsraten deutlich sinken", so Dudenhöffer.

Fazit: Erholung in Europa, Wachstum in Asien, getrieben durch China und Wachstum in den USA bringen deutlich positive Impulse im Jahr 2016. Die Probleme in Russland und Brasilien werden aber anhalten. "Die Herausforderungen, die Mobilität auf neue nachhaltige Energieträger und weniger Emissionen umzustellen werden größer", ist sich Dudenhöffer sicher.

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