Martin van Vugt Kia-Deutschland-Chef schmeißt hin

Nach nur dreieinhalb Jahren hat der Deutschland-Geschäftsführer von Kia das Unternehmen verlassen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Kia-Deutschland-Chef Martin van Vugt (59) hat das Unternehmen verlassen. Quelle: Kia

Martin van Vugt, Geschäftsführer von Kia Motors Deutschland, hat das Unternehmen verlassen. Dies geschah auf eigenen Wunsch, wie Kia am Dienstagmorgen mitteilte. Seine Aufgaben übernimmt kommissarisch Tom Ring, Direktor Vertrieb & Händlernetzentwicklung.

Der gebürtige Niederländer leitete seit Februar 2011 neben Jin Ha Kim die Geschäfte der deutschen Kia-Tochter. Das Unternehmen lobte in der Mitteilung van Vugts Erfolge bei der Restrukturierung des Händlernetzes und das Absatzwachstum unter seiner Führung von rund 36.000 Einheiten im Jahr 2010 auf über 55.000 Autos im vergangenen Jahr.

Das sind die leistungsstärksten Autobauer
Platz 16: PSA Peugeot CitroënSeit zehn Jahren erstellt das Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch-Gladbach den „Automotive Performance Index“, kurz API. Auf Basis von elf Indikatoren werden die 16 globalen Autobauer in den Bereichen „Finanzen“, „Markt“ und „Innovationskraft“ verglichen. Aus dem daraus erstellten Index lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Konzerne ziehen – und das sieht bei PSA derzeit nicht gut aus. Besonders bei der finanziellen Performance und den Markterfolgen muss sich der Verbund von Peugeot und Citroën ganz hinten anstellen. Mut macht aber die Innovationskraft, hier liegen die Franzosen deutlich vor den direkten Wettbewerbern. Positiv: Aus der angelaufenen Kooperation mit Dongfeng (im Bild die chinesische Produktion) und der sich daraus ergebenden Stärkung in Fernost sowie den umfangreichen Restrukturierungen kann PSA allerdings den Anschluss an die Mitbewerber finden. Quelle: dpa
Plätze 15 bis 12Vor PSA drängelt sich ein dichtes Feld der sogenannten „Low Performern“, bestehend aus Suzuki (12), Mazda (13), Renault (14) und Mitsubishi (15). Besonders die kleinen japanischen Hersteller zeichnen sich durch eine gewisse Konstanz aus, wenn auch auf niedrigem Niveau: Bei ihnen sticht keines der drei untersuchten Hauptfeldern besonders hervor. Nur Renault kann, ähnlich wie PSA, eine höhere Innovationskraft aufweisen und so im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gutmachen. Quelle: REUTERS
Platz 11: FCAHinter dem Kürzel FCA verbirgt sich nichts anderes als der italienische Fiat-Konzern, allerdings mit den eingegliederten Teilen von Chrysler. Und genau diese Teile des Konzerns sind es, die FCA noch auf dem elften Platz des Auto Performance Index halten. Die gute Marktentwicklung der US-Tochter verhindert ein Abrutschen in die Gruppe der „Low Performer“. Die schlechte finanzielle Leistung lässt nicht nur Übernahmegerüchte wie jüngst durch VW gedeihen, die niedrige Innovationskraft stellt auch keine nachhaltige Besserung der Lage in Aussicht. Wie lange sich Fiat-Chrysler noch unter den „Medium Performern“ halten kann, ist unklar. Quelle: REUTERS
Plätze 10 bis 8Wohin steuert Firmenchef Carlos Ghosn Nissan? Im API aus Konzernsicht in die falsche Richtung: Die CAM-Studie listet die Japaner nur noch auf Rang zehn, ausgerechnet die japanische Konkurrenz Subaru ist vorbeigezogen. Auf Rang 8, der letztes Jahr noch Ford gehörte, ist jetzt noch ein Japaner abgerutscht – Honda. Quelle: dpa
Platz 7: Hyundai-KiaVor einigen Jahren wurden die Koreaner noch als gefährlichster VW-Herausforderer gesehen, doch auch Hyundai-Kia muss den Jahren des Aufschwungs etwas Tribut zollen: Nach zahlreichen neuen Modellen ist die Innovationsstärke zuletzt gesunken, ebenso die Arbeitsproduktivität. Auch kann Hyundai das hohe Absatzwachstum der letzten Jahre nicht halten und entwickelt sich nur mit dem Markt, was aber immer noch ein Plus von sechs Prozent bedeutet. Mit Rang sieben sind die Südkoreaner allerdings auf den schlechtesten API-Rang der letzten Jahre abgerutscht (2011/12= Rang 4; 2012/13: Rang 5). Quelle: REUTERS
Platz 6: General MotorsNoch hat sich das Rückruf-Debakel nicht spürbar auf die Performance von General Motors ausgewirkt, nach wie vor belegt GM Rang sechs. Damit liegen die Amerikaner weiter in der Gruppe der „Medium Performer“ – angesichts der Millionen-Rückrufe nicht schlecht, der Anschluss an Volkswagen und Toyota gerät so aber immer mehr in Gefahr. Quelle: dpa
Platz 5: FordFord gehört zu den größten Gewinnern des API 2014. Der Konzern konnte gleich drei Plätze gutmachen und wird jetzt auf Rang fünf gelistet. Grund für den größten Zuwachs des Rankings ist das Absatz-Plus in China, womit sich Ford an GM und Hyundai vorbeischieben kann. Quelle: dpa
Platz 4: BMWEinen Rang nach hinten geht es für BMW. Die finanzielle Performance der Münchener ist nach wie vor gut, doch in den anderen Bereichen gab es keine positive Entwicklung, auch Elektroflitzer wie der i3 und der Hybrid-Sportler i8 konnten nicht für die nötigen Impulse sorgen. So reicht es im diesjährigen Auto Performance Index für 53,9 Punkte und Rang vier. Quelle: REUTERS
Platz 3: DaimlerVor der Konkurrenz aus München zu landen, das sieht man in der Stuttgarter Daimler-Zentrale immer gern. Dank hoher Absatzdynamik und starker Innovationsperformance konnte Daimler BMW vom Podest verdrängen. Was aber viel wichtiger als die reine Platzierung sein dürfte: Mit 64 Indexpunkten ist man deutlich näher an den beiden Führenden als am vierten Platz – BMW wurde nicht nur überholt, sondern gleich abgehängt. Quelle: dpa
Platz 2: ToyotaMit 65,5 Indexpunkten kann sich Toyota nur knapp vor den heranstürmenden Schwaben halten. Die Japaner können vor allem mit der besten Finanzlage aller Konzerne überzeugen, auch die Marktlage ist – international gesehen – nach wie vor gut. Nur bei der Innovationskraft ist der einstige Hybrid-Vorreiter etwas zurückgefallen. Quelle: REUTERS
Platz 1: VolkswagenWie in den Jahren zuvor führt VW das CAM-Ranking an – allerdings schmilzt der Vorsprung. In den Feldern „Finanzen“ und „Markt“ liegen andere Konzerne vor den Wolfsburgern. Nur dank ihrer (noch) unschlagbaren Innovationskraft bringt es der Konzern auf 69 Punkte. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen Jahre (2012/13= 73,7 Prozent; 2011/12=76,3 Prozent, 2010/11=75,4 Prozent). Neue Modelle wie das SUV „Cross Blue“ sollen vor allem der schwachen Marktsituation in den USA auf die Sprünge helfen. Und mit dem jüngst ausgerufenen Milliarden-Sparprogramm kann es auch bei der finanziellen Performance wieder aufwärts gehen. Quelle: dpa

Doch trotz des Zuwachses von 50 Prozent war das nach den Kia-Plänen nicht genug. Für 2013 wollten die Koreaner in Deutschland ursprünglich 63.000 Fahrzeuge in Deutschland absetzen, das Ziel wurde aber um rund 7000 Einheiten verfehlt. Auch im laufenden Jahr hinkt Kia den eigenen Vorgaben hinterher: In den ersten sieben Monaten 2014 wurden in Deutschland 33.000 Kia-Wagen neu zugelassen. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr nicht nur einem Minus von 5,1 Prozent, sondern lässt auch das Jahresziel von 60.000 Autos wackeln. Allerdings ist vor allem der Privatmarkt, der für Importeure wie Kia besonders wichtig ist, zuletzt deutlich im Minus gewesen.

Van Vugts eigene Ziele waren noch höher: „Erst, wenn wir die 100.000 Einheiten bis 2016 erreichen, hat die Marke einen anderen Stellenwert bei der Wahrnehmung. Dann sind wir da, wo wir hin wollen“, sagte er 2012 in einem Interview. Vor seiner Zeit bei Kia stand van Vugt an der Spitze von Mitsubishi Motors Deutschland. Zuvor war der 59-jährige Manager für Rover und Volvo tätig.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%