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McLaren Britischer Sportwagenbauer fährt Rekordjahr ein

Seit vier Jahren verkauft McLaren wieder Autos, seit zwei Jahres ist der Sportwagenbauer profitabel. In den kommenden Jahren will McLaren seinen Absatz sogar verdoppeln – und dabei auf ein SUV-Modell verzichten.

Das neue Einsteigsmodell 570S soll die Absatzzahlen von McLaren nochmals steigern. Quelle: AP

McLaren hat den zweiten Gewinn in Folge eingefahren. „Wir haben im Geschäftsjahr 2014 einen operativen Gewinn von 20,8 Millionen Pfund (rund 29,24 Millionen Euro) erzielt, das sind 68 Prozent mehr als 2013“, sagt Mike Flewitt, Geschäftsführer von McLaren Automotive. „Das macht mich sehr stolz, denn wir verkaufen erst seit vier Jahren wieder Autos und sind dabei bereits das zweite Jahr in Folge profitabel.“

2014 konnte McLaren 1.649 Sportwagen ausliefern (+ 18 Prozent), davon 248 Exemplare des auf 375 Einheiten limitierten P1 – zu einem Stückpreis von mindestens einer Million Euro. Beim Umsatz konnte die Sportwagenmanufaktur aus Woking bei London um 67 Prozent auf 475,5 Millionen Pfund (rund 668,98 Millionen Euro) zulegen.

570 PS zum Einstieg
McLaren befindet sich im Wandel. Vom Anbieter eines einzigen Modells, dem 12C, hat sich die Sportwagenschmiede aus Woking innerhalb von nur vier Jahren zu einem Autobauer mit mehreren Modellen entwickelt. Neben den drei Varianten der Super Series (dem in Asien erhältlichen 625, dem 650S und dem limitierten 675LT) und den beiden Exemplaren der Ultimate Series (P1 und P1 GTR) schickt McLaren mit dem 570S jetzt das erste Modell der Sport Series auf den Markt. Quelle: McLaren
Möglich macht diese schnelle Expansion das Baukasten-Prinzip: Jedes Modell vom Einsteiger-570S bis zum über 900 PS starken Hybridsportler P1 baut auf demselben 3,8-Liter-Biturbo-V8 auf. Zumindest fast demselben: Um den unterschiedlichen Ansprüchen der Modelle gerecht zu werden, werden jeweils verschiedene Bauteile und Materialien benutzt – die Konstruktion bleibt aber immer gleich. Das ermöglicht, neben dem Hochleistungs-P1 und den 600-PS-Sportlern der Super Series auch eine Variante mit 570 PS anzubieten – daher auch der Name 570S. Mit diesem Modell will McLaren gegen die "bezahlbare" Sportwagen-Konkurrenz vom Schlage eines Audi R8 oder Porsche 911 Turbo antreten. Quelle: McLaren
Gegenüber dem 650S, der als Konkurrent zum Ferrari 458 oder neuerdings 488 fungiert, wird der 570S die 200.000-Euro-Marke weit unterbieten. Preise hat McLaren noch nicht genannt, im Raum steht aber ein Einstiegspreis von rund 140.000 Euro. Seine Premiere feiert der erste Vertreter der Sport Series in diesen Tagen auf der New York Auto Show in den USA. Auf den Markt soll das lange Zeit intern P13 genannte Modell noch im Laufe des Jahres kommen. Quelle: McLaren
Wenn von einer Einstiegsversion die Rede ist, ist das aber relativ: Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der 570S in immernoch 3,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt den offiziellen Angaben zufolge bei 328 Stundenkilometern. Auch in anderen Merkmalen ähnelt der 570S stark seinen "großen" Brüdern: Wie alle McLaren-Modelle hat das neue Auto ebenfalls ein Kohlefaser-Monocoque, auch die charakteristischen Flügeltüren sind erhalten geblieben. Quelle: McLaren
Wie ausgefeilt die Aerodynamik des Wagens ist, zeigt dieses Detail: Die Luft wird strömungsgünstig zwischen der Seitenscheibe und der für die Sicherheit notwendigen Säule hindurchgeleitet, anstatt außen vorbei. Unten liegt in Kohlefaserlaminat gehalten einer der Lufteinlässe für den Turbo-Mittelmotor – in die ebenfalls aerodynamisch optimierte Tür eingebettet. Quelle: McLaren
Auch der Innenraum zeigt sich gegenüber den Modellen der Super Series stark überarbeitet. Die Instrumente im Cockpit sind rein digital. Bisher war zumindest ein analoger Drehzahlmesser verbaut. Auch die Mittelkonsole ist neu gestaltet: statt eines durchgängigen Kohlefaserteils ist die Konsole jetzt in zwei Elemente getrennt. Quelle: McLaren
Geblieben ist das Hochkant-Touchscreen-Display. Darüber werden die wichtigsten Multimedia- und Navifunktionen gesteuert. Quelle: McLaren

Auch für das laufende Jahr ist die McLaren-Geschäftsführung optimistisch.„Wir werden 2015 profitabel sein, wir werden aber auch stark investieren“, so Flewitt.

Im vergangenen Jahr gab McLaren fast 92 Millionen Pfund (129,40 Millionen Euro) für Forschung und Entwicklung aus, was 20 Prozent des Umsatzes entspricht. Bei den etablierten deutschen Autobauern liegt dieser Wert bei fünf bis sieben Prozent, hier sind allerdings auch die Synergien in der Entwicklung größer als bei einem Kleinserienhersteller. 2015 sollen laut Flewitt 120 Millionen Pfund (rund 168,8 Millionen Euro) in die Entwicklung fließen – was einen Teil der Gewinne auffressen könnte.

Mit dem Verkaufsstart des 12C im Jahr 2011 hat sich McLaren das Ziel gesetzt, jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt zu bringen – und das erfordert Investitionen. Dieses Jahr werden es sogar zwei neue Fahrzeuge sein: Die auf 45 Exemplare limitierte Sonderedition des Supersportwagens P-1 GTR wird ab Herbst an die wenigen Kunden ausgeliefert, ebenso kommt mit dem 570S ein neues Einstiegsmodell zu den weltweit 71 Händlern.“

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Während das bisher günstigste Modell, der rund 230.000 Euro teure 650S (mit namensgebenden 650 PS), mit anderen Supersportwagen wie dem Ferrari 458 oder Lamborghini Gallardo konkurriert, will McLaren mit dem 570S – der 570 PS hat – eine neue Kundenschicht in der Preisklasse ab 150.000 Euro ansprechen. Fahrer, die bisher etwa hinter dem Lenkrad eines Porsche 911 oder Audi R8 Platz nehmen, sollen zu McLaren wechseln.

Zum Marktstart ist der 570S nur als Coupé erhältlich, ein Cabrio wird aber folgen – und eine weitere, bislang nicht genauer genannte Karosserieform. Im Jahr 2017 soll die Baureihe rund um den 570S mehr als die Hälfte aller McLaren-Verkäufe ausmachen.

McLaren setzt auf neue Märkte

Möglich wurde das Absatzwachstum vor allem, weil McLaren neue Märkte erschlossen hat. Inzwischen werden die Kohlefaser-Sportwagen in 30 Ländern verkauft. „Wir können uns nicht nur auf die klassischen Sportwagen-Märkte in Europa und Nordamerika verlassen“, sagt Flewitt. „Drei von zehn Autos sind im vergangenen Jahr nach Asien gegangen, das ist ein Zuwachs von über 80 Prozent.“

Starke Zuwächse erwartet Flewitt nicht nur in Asien. Der größte Schwung soll von einem neuen Modell kommen. „2015 werden wir 1.800 Autos verkaufen, 2017 mit dem 570S werden es sogar 4.000 Euro sein“, so der CEO. „Dann sind wir da, wo wir sein wollen.“

Eines stellte Flewitt auch noch klar: „Wir sind und bleiben ein Sportwagenbauer.“ Soll heißen: Im Gegensatz zu Rolls-Royce, Bentley oder Lamborghini will McLaren der SUV-Versuchung nicht erliegen.

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