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McLaren "Unser Erfolg ist beispiellos"

Vom Formel-1-Rennstall zur Sportwagenschmiede: McLaren hat sich in nur vier Jahren zur festen Größe bei den Luxusflitzern entwickelt – und will mehr.

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McLaren 675LT Quelle: McLaren

Der Name McLaren lässt bei Rennsport-Fans die Herzen höher schlagen. Unvergessen sind die Duelle zwischen Ayrton Senna und Alain Prost, die goldenen Jahre von Mika Häkkinen im Zweikampf mit Michael Schumacher oder der Aufstieg und erste WM-Titel von Lewis Hamilton.

Doch während die Konkurrenz von Ferrari, Mercedes und Co. die Formel 1 vor allem als globale Bühne nutzten, um ihre mal mehr, mal weniger sportlichen Serienautos zu verkaufen, gab es bei McLaren außerhalb des Rennsports in jüngerer Zeit nichts zu sehen. Der SLR aus der Kooperation mit Daimler wurde als Mercedes mit dem Stern auf der Haube verkauft und an den F1 GTR, dem Supersportwagen der 90er Jahre, erinnern sich nur noch – richtig – die Rennsport-Fans.

PS-Protze auf dem Genfer Autosalon
Der 85. Genfer Automobilsalon, der am 5. März seine Pforten für Besucher öffnet, schwelgt in Leistung und Luxus. Doch nicht nur die Mobile der Schönen und Reichen dürfen PS-Orgien feiern. Auch die Großserienhersteller brennen bei Studien und Neuheiten ein Feuerwerk der bürgerlichen Boliden ab. Quelle: Presse
So darf sich ein Ford Focus RS mit 320 PS produzieren, der Audi A3 RS mit 367 PS, der Honda Civic Type R mit 280 PS (hier im Bild) oder der Opel Corsa OPC künftige Kunden mit 207 PS locken. Quelle: Presse
46,25 Dollar sind der magische Betrag, um den derzeit die Autoindustrie und ganze Volkswirtschaften kreisen. Die umgerechnet 39,50 Euro waren vergangene Woche in London für ein Barrel Rohöl der Sorte „Nordsee Brent“ fällig. Nie zuvor in diesem Jahrhundert waren 158,98 Liter Öl (entspricht einem Barrel) so preiswert. Förderländer stöhnen unter dem Preisverfall. Des einen Leid, des anderen Freud: Autofahrer auf der ganzen Welt begeistern die tiefen Spritpreise, die positiven Impulse für viele nationale Konjunkturen sind unverkennbar, und die Autoindustrie profitiert vom Sexappeal großer und leistungsstarker Fahrzeuge. Quelle: Presse
Offenbar vollkommen vergessen ist das Krisenjahr 2008, als der Ölpreis die Marke von 150 Dollar pro Barrel riss und drohte auf die 200 Dollar zu marschieren. Damals mussten Messe-Premieren in puncto Leistung in Sack und Asche gehen und um jeden Tropfen Verbrauchssenkung ringen. Aber nun darf erst einmal wieder gebolzt werden. Den Trend zu Selbstbewusstsein und Status läutete bereits die erste wichtige Automesse des Jahres, die Detroit-Motorshow im Januar ein. Nun geht die Party in Genf weiter. Quelle: Presse
Mercedes-Benz überlässt die besten Bühnenplätze der Spaß-Tochter AMG. Die enthüllt ihre Interpretation des CLA Shooting Brake (360 PS). Neu sind auch die AMG-Beiträge zur C-Klasse. Mit 476 PS so stark wie keine C-Klasse zuvor. Alpina will mit dem B6, seiner Interpretation des BMW 6er-Gran Coupé glänzen, das 600 PS aus seinem aufgeladenen 4,4-Liter-V8 mobilisiert. Quelle: Presse
Mercedes hat für den Dauerbrenner G-Modell ein neues Paket geschnürt. Der G 500 4x4² verdoppelt quasi das bereits legendäre Vermögen des Off-Roaders über Stock und Stein zu fahren. Vorausgesetzt genügend solvente Genf-Besucher skandieren „Haben wollen!“, geht das Modell Ende des Jahres für rund 300.000 Euro in Kleinserie. Mit 422 PS sollen dann auch fast senkrechte Felswände kein unüberwindliches Hindernis für den Kraxler mehr errichten. Quelle: Presse
Die Exoten und extrem Getunten gehören zu Genf wie der See, das Verkehrschaos und Preise, die den Messebesucher selbst am Würstelstand in Schnappatmung versetzen. McLaren toppt mit dem 675LT seine Straßensportler. Der Name ist Programm: 675 PS ... Quelle: Presse

Die Zurückhaltung gab McLaren im Jahr 2011 auf. Damals brachte die Automanufaktur aus Woking den MP4-12C auf den Markt – ein Supersportwagen, der es direkt mit klangvollen Namen wie einem Ferrari 458, Porsche Turbo oder Lamborghini Huracán aufnehmen sollte. Zu Preisen von 200.000 Euro und mehr. Für einen Neuling in einer Klasse, in der das Image des Autos mindestens genauso wichtig ist wie seine Fahrleistungen, ein selbstbewusster Preis.

Trotz enormer Preise ausverkauft

„Unser Geschäft läuft zwar erst wieder seit vier Jahren, wir sind aber bereits fest im Segment der Luxus-Supersportwagen etabliert“, sagt Joylon Nash, Executive Director of Global Marketing & Sales bei McLaren. „Und am wichtigsten: Wir haben in den vergangenen beiden Jahren Gewinne eingefahren. Ich denke, in so einer kurzen Zeit so erfolgreich zu sein, ist in der Auto-Industrie beispiellos.“

In der Tat haben sich die Verkäufe deutlich besser entwickelt als zunächst erwartet. Nach drei Jahren Bauzeit wurde der 600 PS starke MP4-12C in den Ruhestand geschickt – nach über 3.000 verkauften Fahrzeugen. Sein Nachfolger, der 650S, konnte den Erfolg sogar übertreffen. Der P1, ein 916 PS starker und auf 375 Exemplare limitierter Hybrid-Supersportler, war noch vor Beginn der Serienfertigung ausverkauft. Trotz Stückpreisen von 1,1 Millionen Euro.

Ähnliches könnte auch bei den beiden Messepremieren in Genf passieren: Die reine Rennstreckenvariante des P1, der GTR, soll nur in einer niedrigen zweistelligen Auflage entstehen. Selbst wenn der Kunde die rund 2,5 Millionen Euro nach Woking überweist, darf er den P1 GTR noch lange nicht in seine Garage stellen. Der Wagen bleibt bei McLaren und wird von den Briten jeweils zur Rennstrecke gebracht.

Volkswagen im PS-Rausch
Wenn das Gesehene nicht zum Gesagten passt, dann spricht man von einer Text-Bild-Schere. Zum Auftakt des Genfer Autosalons hat Volkswagen eindrucksvoll vorgeführt, wie so eine Text-Bild-Schere in der Autowelt aussieht. Nach fast einer Stunde PS-Rausch mit Weltpremieren wie dem neuen Lamborghini Supersportler Aventator SV und dem Konzept-Sportler Bentley EXP 10 Speed 6, trat VW-Konzernchef Martin Winterkorn ans Mikrofon, um sein Publikum wieder zurück in die Wirklichkeit zu holen und seinen Konzern auf Konkurrenten einzuschwören, die erst am Horizont zu sehen sind. Quelle: dpa
„Ich begrüße ausdrücklich das Engagement von Apple, Google & Co beim Thema Automobil“, sagt Winterkorn.  Er sei überzeugt, dass sich die Generation der iPhone-Begeisterten für die richtigen Automobile aus dem richtigen Haus entscheiden werden. Immerhin investiere VW mit 11,5 Milliarden Euro mehr als jeder andere Konzern in dieses Ziel. Themen wie den elektrischen Antrieb, das autonome Fahren und die stärkere Vernetzung werde man weiter vorantreiben. Quelle: dpa
Und inmitten der Leistungsshow gab es tatsächlich Modelle, die erahnen lassen, wie VW sich die Zukunft vorstellt. VW-Entwicklungsvorstand Hans-Jakob Neußer präsentierte das Sport Coupé Concept GTE, das einen Ausblick auf die neue Designsprache von Volkswagen geben soll. Ein Normverbrauch von nur zwei Litern auf 100 km wird angepeilt. Quelle: AP
Mit dem stylishen GTE zeigt VW, wie das Markengesicht der Wolfsburger in Zukunft aussehen könnte: Die lange Motorhaube wird tief nach unten gezogen, schmale LED-Scheinwerfer gehen in den Grill über. Antrieb: Ein Hybrid aus 3-Liter-TSI und zwei Elektromotoren. Arbeiten alle drei zusammen, beschleunigt das Sportcoupé mit 380 PS auf bis zu 250 km/h (abgeregelt). Ein solcher GTE passt ziemlich genau in die Lücke zwischen Passat und Phaeton. Quelle: obs
Natürlich verrät die 4,87 Meter lange Studie auch, wie der nächste CC aussehen wird, also der besonders elegante Passat-Ableger.  Quelle: dpa
Der extrem breit wirkende Edel-Kombi kommt mit Hybrid-Antrieb: Die Studie wird von einem 3,0-Liter-TDI (353 PS) und einem 100-kW-Elektromotor angetrieben. Zusammen bringen sie es auf 455 PS Systemleistung. Audi verspricht einen gemittelten Kraftstoffverbrauch von 1,6 Litern auf 100 Kilometer. Im besten Fall beschleunigt er in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Rein elektrisch bewegt soll er 54 Kilometer schaffen, bevor der 14,1 kWh-Akku im Heck aufgeladen werden muss. Quelle: dpa
Aber ganz ohne ein ordentliches Motorenbrummen können auch die Ingolstädter nicht: Neben dem Prologue wurde der R8 V10 plus auf die Bühne gefahren. Der Supersportler wird 610 PS leisten und hat deutlich an Gewicht verloren. Quelle: AP

Im Preis sind immerhin sechs Einsätze auf aktuellen Formel-1-Strecken enthalten. Vorbestellungen gibt es dennoch genug. Allein aus einem Land wollen sich sieben Besitzer eines regulären P1 den Spaß auf der Rennstrecke gönnen – und nur diese bekommen überhaupt die Möglichkeit, einen GTR zu erwerben.

Der McLaren 675LT

Frei erhältlich für jedermann ist hingegen die zweite Messeneuheit bei McLaren, der 675LT. Zumindest theoretisch, denn die Long-Tail-Version des 650S kostet in Deutschland mindestens 309.000 Euro und damit rund 75.000 Euro mehr als die Basisversion. Ein Drittel der Teile ist neu, im Motor sogar die Hälfte. Neben dem Leistungsplus von 25 PS ist der 675LT 100 Kilo leichter geworden. „Mit der ständigen Weiterentwicklung bekommen wir auch mehr Leistung. Es geht aber nicht um die reine Spitzenleistung, sondern wie die Leistung für den Fahrer nutzbar ist“, so McLaren-Manager Nash.

Bei der Kundschaft scheint das aber gut anzukommen. Obwohl der Wagen in Genf zum ersten Mal überhaupt der Weltöffentlichkeit gezeigt wurde, sind in Europa nur noch wenige Exemplare erhältlich. Einige Händler, so ist zwischen den Messeständen in Genf zu hören, hätten deutlich mehr Fahrzeuge verkaufen können als ihnen zugeteilt worden sind.

McLaren muss bekannter werden

Alles gut, könnte man angesichts dieser Meldungen meinen. Doch Marketing-Manager Nash sieht noch viel Luft nach oben. Denn: Einen Ferrari erkennt jeder auf der Straße sofort als Ferrari. Bei den Flitzern aus Woking ist das bislang nicht immer der Fall.

„Die Leute sollen auf einen McLaren schauen und sehen, dass es ein McLaren ist“, sagt Nash. „Unsere 50-jährige Rennhistorie ist eine große Stärke. Es ist das Fundament, auf das wir die Marke McLaren aufbauen.“

Doch genau da liegt ein Problem: Die Formel 1 ist nicht überall auf der Welt so bekannt wie in Europa. „Ein Formel-1-Fan erkennt unser Logo. In den USA, wo die Formel 1 weniger bekannt ist, ist auch unser Logo weniger bekannt“, sagt Nash. „US-Kunden wissen womöglich nicht, wer Jenson Button oder Fernando Alonso sind.“

Eine Folge für die Serienautos: Während auf der Front des Erstlingswerks MP4-12C nur das „Speed Mark“ genannte Markenlogo zu sehen war, prangt seit dem Modellwechsel zum 650S der vollständige McLaren-Schriftzug auf der Haube. Damit der Nachbar weiß, was man fährt.

„Wir kommen dem Punkt immer näher, an dem unsere Autos nicht nur als toller Supersportwagen, sondern als McLaren erkannt werden“, sagt Nash. „Es gehört zu unseren größten Aufgaben, die Markenbekanntheit zu erhöhen. Bei Auto-Enthusiasten sind wird bereits sehr bekannt. Aber wir müssen darüber hinausgehen, um uns eine breitere Fan-Basis zu schaffen.“

Einstiegsmodell soll Marke nach unten öffnen

Diese breite Basis soll auch ein neues Einstiegsmodell bringen, das auf der Automesse in New York im April vorgestellt wird. „Der P13 wird eine komplett neue Kundenschicht für McLaren begeistern“, hofft Nash. „Wir bieten einen puren McLaren an, mit all dem, wofür McLaren steht: Kohlefaser-Monocoque, V8-Biturbo-Mittelmotor, einem herausragenden Leistungsgewicht und atemberaubenden Design. Und das bieten wir zum ersten Mal im Sportwagen-Segment, nicht mehr nur als Supersportwagen an.“ Die Leistung wird bei rund 500 PS liegen, der Preis deutlich unter 200.000 Euro.

Als erstes Modell der sogenannten „Sport Series“ – in Abgrenzung zur „Super Series“ mit 650S, 675LT und dem nur in Asien erhältlichen 625 – werden auf den P13 noch weitere Ableger folgen. Im Raum stehen zwei verschiedene Leistungsstufen und „mehr als eine Karrosserieform“, wie Nash im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online andeutet. 

Der Antrieb wird allerdings rein beim Verbrennungsmotor auf Basis des bekannten 3,8-Liter-V8 bleiben, ein Hybrid wie beim P1 ist für die kleineren Modelle nicht in Sicht. „Es würde mich nicht wundern, wenn es ab einem gewissen Level kommen wird“, sagt der Marketing-Direktor. „Das liegt aber noch in der Zukunft.“

Auto



Die Produktion der „Sport Series“ startet im Oktober, 2016 wird das erste volle Jahr auf dem Markt sein. McLaren erwartet dann 2500 Fahrzeuge von der „Sport Series“ – pro Jahr. Der gesamte Absatz soll sich bis 2017 glatt verdoppeln. Damit wären die Briten immer noch ein kleiner, aber für die Konkurrenz mehr als ernst zu nehmender Nebenbuhler bei den Luxus-Sportwagen.

Doch dazu muss vor allem erst einmal die Bekanntheit der Marke über die Formel 1 hinaus steigen. „Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Viele der starken Marken in unserem Segment sind sehr lange aktiv und über die Zeit weltweit bekannt geworden“, sagt Nash. „Neue Kunden gewinnt man aber auch, indem man einfach gute Produkte und ein gutes Kundenerlebnis schafft.“

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