Mercedes vor den Zahlen Glänzende Gewinne, solange Chipkrise und Nachholeffekte andauern

Mercedes-Benz Cars&Vans hat Zahlen für 2021 vorgelegt: Die Luxustrategie zahlt sich aus. Quelle: Bloomberg

Die Jahresergebnisse von Mercedes werden glänzend ausfallen, das Geschäft brummt. Wie gut die Automanager sind, zeigt sich aber erst, wenn sich die Halbleiterkrise entspannt und die Nachfrage nach Neuwagen gesättigt ist.

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Mercedes hat im vergangenen Jahr mehr Gewinn erwirtschaftet, als ursprünglich angenommen. Wie der Autobauer schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das Jahr 2021 mitteilte, lag der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) bei Mercedes-Benz Cars & Vans bei 14 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Und auch die Umsatzrendite landete mit 12,7 Prozent über der selbst gesteckten Spanne von zehn bis zwölf Prozent. Kurzfristig wirkt sich auch die Abspaltung des Lkw-Geschäfts positiv auf den Betriebsgewinn aus – Mercedes-Benz selber bezifferte den Effekt auf neun bis zehn Milliarden Euro.  
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Das ist ein beachtlicher Erfolg – obwohl es dabei eigentlich schade ist, dass Mercedes erst eine Halbleiterkrise brauchte, um endlich eine solche Traummarge zu verdienen. Denn der Mangel an Computerchips zwang das Management dazu, die knapp verfügbare Ware vorrangig in Autos mit höheren Margen einzubauen. Das knappe Gut Neuwagen ermöglichte es außerdem, deutlich weniger Rabatte zu vergeben. Keine Rabattschlacht, höhere Margen. So einfach ist das.

Premiumkrone gerade an BMW verloren

Doch bleibt das auch so, wenn der Halbleitermangel vorbei ist und alle wieder um Volumen und Absatz balgen? Zumindest will Mercedes die Marge in vergleichbaren Höhen halten, den Investoren hat man Renditen über zehn Prozent versprochen. So hat der im Mai 2019 angetretene Chef Ola Källenius eine Luxusstrategie ausgerufen – Mercedes soll vorrangig auf höherpreisige Modelle wie das Flaggschiff S-Klasse setzen. In der Kompaktklasse aber wird zusammengestrichen. Folge: Die Krone der weltgrößten Premiummarke verlor man jüngst an BMW. Angeblich ist das Källenius nun nicht mehr so wichtig, beim Absatz vorne zu sein. 

Und schon erwartet Mercedes Besserung in der Chipkrise. Ab der zweiten Jahreshälfte sei mit einer Entspannung zu rechnen, hieß es. Schon jetzt stiegen die Kapazitäten wieder, die Knappheit beschränke sich zunehmend auf einzelne Zulieferer und sei kein branchenweites Problem mehr. Doch gut ist das nicht unbedingt – denn bei den Neuwageninteressenten staut sich der Frust. Die prognostizierten Lieferzeiten wurden in den letzten Monaten immer länger – bei der G-Klasse etwa liegt sie schon bei Ende 2024. Für den deutschen Markt gibt es gar einen Bestellstopp, Kunden können die G-Klasse hierzulande nicht mehr konfigurieren. Vor wenigen Tagen folgte die gleiche Hiobsbotschaft für die Limousine der E-Klasse. Die Mercedes-Händler toben.

Wegen der steigenden Nachfrage bleiben Chips vorerst knapp

Mercedes wird daher noch einige Zeit auf der Welle der Knappheit surfen können – und die Marge und den Gewinn oben halten. Denn selbst wenn es bald wieder mehr Chips gibt, wird sich die Situation für die Kaufinteressenten nicht schnell entspannen. Das Stichwort der Stunde heißt: Nachholeffekte. Fuhrparkmanager, Autovermieter, Privatkunden – sie alle werden sich weiter um die verfügbaren Autos balgen. Mit der Menge der Chips wird also die Menge der produzierten Autos steigen – und das Problem mit den knappen Chips vorerst eins bleiben. Zumal die Nachfrage nach Halbleitern parallel zur Nachfrage nach Elektroautos steigt. Die benötigen schließlich mehr Computerchips als Verbrenner. 

Wie gut die Manager bei Mercedes also wirklich sind, wird sich daher erst zeigen, wenn die Nachfrage gesättigt ist. Denn dann wird sich der Neuwagenmarkt neu sortieren. Zumal mit den chinesischen Autobauern neue, elektrische und digitale Wettbewerber auf den Markt drängen. Sie bieten technisch überraschend gute Autos zu Kampfpreisen. Ob die neue Strategie von Mercedes fruchtet, ist also noch eine Frage der Zeit. 

Mehr zum Thema: Chinesen kaufen gern deutsche Autos – und umgekehrt? Das wird sich bald zeigen. Denn zahlreiche chinesische Autobauer greifen mit Elektromodellen in Europa an. Sie kommen mit viel Kapital, frischen Vertriebsideen – und vor allem als unschlagbar günstige Technologieführer.

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