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Mobiles Corona-Labor „Das Labor kommt zu den Probanden“

In dem Kleinbus, der bei flüchtiger Betrachtung aussieht wie ein normaler Krankenwagen, steckt alles, was die Hilfsdienste brauchen, um vor Ort zu testen. Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

Der Truckhersteller MAN hat ein mobiles Testlabor entwickeln lassen, das die Helfer im Kampf gegen Corona einen entscheidenden Schritt weiterbringen soll. Ein Blick ins Innere des Corona-Mobils.

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Dennis Affeld trägt Hemd und Jeans statt eines luftdichten Raumanzuges, und einen riesigen Sauger hat er auch nicht auf dem Rücken. Trotzdem könnte er als Kollege von Peter Venkman, Raymond Stantz und Egon Spengler durchgehen.

Denn genau wie die drei Parapsychologen damals bei den „Ghostbusters“ ist der Strategiechef bei MAN in einer wichtigen Mission für die allgemeine Gesundheit unterwegs. Nicht umsonst hat er in den letzten sechs Monaten ein mobiles Corona-Labor entwickelt, das jetzt gerade seine Jungfernfahrt macht und bald Dutzendfach zum Einsatz kommen soll.

„Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir schnelle und zuverlässige Testergebnisse bekommen“, hat er im Dialog mit Politik und Partnern aus Forschung, Medizin und Labortechnik gelernt und schimpft über aktuell noch viel zu lange Prozesse.

Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

Bis der Proband bei einem Arzt oder einem Testcenter ist, bis die Proben dann ins Labor geschickt, die Ergebnisse ausgewertet und wieder zurückgespielt sind, seien schnell zwei bis vier Tage vergangen. Zwei bis vier Tage, in denen gesunde Menschen möglicherweise umsonst in Quarantäne sind. Und schlimmer noch, in denen Infizierte lange Ketten von Kontakten generieren und womöglich zahlreiche Personen anstecken.

Um diese Zeit dramatisch zu verkürzen, will er den Spieß umdrehen: „Nicht der Proband kommt zum Labor, sondern das Labor kommt zu den Probanden.“ Und statt vor Ort nur den Abstrich zu machen, werden die Proben auch gleich vor Ort analysiert und online an Behörden, Mediziner oder den Auftraggeber der Untersuchung übermittelt. „Statt vier Tagen vergehen so keine 45 Minuten, bis man Bescheid weiß“, sagt Affeld und lenkt den Blick auf jenen TGE-Transporter, der für ihn so wichtig ist wie der legendäre Cadillac Miller-Meteor einst für die Ghostbusters.

Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

In dem Kleinbus, der bei flüchtiger Betrachtung aussieht wie ein normaler Krankenwagen, steckt alles, was die Hilfsdienste brauchen, um vor Ort zu testen, sagt der MAN-Manager stolz und skizziert dutzende möglicher Einsatzszenarien: Nicht nur Hotspots in Schulen, Krankenhäuser oder Seniorenzentren könnten auf diese Weise untersucht und wohl abgekühlt werden.

Das mobile Labor eigne sich auch zur Prävention: Firmenveranstaltungen, Messen oder Kongress, Konzerte oder sportliche Wettkämpfe könnten abgesichert werden, wenn alle Teilnehmer vorher die Tests durchlaufen. Dabei ist das mobile Labor nicht nur schnell, sondern auch fleißig: 60 Proben können pro Durchlauf analysiert werden, rechnet Affeld vor. Und wenn die Besatzung eingespielt ist und nicht viel Zeit beim Fahren verliert, kommen pro Tag schnell 500 bis 800 Corona-Tests zusammen.

Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

Möglich machen das 16 so genannte Vivalytic-Analysegeräte, die Bosch vor einigen Wochen auf den Markt gebracht hat. Sie arbeiten nach der so genannten PCRT-Methode, die bislang als der zuverlässigste Corona-Nachweis gilt, und sind mit einer Durchlaufzeit von 39 Minuten obendrein die schnellsten am Markt. Allerdings kostet jede dieser Maschinen rund 25.000 Euro, sagt Affeld und erklärt damit, warum das Testmobil rund 620.000 – 640.000 Euro kostet – gut dreimal so viel wie ein voll ausgestatteter Rettungswagen oder zwölfmal so viel wie der nackte TGE. Und dabei ist der mit 177 PS-Diesel, Allradantrieb und Achtgangautomatik schon vom oberen Ende der Modellpalette.

Diese Testgeräte sind, vom Bordnetz mit 220 Volt-Strom versorgt und mit Lüftern gekühlt, im Heck des TGE montiert wie eine Batterie vom Kaugummi-Automaten und werden gefüttert mit speziellen Kartuschen, in denen jeweils fünf Röhrchen mit dem Wattepfropf des Abstrichs und den Reagenzien stecken. Nur wenn eine Charge positiv markiert, müssen die fünf Proben noch einmal einzeln untersucht werden, erläutert Affeld das so genannte Pooling, das dramatisch Zeit spart.

Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

Neben den Testgeräten baut MAN binnen sechs Wochen weitgehend von Hand ein paar Arbeitstische und Schränke ein, die nur auf den ersten Blick aussehen wie die Küche in einem nüchternen Wohnmobil. „Der Ausbau wurde mit dem Medizinischen Hilfswerk für Seuchenschutz abgestimmt und erfüllt deshalb ganz andere Anforderungen“, erläutert Affeld: Die Oberflächen sind besonders leicht zu desinfizieren, der Boden hat keinerlei Fugen, in denen sich Viren festsetzen könnten, und zum Beispiel die Spüle arbeitet berührungslos. Außerdem gibt es etwa für die benutzten Schutzanzüge keimdichte Behälter, die obendrein außen am Fahrzeug angebracht sind.


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Jetzt hofft Affeld, dass möglichst schnell möglichst viele Laborbetriebe, Medizindienstleister, Hilfsdienste oder auch große Unternehmen den Anti-Viren-Van kaufen und hat in weiser Voraussicht schon mal ein paar Fahrzeuge vorproduzieren lassen. Dabei denkt er nicht nur ans Geschäft, sondern auch an die Gesellschaft, die so vielleicht doch noch um einen allgemeinen Lockdown herumkommt und dem lokalen Schnelltest sei Dank bald vielleicht sogar wieder zu Kongressen oder Konzern gehen darf. Das Virus aufhalten, kann das Corona-Mobil zwar nicht. Aber es kann bei seiner Eindämmung helfen, die Behörden entlasten und das Leben wieder in etwas normalere Bahnen lenken. Dann kann MAN-Manager Affeld vielleicht bald auch wieder ins Kino gehen. Schließlich soll im nächsten Frühjahr ein neuer Ghostbusters-Film anlaufen.

Mehr zum Thema: Zum Herbst steigt die Nachfrage nach Corona-Tests. Caravan-Hersteller Hymer hat dazu eine besondere Idee.

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