Mobilitätswende Fährt das Elektroauto besser im Abo?

Trotz der ausgedehnten staatlichen Förderung: Das Hauptargument gegen den Umstieg auf ein Elektroauto sind noch immer die Anschaffungskosten. Quelle: Unsplash

Viele Autofahrer können sich inzwischen einen Umstieg auf ein elektrisches Fahrzeug vorstellen. Dennoch geht die Mobilitätswende nur langsam voran. Können Auto-Abos die Lösung bringen?

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Das Auto der Zukunft fährt elektrisch – da sind sich die meisten einig. Für die deutsche Bundesregierung ist „Elektromobilität ein wichtiger Baustein der Energiewende“. Und jeder zweite deutsche Autofahrer kann sich die Anschaffung eines E-Autos inzwischen grundsätzlich vorstellen – nicht zuletzt aus Gründen des Umweltschutzes. Dennoch machten batteriebetriebene Fahrzeuge im vergangenen Jahr nur 0,64 Prozent der Wagen auf deutschen Straßen aus. Und bei einigen E-Modellen sind mit den kaufkräftigsten zehn Prozent der Bevölkerung zwei Drittel der Kunden bereits abgedeckt. Denn aller staatlichen Förderprämien zum Trotz: Das Hauptargument gegen den Umstieg auf ein Elektroauto sind noch immer die Anschaffungskosten. Auch die Sorge vor einem Wertverlust ist mit Blick auf die neuartige Antriebstechnologie groß.

Kann ein Flatrate-Modell nach dem Prinzip von Netflix oder Spotify helfen, die E-Mobilität in Deutschland schneller voranzubringen? Zumindest ließe sich damit die Akzeptanz von Elektroautos in Zukunft steigern, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Ein sogenanntes Auto-Abo könne Autofahrern viele Unsicherheiten und Sorgen nehmen, die mit dem Umstieg auf die E-Mobilität verbunden sind.

Dudenhöffers privatwirtschaftliches CAR-Institut hat gerade in einer Studie untersucht, wie Autofahrer auf Auto-Abos und Elektroautos reagieren. Die Kombination aus beidem sei „eine Win-Win-Strategie“, fasst Dudenhöffer die Ergebnisse zusammen. „Auto-Abos nehmen den Kunden alle Risiken, die vermeintlich mit dem Umstieg auf die Elektromobilität verbunden sind“, sagt Dudenhöffer. „Genau das ist ihr großer Vorteil.“

Bei Auto-Abos erhalten Kunden für einen monatlichen Festbetrag, der je nach Vertragslaufzeit und gewähltem Fahrzeugmodell variiert, eine Art All-Inclusive-Paket: „Alle Dinge, die Autofahrer womöglich als unangenehm empfinden, übernehmen wir: von Reifenwechsel bis Versicherung“, erläutert Alexander Kaiser von Fleetpool. Das Kölner Unternehmen steckt hinter Abo-Marken wie Like2drive und Eazycars und betreibt Abo-Dienste für mehrere Automobilhersteller. Zu seinen Konkurrenten auf dem deutschen Markt zählen unter anderem Sixt+ und Start-ups wie Vive La Car aus Stuttgart oder Finn aus München.

2021 nutzten laut Schätzungen des Duisburger CAR-Instituts 52.500 Menschen in Deutschland ein Auto-Abo. Mit Blick auf die Gesamtzahl der zugelassenen Pkw entspräche das einem Anteil von weniger als 0,2 Prozent. Dennoch: Trotz Corona-Pandemie und Zulieferungsschwierigkeiten habe sich der Markt für Auto-Abos in den vergangenen beiden Jahren gut entwickelt, heißt es in der Studie. Noch sei die Möglichkeit eines Auto-Abos in der Bevölkerung zwar „sehr wenig bekannt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer. Aber: „Wenn man den Menschen das System dahinter vernünftig erklärt, dann werden sie schnell dafür offen.“

Ein E-Auto-Abo würde Autofahrern den Wechsel erleichtern

Für die Studie hatten die Wissenschaftler sowohl Autofahrer befragt, die bereits ein Abo-Angebot nutzen, als auch potenzielle Neuwagenkäufer, die zuvor noch nicht mit dem Abo-Modell in Berührung gekommen waren. 52 Prozent der befragten Abo-Nutzer gaben dabei an, noch nie ein E-Auto gefahren zu sein – 93 Prozent könnten sich einen Wechsel aber vorstellen. 64 Prozent dieser Gruppe zeigten sich davon überzeugt, dass ihnen das Abo den Umstieg erleichtern würde. Fast die Hälfte der Befragten ohne Vorkenntnisse zu Auto-Abos sah das genauso. Konkret mit marktgerechten Angeboten konfrontiert, käme für 72 Prozent von ihnen beim Wechsel auf ein Batteriefahrzeug ein Abo-Modell in Frage.



Doch bei aller Flatrate-Euphorie, die diese Studienergebnisse verbreiten mögen: Bislang war das Auto-Abo nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Das gilt vor allem ausgerechnet für seine Kombination mit Elektroautos. So hatte sich 2020 etwa das Schweizer Start-up Juicar mit einem reinen E-Auto-Abo auf den deutschen Markt gewagt – und seinen Dienst schon nach wenigen Monaten wieder eingestellt. Zur Begründung schrieb das Unternehmen damals: „Wir haben unsere zukünftige Position auf dem abonnementbasierten Mobilitätsmarkt sorgfältig geprüft und beschlossen, uns mit sofortiger Wirkung aus diesem Nischenmarkt zurückzuziehen.“

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Waren die Schweizer vor zwei Jahren einfach zu ungeduldig? „Noch sind E-Autos im Abo ein Nischenthema, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Zukunftsmodell ist“, sagt jedenfalls Forscher Ferdinand Dudenhöffer. „Alles hat eben mal klein angefangen. Diese Entwicklung geht nicht von heute auf morgen vonstatten, sondern nur Stück für Stück.“

Mehr zum Thema: Ob Tesla, Polestar oder Renault Zoe: Mit gefragten Batterie-Fahrzeugen wollen Start-ups Autos im Abo etablieren. Doch die schlechte Verfügbarkeit bremst die Wachstumspläne.

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