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Mobius Motors in Afrika Der Deutsche, der den Kenianern Autos verkaufen soll

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Von Wolfsburg über Tschechien und Shanghai nach Nairobi

Er wächst auf in Wolfsburg, wo seine Eltern einen Autobetrieb leiten. Nach einem IT-Studium in Braunschweig steigt Schröder bei VW ein: zunächst im Bereich Forschung und Entwicklung, dann im Export für Südosteuropa und arabische Länder. Eines Tages klingelt sein Telefon und der damalige VW-Vertriebs- und Marketingvorstand Robert Büchelhofer meldet sich, er brauche einen neuen Assistenten. „Wir haben uns schnell gut verstanden“, sagt Schröder. Er lernt viel über die Mehrmarkenstrategie, über Corporate Identity, über die Neupositionierung von Audi als Premiummarke.

2003 wird Schröder befördert zum Marketingchef der tschechischen Automarke Skoda. Mit seiner Frau zieht er in die Kleinstadt Mlada Boleslav, eine Stunde nördlich von Prag. Schröder verantwortet das weltweite Skoda-Marketing, entstaubt die graue Marke im VW-Reich mit neuen Messeständen, neuer Designsprache, neuer Produktpalette, mit dem Roomster, dem Yeti, und dem neuen Werbespruch „simply clever“.

Ausflug in die Energiebranche

Sein ehemaliger Skoda-Vorgesetzte Detlef Schmidt lotst ihn rund zwei Jahre später zurück nach Deutschland und in eine andere Branche: Schmidt ist nun Marketingchef des Energieversorgers EnBW in Karlsruhe, und Schröder baut als Bereichsvorstand eine Infrastruktur für E-Mobilität auf. „Doch dann kam Fukushima“, sagt Schröder. Im Frühjahr 2011 entscheidet die Bundesregierung den Atomausstieg, und EnBW verfügt seinerzeit über die größte Anzahl an Nuklearkraftwerken. „Es war schnell klar, dass EnBW in schwieriges Fahrwasser gerät.“

Wieder hilft Schröder sein Netzwerk: Volker Steinwascher, der ehemalige USA-Chef von Volkswagen, macht ihm ein Angebot. In China baut er die Automarke Qoros auf, da kann er jemanden wie Schröder gut gebrauchen. Die Schröders, mittlerweile zu viert, ziehen kurzerhand nach Shanghai. Schröder verantwortet die Markteinführung von Qoros: Vertrieb, Marketing, Händlernetz, Personal, Produktangebot.

Zu jener Zeit hat der britische Jungunternehmer Joel Jackson bereits die ersten Mobius-Prototypen in Kenia bauen lassen. Über Veranstaltungen, Branchentreffen und Empfehlungen kommt der Kontakt zu Schröder zustande, der Mitte 2015 wieder nach Karlsruhe gezogen ist. Anfang 2016 fängt Schröder schließlich bei Mobius in Nairobi an, Frau und Kinder bleiben in Karlsruhe.

Der afrikanische Kontinent ist untermotorisiert

Wieder muss sich Schröder auf einen neuen Markt einstellen. Und im Vergleich zum europäischen und chinesischen ist der Automarkt in Afrika geradezu unterentwickelt. Die 1,3 Milliarden Afrikaner stehen für rund 17 Prozent der Weltbevölkerung, kaufen aber laut der Nachrichtenagentur Reuters nur etwa ein Prozent aller weltweit gehandelten Neuwagen. 85 Prozent davon entfallen allein auf Südafrika. Auf dem afrikanischen Kontinent kommen auf 1000 Einwohner gerade mal 44 Fahrzeuge; im weltweiten Durchschnitt sind es 180.

Aber auf niedrigem Niveau wächst es sich schneller. Laut Deloitte gibt es Schätzungen, wonach die Zahl der verkauften Autos auf dem afrikanischen Kontinent von derzeit 1,55 Millionen auf bis zu zehn Millionen innerhalb der kommenden 14 Jahre ansteigen könnte. Und in der ostafrikanischen Community (Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania und Südsudan) könnte sich die Fahrzeugmenge in den kommenden zehn Jahren auf 500.000 pro Jahr verdoppeln.

Deloitte-Experte Martyn Davies zufolge sind von den rund 87.000 Autos, die pro Jahr in Kenia gekauft werden, lediglich 16 Prozent Neuwagen. Marktführer sind auch hier asiatische Hersteller, allen voran Isuzu, Toyota und Mitsubishi. Doch um den Optimismus von Schröder ob der 506 Mobius-Vorbestellungen nachvollziehen zu können, hilft ein Blick in die Statistik der Kenya Motors Industry Association (KMI): Der Organisation zufolge würde Mobius damit namhafte Hersteller auf dem kenianischen Markt weit übertrumpfen, wie Volkswagen (272 verkaufte Fahrzeuge im vergangenen Jahr), Mercedes-Benz (196) und Renault (130). Die große Mehrheit der Kenianer aber kauft nach wie vor japanische und südkoreanische Importautos aus zweiter oder dritter Hand. Deshalb, sagt auch Craig Parker, Afrika-Verantwortlicher des US-Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan, werde der Erfolg einheimischer Autohersteller maßgeblich davon abhängen, wie wirkungsvoll afrikanische Regierungen die Einfuhr von Gebrauchtwagen begrenzen.

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