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Motorsport Formel Iiiiiih

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Einführung eines nachhaltigem Reglement

Ferrari als WM-Dritter kommt auf die Extraprämie von 99 Millionen und ist damit Spitzenreiter. Quelle: AP

In der britischen Premier League im Fußball geht es um einen ähnlich großen Marketingkuchen, dort bekommt aber die Mannschaft auf Platz 20 etwa 60 Prozent von dem, was der Meister kassiert. Das hält den Wettkampf in der gesamten Liga offener und gesünder. In der Formel 1 drohen hingegen den Top-Teams die Gegner auszugehen. Schon ist davon die Rede, dass die verbleibenden Rennställe im Notfall drei Rennwagen an den Start bringen müssen. Spannender und wertvoller wird es damit auch nicht unbedingt. Eine kleine Hoffnung gilt einem – unbekannten – Geldgeber aus den USA, der sich die freie Lizenz für den zwölften Platz kaufen will. Aber mit ominösen Investoren hat man zuletzt keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Das schwerste der 19 Rennen ist auch in diesem Jahr wieder der Überlebenskampf.

Denn die Formel 1 ist schlichtweg zu teuer. Die Kosten werden praktisch unverändert hoch gehalten, aber die Geldgeber werden immer weniger: Erst mussten die Tabak- und Alkoholfirmen die Rennstrecken verlassen, dann gingen mit dem Bankencrash die großen Finanzdienstleister, schließlich zogen sich Automobilkonzerne wie BMW und Toyota zurück. Doch die Formel 1 ist groß darin, den Zustand der realen Welt gelegentlich zu ignorieren. Es wird immer so viel Geld ausgegeben, wie zur Verfügung steht. Was dazu führt, dass die Cockpits für die am 16. März in Melbourne beginnende neue WM-Saison vorrangig nach Höhe der Mitgift vergeben wurden, erst dann nach dem Können. Jedenfalls bei den Mittelfeldrennställen, und die fangen mit dem viertplatzierten Lotus-Team an. Kimi Räikkönen hat die Truppe des Luxemburger Investors Gerard Lopez verlassen, weil seine Gagen nicht pünktlich gezahlt wurden, Ersatzmann ist der Venezolaner Pastor Maldonado, mit einem 40-Millionen-Euro-Tank vom Staatskonzern PSVDA ausgestattet. Selbst das Schweizer Sauber-Team,

das nicht nur sprichwörtlich für Seriosität stand, war im Sommer kurz davor, die Werkstore für immer zu schließen. Dabei ist Sauber immer mit der Zeit gegangen, war sportlich erfolgreich und zuverlässig, und vertraut mit Monisha Kaltenborn der ersten Teamchefin der Formel-1-Geschichte. Doch bei ausbleibenden Sponsorengeldern und bei aller Effizienz immer noch zu hohen Unterhaltskosten blieb dem 70 Jahre alten Patron im nationalen Fernsehen mit einer Abbitte bei den Gläubigern nur die Flucht nach vorn: „Eigentlich gibt es keine Luft mehr. Wir hangeln uns von Ast zu Ast – aber wir hangeln noch.” Dank einer Mischfinanzierung von einer Investorengemeinschaft aus Russland und dem mexikanischen Konzern Telmex. Große Sprünge sind damit nicht drin.

Die Risiken im finanziellen Grenzbereich erscheinen momentan größer als die sportlichen. Ausgerechnet jetzt aber, wo mehr als die Hälfte der Branche Existenznöte hat, wird ein neues Reglement eingeführt. Kompakte Sechszylinder-Turbos, Energierückgewinnung, Verbrauchsreglement. Das ist wunderbar nachhaltig, und macht die Autos zwar nicht hübscher, aber den Sport vielleicht besser. Insider glauben zwar, dass durch die zu erwartenden technischen Unzuverlässigkeiten vor allem der Siegeszug der Vierfach-Weltmeisters Sebastian Vettel gestoppt werden soll, aber der Paradigmen-Wechsel war längst vor der großen Red-Bull-Langeweile beschlossen. Alle Teams außer den Konzernrennställen von Ferrari und Mercedes müssen jetzt das Doppelte an Leihgebühr für Motoren und Ladeeinheiten berappen, 20 Millionen Euro und mehr pro Jahr. Gut möglich, dass die prinzipiell vernünftige und zeitgemäße technische Orientierung sogar eines der Kundenteams killt.

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