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Motorsport Formel Iiiiiih

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Lösung des Nachfolgeproblems nicht in Sicht


Kürzlich brachte Ecclestone (rechts) den Red-Bull-Teamchef Christian Horner (links) als Nachfolger ins Gespräch. Allerdings scheint dies nur einer seiner typischen Scherze gewesen zu sein. Quelle: AP

Dass der Wettbewerb durch Regeländerungen wie der doppelten Punktevergabe beim Finale künstlich spannend gemacht werden soll, spricht hingegen für die Sorge der Macher um ihr Produkt. Die großen Vermarktungsmöglichkeiten in den digitalen Medien hat die Formel 1 als Ganzes verschlafen, obwohl sie neben Olympia, Fußball-WM und Superbowl das weltweit populärste Sportereignis ist. Ein Generationenproblem, offenbar. Ecclestone ist ein Mann des analogen Funkgeräts, nicht der digitalen Welt. Obwohl sich die Mehrzahl der Rennen vom Kernmarkt Europa hin nach Asien, in den Mittleren Osten und auch wieder in nach Nordamerika verlagert hat, wird den neuen Zuschauergruppen nicht wirklich Rechnung getragen.

Das fängt schon bei der Nachfolgeregelung an: Mister E. denkt weder an seine drei Töchter, noch überhaupt an irgendjemand, den er ins Vertrauen ziehen will. Die Kandidatur des Red-Bull-Teamchefs und Ecclestone-Trauzeugen Christian Horner scheint nur einer seiner typischen jokes gewesen zu sein. Das ist die wahre Sorge der Rennställe und der Investoren: Dass nach einem Abtritt des Zampanos in der PS-Manege Hauen und Stechen herrschen, und der Neid-Faktor die ganze Geschäftsbasis ruiniert. So gesehen ist das Milliarden-Unternehmen Formel 1 nicht anders organsiert als ein mittelständisches Familienunternehmen, in dem der Patriarch zu lange an der Allmacht festhält.9336810

Frohsinn verbreitet nur die gezeichnete Weihnachtskarte, die aus dem Hauptquartier des Formula One Management (FOM) am Londoner Princes Gate kam: In einem Hochzeits-Cartoon vermählen sich Ecclestone und sein Gegenspieler, der FIA-Präsident  Jean Todt. Als Priester fungiert Luca di Montezemolo, der Ferrari-Präsident. Rennfahrer und Teamchefs werfen vor Begeisterung Schriftstücke in die Luft, jenes Concorde Agreement, dass den Formel-1-Frieden garantieren soll. Aber das Grundgesetz, über das jahrelang gestritten wurde, ist ein trügerisches Stillhalteabkommen. Es verpflichtet zwar alle unterzeichnenden, bis zum Ende des Jahrzehnts im Grand-Prix-Sport zu bleiben. Wenn Ecclestone vor Gericht tatsächlich schuldig gesprochen werden sollte, dann könnte beispielsweise Mercedes per entsprechender Klausel im Vertrag aussteigen. Das gebieten die Regeln zur Corporate Governance in Stuttgart. Nur mit dieser Einschränkung hatte Unterhändler Niki Lauda das längerfristige Formel-1-Bekenntnis in der Silberpfeil-Zentrale durchbekommen. Und auch Großsponsoren sind ähnlichen ethischen Grundsätzen verpflichtet.

Die Rennställe untereinander wollen der Misere jetzt selbst Herr werden. Dieser Versuch der Selbstreinigung hat, historisch gesehen, noch selten viel gebracht. Allerdings steht diesmal den meisten das Wasser gleichermaßen hoch bis zum Hals. Für 2015 soll daher ein verbindliches budget cap beschlossen werden. Die bisherigen, sanfteren Maßnahmen wie die Einschränkung der Windkanalzeiten, die Personalstärke, die Anzahl der Testtage waren häufig nur Kosmetik, und konnten trickreich umgangen werden. Die Höhe des Kostenrahmens aber wird entscheidend sein. Warum sollte Red Bull seinen offiziellen 230-Millionen-Etat um beispielsweise freiwillig um 100 Millionen Euro verringern? Und selbst wenn: Hinterbänkler würden ja ohnehin  nie auf 150 Millionen Euro kommen Zum Vergleich: Michael Schumachers erster WM-Titel kostete Benetton nur schlappe

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40 Millionen Euro. Aber über die Etatgrenze ist noch gar nicht gesprochen worden, dazu soll erst im Sommer eine Arbeitsgruppe gebildet werden. Der Branchenblog von auto, motor und sport höhnt schon im Voraus: „Die Teams sind zu dumm zu sparen.“ Ein kränkelndes System vom Patienten selbst kurieren lassen, das erscheint selbst für eine unerschrockene Branche wie die Formel 1 gewagt. Denn eine größere Anzahl von Egoisten findet sich kaum im Profi-Sport, Missgunst ist der größte Feind der Solidarität. Ecclestone kann das nicht unrecht sein, denn über die Zerstrittenheit unter den Protagonisten konnte er bislang stets die eigene Machtposition wieder stärken, selbst in Krisenzeiten.

Radikalmaßnahmen wie die Parole des ehemaligen Rennfahrers und BMW-Rennleiters Gerhard Berger („Bei allen Budgets gehört eine Null hinten weg“) sind kaum durchzusetzen. Doch selbst Mercedes-Sportchef Torger Wolff fragt ketzerisch: „Die Teams mit den höchsten Ausgaben stecken drei oder viermal so viel Geld hinein wie andere Rennställe. Ist das nachhaltig und gesund?“ Die Antwort gibt sich der Österreicher selbst: „Nein.“

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