Nach dem Rücktritt Die Selbstdemontage des ADAC

Der ADAC macht momentan nur Fehler: Nicht einmal den Rücktritt von Präsident Peter Meyer bekommt der "Gelbe Riese" gesichtswahrend hin. Die Chronologie eines schwarzen Montags für den Club.

ADAC-Präsident Meyer ist zurückgetreten. Quelle: dpa

Seit ziemlich genau einem Monat liefert der ADAC nun schon den Stoff für ein denkwürdiges Schauspiel, doch der gestrige Montag übertrifft alles bisher da gewesene. Was zum Wendepunkt in der Affäre hätte werden können, gerät zu einem neuen Tiefpunkt: Der Rücktritt des Clubpräsidenten Peter Meyer (64) mutiert zu einem obskuren Akt der Selbstzerstörung. Der gelbe Riese erlebt einen schwarzen Montag, mit Verlierern allerorten – und mit Folgen, die über den Tag hinaus wirken dürften. Ein kurzer Abriss der Ereignisse:

Punkt 13 Uhr gibt Meyers Regionalclub, der ADAC Nordrhein, eine Pressemitteilung heraus und teilt mit, dass Meyer als Chef des Bundesverbands zurücktritt. Die Entscheidung sei „von ihm allein und sorgfältig überlegt gefällt“ worden. Aus Rücksicht auf seine Familie, aber auch, weil er „nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“ wolle für Entscheidungen hauptamtlicher Führungskräfte. Die erste Spitze Richtung München.

Etwa eine Stunde später meldet sich die ADAC-Zentrale in München ebenfalls mit einer Pressemitteilung. Der ADAC e.V. nehme „den Rücktritt seines Präsidenten Peter Meyer zur Kenntnis. Damit übernimmt dieser die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen gegen den Verein erhoben wurden.“ Der Schuldzuweisung folgt ein Gegenangriff Richtung Meyer: „Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise des ADAC und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung hat das Präsidium des ADAC am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Peter Meyer beschlossen.“ 

Um 16.42 Uhr meldet sich Meyer wiederum über den ADAC Nordrhein zu Wort – und platziert eine scharfe Attacke. Er übernehme „nicht die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe“, schließlich entscheide das Präsidium „als Gremium stets gemeinsam und mehrheitlich.“ Deshalb habe er auch einen geschlossenen Rücktritt des Präsidiums vorgeschlagen, was „sicherlich ein wichtiges und besseres Signal gewesen wäre.“ Auch das Suspendierungsverfahren bestreitet Meyer, ein solches könne aus formalen Gründen gar nicht eingeleitet worden sein.

Angriff und Gegenangriff, Rücktritt und Nachtritt, würdeloses Wirrwarr. Am Ende des Tages stehen nur Verlierer. Meyer wie auch der Verein sind zusätzlich beschädigt. Dabei war der Rücktritt des Chefs die perfekte Gelegenheit, den Kopf wieder über Wasser zu bekommen. Denn Meyer – ob berechtigt oder nicht – war zum Gesicht einer Affäre geworden, die mit Schummeleien bei einem mehr oder minder unbedeutenden Autopreis ihren Anfang genommen hatte und in einem Dauerfeuer immer neuer Vorwürfe mündete. Obwohl längst nicht alle davon stimmig waren, hatte es der Club nicht mehr geschafft, sich kommunikativ zu befreien. Meyer schien dabei die Trophäe zu sein, die die Medienmeute unbedingt erbeuten wollte. Fast jeder neue Vorwurf wurde ihm medial persönlich zur Last gelegt, und wenn er schon nicht im Einzelnen involviert gewesen sei, dann trage er doch die Gesamtverantwortung.

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