Nach Explosion in Tianjin Toyota verlängert Produktionsstopp

Nach der Explosionskatastrophe im chinesischen Tianjin will der Autohersteller Toyota seine Produktion weiter aussetzen. Damit droht dem einstigen Weltmarktführer in China erneut ein Rückschlag.

Verbrannte Autos in Tianjin Quelle: REUTERS

Toyota wird die Produktion in seinen Werken nahe des Hafens im chinesischen Tianjin nach der Explosionskatastrophe noch mindestens bis nächste Woche aussetzen. Da die Sicherheit in der Gegend nach wie vor nicht garantiert sei, werde die Fertigung nicht wie zunächst geplant am Donnerstag wieder hochgefahren, teilte der japanische Auto-Hersteller am Mittwoch mit. Ob am kommenden Montag in Tianjin wieder Wagen vom Band laufen könnten, sei ebenfalls noch ungewiss. Damit droht dem einstigen Weltmarktführer, der gerade von Volkswagen überholt wurde, in China erneut ein Rückschlag.

Toyota hat in der Nähe des verwüsteten Hafens zwei Fertigungsstätten und eine weitere Anlage in einem anderen Stadtteil. Der Produktionsverlust wird auf etwa 2200 Autos pro Tag geschätzt. Eine weitere Fertigungsstätte im Nordosten Chinas müsse wegen fehlender Teile aus Japan für zwei Tage aussetzen.

Die Angst vor der Giftwolke
Auch vier Tage nach den verheerenden Explosionen im Hafen der nordostchinesischen Millionenstadt Tianjin wütet das Feuer weiter. Aus Furcht vor giftigen Gasen ordneten die Behörden am gestrigen Samstag die Räumung eines Gebiets in einem Umkreis von drei Kilometern an. Quelle: AP
Die erste Reaktion der Feuerwehrleute in Tianjin auf den verheerenden Brand war womöglich dramatisch falsch. Sie versuchten das Feuer offenbar mit Wasser zu löschen - und könnten damit weitere Explosionen des dort lagernden Natriumcyanids ausgelöst haben. Quelle: REUTERS
Die Zahl der Opfer stieg nach Angaben der Behörden vom Sonntag auf 112. Am Wochenende wurde der Katastrophenort von neuen Explosionen erschüttert. Staatliche Medien berichteten, dass in einem Speicher 700 Tonnen des hochgiftigen Natriumcyanid gelagert wurden - 70 Mal mehr als vorgesehen. Quelle: AP
Unter den Opfern sind nach derzeitigen Stand mindestens 21 Feuerwehrleute. Damit ist das Unglück für chinesische Feuerwehrleute bereits jetzt das schlimmste in mehr als sechs Jahrzehnten. Wütende Familienangehörige von vermissten Feuerwehrleuten stürmten die Pressekonferenz der Regierung am Samstag und forderten mehr Informationen. Quelle: REUTERS
Medien berichteten, die Reinigung der Gegend von chemischen Stoffen werde vorbereitet. Über der Unglücksstelle flogen Hubschrauber. In der Luft lag ein metallischer chemischer Gestank, über die Regen-Vorhersage gab es Unbehagen, obwohl es warm und windig war. Quelle: dpa
Papst Franziskus betete vor Tausenden auf dem Petersplatz in Rom für die Opfer und Angehörigen. Quelle: AP
Die Behörden müssen noch die vollständige Liste der auf dem Gelände gelagerten Chemikalien ermitteln. Staatsmedien berichteten, es habe dort eine große Menge an Natriumzyanid gegeben, das leicht entzündbar ist, wenn es in Kontakt mit Wasser oder sogar nur feuchter Luft kommt. Quelle: AP

Bei der Explosion in dem Hafen vor einer Woche kamen mindestens 114 Menschen ums Leben. Unter den zahlreichen Verletzten waren auch mindestens 67 Angestellte von Toyota, wie der Konzern weiter mitteilte. Die genaue Ursache für die Explosionen ist noch immer unklar. Die Behörden bestätigten inzwischen, dass am Unglücksort 700 Tonnen des hochgiftigen Stoffes Natriumzyanid gelagert wurden.

Wie die deutschen Autobauer muss Toyota nun bei der Einfuhr von Fahrzeugen nach China auch auf andere Häfen ausweichen. Tianjin ist Chinas größter Umschlagplatz für importierte Autos. Vorübergehend werde Toyota wohl auf die Häfen in Shanghai und Dalian setzen, sagte ein Konzern-Manager, der namentlich nicht zitiert werden wollte. "Der Hafen von Tianjin wird wohl für eine lange Zeit nicht nutzbar sein, ich habe keine Ahnung derzeit, wie lange die Unterbrechung anhalten wird." Ein Toyota-Sprecher bestätigte die Überlegungen.

VW bleibt trotz Dieselgate vor Toyota
Toyota – 1. Halbjahr 2016Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor. Quelle: AP
Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben. Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen. Quelle: dpa
BMW – 1. Halbjahr 2016Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus? Quelle: dpa
Audi – 1. Halbjahr 2016Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an. Quelle: obs
Daimler – 1. Halbjahr 2016BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „ Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
Porsche – 1. Halbjahr 2016Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar. Quelle: dpa
Toyota – Gesamtjahr 2015Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen. Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft. Quelle: dpa

VW liefert Fahrzeuge derzeit ebenfalls über Shanghai sowie über Guangzhou nach China. Beeinträchtigungen bei Auslieferungen an die Kunden gebe es aber kaum, hieß es beim Wolfsburger Konzern. BMW leitet nach Angaben eines Sprechers rund 2000 Fahrzeuge, die sonst pro Woche über Tianjin nach China importiert werden, nach Shanghai um. Renault und der Subaru-Hersteller Fuji Heavy Industries setzen ebenfalls auf Shanghai als Alternative.

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