Nach Le-Mans-Sieg Porsche verlängert LMP1-Programm bis 2018

Im Juni gelang Porsche gerade einmal im zweiten Jahr nach der Rückkehr der Triumph in Le Mans über Dauersieger Audi. Beflügelt vom Erfolg hat Porsche das Motorsport-Programm verlängert – auch für bessere Serienautos.

Die neuen Kraftprotze
Sie sind verflucht schnell, aber auch verdammt kompliziert: Die Rennwagen mit Hybridantrieb, die am kommenden Wochenende bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen und in der WEC um den Titel des Langstrecken-Weltmeisters kämpfen. Die so genannten Le Mans-Prototypen (LMP1) sind technische Wunderwerke, aerodynamisch perfektioniert, ultraleicht und mit enormem Aufwand auf höchste Effizienz getrimmt. Technische Basis für die Fahrzeuge ist eine ausgeklügelte Formel, die den Kraftstoffverbrauch limitiert und die Potenziale zur Energie-Rückgewinnung auf der Strecke belohnt. Wie dieses Ziel erreicht wird – mit welchen Motoren, Energiespeichern und Rekuperationstechniken – bleibt den Herstellern überlassen. So sehen die Super-Rennwagen von Audi und Porsche, Toyota und Nissan zwar auf den ersten Blick ganz ähnlich aus. Bei näherem Hinsehen zeigen sich jedoch große Unterschiede. Quelle: Audi
Toyota TS040 HybridDer Langstrecken-Weltmeister des Vorjahres geht in Le Mans mit einem weiterentwickelten Hybridsystem an den Start. Angetrieben wird die Flunder von einem Achtzylinder-Saugmotor mit 3,7 Litern Hubraum und einer Leistung von offiziell über 530 PS, der an der Hinterachse arbeitet. Ihm assistiert ein Elektromotor, der über 300 PS mobilisiert. Toyota gewinnt Bremsenergie an der Vorderachse zurück und speichert diese in einem Kondensator, einem so genannten Supercap. Dieser hat zwar nur eine eingeschränkte Speicherkapazität, ist aber in der Lage, die gespeicherte Energie in weniger als drei Sekunden ins Antriebssystem zurück zu speisen. Toyota startet in der sogenannten Sechs-Megajoule-Klasse – so viel elektrische Energie steht den Japanern pro Runde zur Verfügung. Quelle: Toyota
Toyota tritt dieses Jahr in Le Mans mit zwei Autos an. Wagen Nummer 1: Sébastien Buemi (Schweiz), Anthony Davidson (England), Kazuki Nakajima (Japan) Wagen Nummer 2: Alex Wurz (Österreich), Stéphane Sarrazin (Frankreich), Mike Conway (England) Quelle: Toyota
Audi R18 e-tron quattroDas allradgetriebene Auto des 13-fachen Le Mans-Siegers wird wie schon im Vorjahr von einem Sechszylinder-Dieselmotor mit vier Litern Hubraum angetrieben, der dank Turboaufladung auf eine Leistung von 558 PS (21 PS mehr als im Vorjahr) und ein Drehmoment von über 850 Newtonmeter kommt. Weil das Auto diesmal in der Klasse 4 Megajoule startet (so viel elektrische Energie darf das Auto pro Runde maximal verbrauchen), wurde auch der Elektromotor des Hybrid-Systems stärker: Er bringt nun 272 PS auf die Vorderachse und damit 40 PS mehr als im Vorjahr. Die beim Bremsen anfallende Energie wird wieder in einem Schwungrad zwischengespeichert. Quelle: Audi
Audi tritt wie gewohnt mit drei Autos an. Obwohl die Ingolstädter 2014 in Le Mans gewonnen haben, kleben dieses Jahr die Startnummern 7, 8 und 9 auf den Karbonflundern. Die Startnummern stammen aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Und die hat vergangenes Jahr Toyota gewonnen. Wagen Nummer 7: André Lotterer (Deutschland), Benoit Tréluyer (Frankreich), Marcel Fässler (Schweiz) Wagen Nummer 8: Oliver Jarvis (England), Lucas di Grassi (Brasilien), Loic Duval (Frankreich) Wagen Nummer 9: Marco Bonanomi (Italien), Filipe Albuquerque (Portugal), René Rast (Deutschland) Quelle: Audi
Porsche 919 Hybrid Bei der zweiten Generation des Porsche 919 Hybrid koppeln die Stuttgarter einen kleinen, leichten und sparsamen Vierzylinder-Benziner mit einem leistungsstarken Elektroantrieb. Der turboaufgeladene Verbrennungsmotor mit zwei Litern Hubraum wirkt auf die Hinterachse und kommt auf eine Leistung von deutlich über 500 PS. Das E-Kraftwerk an der Vorderachse leistet über 400 PS – genauere Zahlen nennt Porsche nicht. Nur so viel: In Summe mobilisiert der Antrieb knapp 1000 Pferdestärken. Energie gewinnt Porsche gleich auf zweierlei Weise zurück. Genutzt wird nicht nur die Bremsenergie an der Vorderachse, sondern mit Hilfe einer Turbine und eines Stromgenerators auch die Abgasströmung. Gespeichert wird der Recyclingstrom in einer flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie – einer Eigenentwicklung von Porsche. Bis zu 8 Megajoule elektrische Energie darf der Rennwagen pro Runde zurückgewinnen – mehr ist derzeit nicht erlaubt. Quelle: Porsche
Beim Debüt 2014 trat Porsche noch mit zwei Autos an und erlaubte sich bei den Startnummern ein kleines Zahlenspiel: Ein Wagen fuhr mit der 20, der andere mit der 14. Da die Zuffenhausener dieses Jahr aber drei Autos ins Rennen schicken, klappt das nicht mehr. Wagen Nummer 17: Timo Bernhard (Deutschland), Mark Webber (Australien), Brendon Hartley (Neuseeland) Wagen Nummer 18: Romain Dumas (Frankreich), Marc Lieb (Deutschland), Neel Jani (Schweiz) Wagen Nummer 19: Nico Hülkenberg (Deutschland), Earl Bamber (Neuseeland), Nick Tandy (England) Quelle: Porsche
Nissan GT-R LM NismoDer Rennwagen des zweiten japanischen Teams unterscheidet sich konzeptionell ganz deutlich von seinen Wettbewerbern. Der drei Liter große und von zwei Turboladern angefachte V6-Benziner liegt im Bug des Wagens und treibt mit 550 PS die Vorderräder an. Dazu gesellen sich zwei mechanische Schwungräder, die die Bremsenergie auffangen und die gespeicherte Kraft beim Beschleunigen etwa aus einer Kurve auf die Vorderachse lenken. Angeblich sollte das System in der 8-Megajoule-Klasse bis zu 1200 PS mobilisieren. Da Nissan aber Zweifel an der Zuverlässigkeit des Hybridsystems hat, starten die Japaner nur in der 2-Megajoule-Klasse – mit entsprechend weniger Leistung. Um diese Kraft auf die Straße zu bringen, sind die Vorderreifen deutlich breiter als die Reifen an der Hinterachse. Da auch alle Kühler im Vorderbau angeordnet sind und die Auspuffrohre und Turbolader nach oben rückten, ergab sich Platz für zwei tunnelartige Konstruktionen in Längsrichtung, die für einen Ansaugeffekt und maximalen Anpressdruck an der Hinterachse sorgen sollen. Während die Fahrzeuge der Wettbewerber bei Rennen im britischen Silverstone und belgischen Spa schon ihre Feuertaufe hinter sich gebracht werden, erlebt das „Batmobil“ von Nissan erst in Le Mans seine Premiere. Die Japaner gehen deshalb als Herausforderer an den Start. Quelle: Nissan
Nissan tritt bei der Premiere in diesem Jahr gleich mit drei Autos an. Wagen Nummer 21: Tsugio Matsuda (Japan), Lucas Ordonez (Spanien), Mark Shulzhitskiy (Russland) Wagen Nummer 22: Harry Tincknell (England), Alex Buncombe (England), Michael Krumm (Deutschland) Wagen Nummer 23: Max Chilton (England), Jann Mardenborough (England), Olivier Pla (Frankreich) Quelle: Nissan

Porsche hat sein LMP1-Motorsport-Programm bis einschließlich 2018 verlängert. Das hat der Vorstand des Sportwagenbauers beschlossen, wie Porsche am Donnerstag mitteilte. Beim diesjährigen Rennen in Le Mans siegte ein 919 Hybrid von Porsche mit dem Deutschen Nico Hülkenberg, dem Neuseeländer Earl Bamber und Briten Nick Tandy am Steuer.

„Der Rennsport ist ein wichtiger Teil der Markenidentität von Porsche, allerdings nicht als Selbstzweck, sondern mit einem Technologieauftrag für zukünftige Straßenfahrzeuge“, wird Porsche-Chef Matthias Müssler in der Mitteilung zitiert. „Der Wettbewerb auf der Rennstrecke trägt Früchte, und wir sehen weiteres Synergie-Potenzial. Deshalb verlängern wir das Programm.“

Das Reglement der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC schreibt für werkseitig eingesetzte Le-Mans-Prototypen der Klasse eins (LMP1) eine Hybridisierung vor und begrenzt die pro Runde zur Verfügung stehende Energiemenge aus Kraftstoff und Strom. Porsche hat mit einem Zwei-Liter-Vierzylinder und einem großen Elektromotor das radikalste Konzept der dauerhaften WM-Teilnehmer gewählt. Audi fährt mit einem V6-Diesel, Toyota mit einem V8-Saugmotor.

„Der über 500 PS starke Benzinmotor ist das effizienteste Triebwerk, das wir bislang gebaut haben, und unsere Energierückgewinnungssysteme sind die umsatzstärksten im gesamten Starterfeld“, sagt Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz. „Kein anderer Hersteller kann bislang acht Megajoule elektrische Energie auf einer Runde in Le Mans bereitstellen. Es ist leicht zu erkennen, dass die sportliche Herausforderung unsere Ingenieure zu Höchstleistungen antreibt.“

Fun Facts zu den 24 Stunden von Le Mans

Am Wochenende findet das vierte von acht Rennen der WEC-Saison statt. Erstmals gastiert die Weltmeisterschaft auf dem Nürburgring in Deutschland, wo ein Sechs-Stunden-Rennen ausgetragen wird.

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