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Neuer Chef Seat fährt weiter hinterher

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Kein hoffnungsloser Fall


Seat Leon SC auf dem 83. Autosalon in Genf. Quelle: dpa

Und obwohl der spanische Automarkt unter dem Eindruck der Banken- und Schuldenkrise mehr oder minder zusammengebrochen ist, legte Seat auf dem Heimatmarkt im vergangenen Jahr um über 15 Prozent zu. Und in Deutschland war Seat dank des Leon und des ebenfalls von Stardesigner Luc Donckerwolke sehr ansehnlich gestylten Kleinwagens Ibiza mit einem Absatzplus von 22 Prozent die am stärksten wachsende Volumenmarke.

Trotz des sperrigen Markenclaims „Enjoyneering“ (der zum Ausdruck bringen soll, dass das Unternehmen und seine Ingenieure voller Ideen stecken) hat es die Marke geschafft, bei Autokäufern Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und das nicht nur in Deutschland: Seat ist mittlerweile in 77 Ländern weltweit präsent. 83 Prozent der gesamten Produktion werden inzwischen exportiert, bis hin nach Mexiko, China und Russland. Muir wollte aus Seat eine Weltmarke machen – das immerhin hat er geschafft. Auch die Profitabilität hat sich in seiner Zeit in Barcelona deutlich verbessert: Die operativen Verluste, die 2009 noch auf 391 Millionen Euro beliefen, sanken bis zum Jahresende 2012 um zwei Drittel auf 134 Millionen Euro. Dazu trug allerdings auch die Produktion des Audi Q3 im Werk Martorell.

Nein, Seat ist kein hoffnungsloser Fall. Das Unternehmen, das vom Konzern lange als Stiefkind behandelt wurde, ist durchaus auf einem guten Weg. Das Produktportfolio der Sociedad Espanola de Automoviles de Turismo wächst ebenso wie die Produktivität und die Auslastung des Riesen-Werks in Martorell. Dort, wo theoretisch über 500.000 Autos produziert werden könnten, liefen im vergangenen Jahr – inklusive des Audi-SUV - lediglich 377.000 Fahrzeuge vom Band. „Wir haben kein Ertrags-, sondern ein Volumenproblem“, hatte Muir schon vor zwei Jahren erkannt.

Auto



Neue Modelle wären nötig, vor allem ein Nachfolger für die Mittelklasselimousine Exeo – eine Zweitverwertung eines Audi A4 älterer Bauart. Während die Markenschwester Skoda mit dem Yeti von der steigenden Nachfrage nach kompakten SUVs profitiert, durfte Seat für dieses Segment bislang nur ein Showcar produzieren. Auch ein kleiner Sportwagen würde gut zu Seat passen, zumal Alfa Romeo – das italienische Gegenstück zu Seat - dieses Segment preisgegeben hat. Aber auch hier reichte es bislang nur zu einem Prototypen.

Jürgen Stackmann ist ein guter Marketing- und Vertriebsmann. Aber mit den Fähigkeiten allein wird auch er Seat nicht zu einer Ertragsperle machen können. Wichtiger wäre es, das „Monster“, wie das Riesenwerk in Martorell intern genannt wird, mit neuen Autos zu füttern. Mit neuen Seats – oder auch Autos anderer Marken.

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