Neuer "Consumer Report" Testbericht bringt Tesla-Aktie unter Druck

Die meisten Tesla-Kunden sind mit ihrem Elektroauto mehr als zufrieden. Laut einem US-Verbrauchermagazin häufen sich jetzt aber Beschwerden über die Zuverlässigkeit – postwendend bricht die Aktie ein.

Tesla Model S: Beim aktuellen Jahrgang hat ein US-Verbrauchermagazin die Bewertung gesenkt. Quelle: REUTERS

Für die einen ist Tesla ein vollkommen überbewerteter Hype, für die anderen der Autobauer der Zukunft. Beim Markenwert hat der US-Elektroautobauer etablierte Firmen wie etwa den Fiat-Chrysler-Konzern bereits überholt, doch Tesla verkauft weniger als 100.000 Autos im Jahr. Tesla will stark wachsen. Doch ein aktueller Vorfall zeigt, dass Tesla noch eine große Wette auf die Zukunft ist.

Das US-Testmagazin "Consumer Reports", das das Model S bislang als extrem zuverlässig eingestuft hatte, stellte dem Elektroauto nach einer erneuten Umfrage ein deutlich schlechteres Zeugnis aus. Bei einem großen Autokonzern sorgt eine schlechtere Bewertung eines Modells für etwas negative Publicity, nicht mehr. Bei Tesla hingegen war die Reaktion eine andere: Der Aktienkurs des Elektroauto-Pioniers brach ein, in der Spitze um mehr als elf Prozent. Zum Börsenschluss notierte die Aktie bei einem Kurs von 213,03 Dollar noch 6,6 Prozent tiefer.

Kursentwicklung der Tesla-Aktie

Was war passiert? Bei einer Umfrage unter 1400 Besitzern des Fahrzeugs seien eine ganze Reihe von Klagen laut geworden, berichtete das Magazin am Dienstag. Dazu gehörten Probleme mit der Ladetechnik, dem Antriebsstrang und den Anzeigen. Daher könne der Wagen nicht mehr empfohlen werden. Für viele Anleger offenbar Grund genug, sich panisch von der Aktie zu trennen.

Das Magazin wies jedoch auch darauf hin, dass trotz der Beschwerden über die Zuverlässigkeit 97 Prozent der Model-S-Besitzer angegeben hätten, sie würden das Auto wieder kaufen. Dabei werde die schnelle Reaktion des Tesla-Kundendienstes als ein Faktor zitiert. Eine Tesla-Sprecherin erklärte, man pflege einen engen Kontakt zu den Kunden, um Störungen schnell und unkompliziert beseitigen zu können.

Elon Musk feiert seinen neuen Wagen
Ein Auftritt im Apple-Stil: Tesla-Chef Elon Musk präsentiert das erste komplett strombetriebene SUV „Model X“ unter Jubel-Rufen. Quelle: Stefan Hajek
Dass Elektro-Auto, das auch noch mit massiver Verspätung auf den Markt kommt, mal so gefeiert wird, hätten sich lange nur wenige Branchenkenner träumen lassen. Quelle: Stefan Hajek
Der Stadt-Geländewagen hat sieben Sitze in drei Reihen. Quelle: REUTERS
Platz genug für die ganze Familie, wie eine Live-Demonstration beweist. Die familienfreundliche Ausstattung soll auch Frauen stärker ansprechen. Quelle: Stefan Hajek
Optisches Highlight: Die nach oben öffnende Flügeltüren. Die sollen vor allem in engen Parklücken hilfreich sein. Quelle: REUTERS
Nachteil des Falken-Türen-Konzepts: Platz für einen Dachgepäckträger ist nicht. Dafür bietet Tesla allerdings diese zusätzliche Alternative an. Quelle: PR
Das Model X soll ähnlich viel Fahrspaß bereiten wie die E-Limousine Model S. Quelle: REUTERS

Die Sorge der Anleger: Wenn Tesla wie geplant die Produktion des Model S weiter hochfährt und gleichzeitig die Fertigung des jüngst vorgestellten Elektro-SUV Model X startet, könnte die Qualität schwerer zu überwachen sein – die zunehmenden Beschwerden im "Consumer Report" deuten sie als erste Anzeichen dafür. Der Druck auf die Techniker und Ingenieure in der Fabrik im kalifornischen Fremont ist zumindest hoch, denn bereits jetzt halt Tesla mehr Model S gefertigt als im gesamten Jahr 2014. Damals liefen 31.655 Elektrolimousinen vom Band, in diesem Jahr sollen 55.000 Autos ausgeliefert werden.

"Seit sie das Volumen und die Komplexität ihrer Autos erhöht haben und weitere Features anbieten, haben sie zu kämpfen", sagt Jake Fisher, Director of Automotive Testing beim "Consumer Report". "Wenn das Model X hinzukommt ist die Frage, ob sie die Qualität zurückgewinnen können." Von Problemen beim Produktionsanlauf sind auch große Autobauer nicht gefeit, Volkswagen hatte zum Beispiel wiederholt Produktionsausfälle im Wolfsburger Stammwerk, als die Fertigungsanlagen auf den Modularen Querbaukasten MQB umgestellt wurden. Auch bei dem Produktionsstart des neuen Touran soll es dem Vernehmen nach zu Problemen gekommen sein.

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Noch im August hatte das Model S P85D von "Consumer Reports" für die Leistungsdaten die beste Bewertung in der Geschichte des einflussreichen Magazins erhalten. Allgemein gebe es eine "beunruhigende Zunahme von Problemen" bei einer ganzen Reihe von Fahrzeugen auf dem Markt, die mit Hilfe neuer Getriebearten den Verbrauch senken wollten, erklärte die Redaktion.

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