Neuer Produktionschef Überraschendes Stühlerücken bei BMW

Eine langjähriger Führungskraft geht, ein Kronprinz rückt weiter auf und ein früherer Audi -Manager kommt. Der neue Produktionschef Harald Krüger könnte in ein paar Jahren sogar Konzernchef werden.

Harald Krüger war bisher Vorstand für die Marken Mini und Rolls-Royce. Quelle: Presse

Wie BMW am Donnerstag mitteilte, verlässt Produktionschef Frank-Peter Arndt zum 1. April den Münchner Autobauer aus gesundheitlichen Gründen. Dies sei sein eigener Wunsch gewesen. Sein Nachfolger wird der bislang schon als Hoffnungsträger gehandelte Harald Krüger, der derzeit im Vorstand für die Marken Mini und Rolls-Royce sowie für die Motorradsparte zuständig ist. Krüger werden große Chancen eingeräumt, in einigen Jahren Konzernchef zu werden. Krügers Aufgaben übernimmt künftig der Vertriebsmann Peter Schwarzenbauer, ursprünglich ein BMW-Gewächs, zuletzt aber beim Rivalen Audi tätig.

BMWs Stärken und Schwächen
Stärke 1: Sicherheit durch Großaktionäre: Seit mehr als 50 Jahren hat BMW einen Großaktionär, um den die Münchener in der Branche beneidet werden. Gut 48 Prozent der Stimmrechte halten Johanna Quandt sowie ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten. Am Bekenntnis zu dem Erbe ihres Vaters lassen die Kinder wenig Zweifel: Beide nehmen als Mitglieder des Aufsichtsrats aktiv Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens. Das Ergebnis ist eine stetige Unternehmenspolitik, die den Kapitalmarkt nicht mit kurzfristigen Renditen beeindrucken will. Dennoch fährt BMW Spitzengewinne ein und schüttet in diesem Jahr eine Rekorddividende aus. Quelle: dapd
Strategin und Hauptaktionärin Susanne Klatten lenkt die Geschicke des Autobauers BMW: Regelmäßige Strategiewechsel wie bei Daimler („integrierter Technologiekonzern“, „Welt AG“) sind den Münchenern fremd. Stattdessen punktet BMW mit frühzeitigen Weichenstellungen im Kerngeschäft. So investierte BMW in Spritspar-Techniken und hat damit heute einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Daimler. Für die Zukunft haben sich die Quandts und BMW noch einiges vorgenommen. Insbesondere Susanne Klatten hat mit ihrem Einstieg bei SGL Carbon eine strategische Entscheidung getroffen. In einem Joint Venture produzieren der Autobauer und der Chemiekonzern Karosserien aus Kohlefaser in Serie. VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist düpiert. Als VW überraschend SGL-Anteile kaufte, sicherten sich Klatten und BMW kurz darauf eine Sperrminorität. Quelle: dpa
Stärke 2: Volle Kassen. Noch nie war BMW so profitabel wie heute. Längst operiert die Autosparte deutlich über dem Zielkorridor von acht bis zehn Prozent Umsatzrendite. Das Ergebnis ist eine schon fast überbordende Liquidität. Inzwischen hortet der Konzern Barmittel von mehreren Milliarden Euro. Noch ist unklar, was die Münchener mit dem Geld vorhaben. Die Aktionäre sollen eine Dividende erhalten, fast die Hälfte davon geht an die Großaktionäre der Quandt-Familie. Ein weiterer Teil steckt der Konzern in die Entwicklung alternativer Antriebe. BMW produziert mit dem i3 das erste deutsche Elektroauto in Großserie und will in den nächsten Jahren als erster Autohersteller der Welt weitere Modelle mit Karosserien aus Kohlefaser in großen Stückzahlen an den Markt bringen. Quelle: dapd
Außerdem steht die Erweiterung der Produktion in China auf dem Programm, in Russland und den USA sollen ebenfalls die Fertigungen ausgebaut werden. Ein Großteil des Geldes dürfte jedoch als Polster für schlechte Zeiten dienen und sichert BMW am Kapitalmarkt ab. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren aufgrund seiner guten Finanzlage sein Rating deutlich verbessert. Als ausgeschlossen gilt ein Zukauf in der Autosparte. BMW hatte 1994 den Massenhersteller Rover übernommen und war anschließend in Schieflage geraten. Quelle: dapd
Stärke 3: Die Marke ist ein Magnet. Das wohl größte Vermögen der Münchener schlummert in ihren Markenwerten. BMW, Mini und Rolls-Royce sind weltweit ausgezeichnet positioniert. Die Kunden sind bereit, mehr zu zahlen als für ein Allerweltsprodukt. Alleine BMW wird mittlerweile auf einen Markenwert von über 22 Milliarden Dollar geschätzt, damit ist die Marke deutlich mehr wert als die Konkurrenten Daimler und Audi. In den guten Namen wird reichlich investiert. So eröffneten die Münchener für fast eine halbe Milliarde Euro ein Abholzentrum direkt neben dem Stammwerk. Die „BMW-Welt“ gilt mittlerweile als die größte Touristenattraktion der Stadt und zieht mehr Besucher an als das Schloss Neuschwanstein. Quelle: Reuters
Peinlich genau wird das Emblem angebracht. Und peinlich genau legt BMW Wert auf strikte Markentrennung. Mini, BMW und Rolls-Royce laufen über strikt getrennte Vertriebskanäle. In Markenlabors werden Verkäufer und Händler geschult, um die Zielgruppen klar voneinander zu trennen. Die Aufteilung lautet: Mini ist hip und cool, BMW steht für Sachlichkeit und Präzision, Rolls-Royce ist der Luxus für die Superreichen. Angedockt werden Submarken. So startet unter dem Namen "BMW i" ein Label für die geplanten Elektroautos. Der hohe Markenwert hilft aber nicht nur dem Absatz. BMW zählt bei Umfragen seit Jahren zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland - ein wichtiger Trumpf im Kampf um die Köpfe von morgen. Quelle: Reuters
Stärke 4: Vorreiterrolle beim Leichtbau. Der „i3“ verfügt neben einem vollelektrischen Antrieb auch über eine Karosserie aus Kohlefaser. Das bereits im Flugzeugbau erprobte Material soll das Gewicht der Batterien kompensieren und dem „i3“ einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen. Gemeinsam mit dem Kohlefaserspezialisten SGL Carbon wurde ein Joint Venture gegründet, um die Kohlefaser in den USA herzustellen. BMW selbst verarbeitet den Werkstoff in den Standorten Wackersdorf, Landshut und Leipzig. An dem strategisch wichtigen Zulieferer SGL Carbon haben der Autobauer und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten jetzt kombiniert 43 Prozent und damit gegenüber Volkswagen mit acht Prozent das Sagen. Der Nachteil: Noch ist Kohlefaser mindestens um den Faktor zehn teurer als Stahl und schwer zu verarbeiten. Nur hohe Stückzahlen und große Fortschritte im Verarbeitungsprozess machen eine solche Produktion rentabel. Die wahren Kosten des Abenteuers Kohlefaser lassen sich für BMW und seine wichtigste Anteilseignerin bislang nur erahnen. Quelle: Reuters

Mit den drei Neubesetzungen im achtköpfigen Vorstand will BMW auch 2013 den Widrigkeiten im Automarkt trotzen und den Gewinn weiter steigern. 2012 erzielten die Münchner trotz Krise im Kernmarkt Europa ein Rekordergebnis. Außerdem muss die Konkurrenz auf Abstand gehalten werden - sowohl Audi als auch Daimlers Oberklasse-Marke Mercedes haben sich auf die Fahnen geschrieben, BMW bis 2020 von der Spitze im Premiumsegment zu verdrängen.

Noch liegen die Münchner bei den Verkaufszahlen vorn, doch Audi rückte zuletzt näher. Schwarzenbauer hatte bei dem Konkurrenten als Vertriebschef für kräftige Zuwächse in den USA gesorgt. Die Oberklasse-Hersteller profitieren davon, dass ihre teuren Limousinen und Geländewagen in den USA und China weiter gefragt sind. So können sie Rückgänge im Heimatmarkt Europa wettmachen, wo sie fast die Hälfte ihres Absatzes erzielen. Allerdings belastet die Krise in Europa den Gewinn, weil Rabatte an der Tagesordnung sind. Auch in China forderte die Kundschaft zuletzt Nachlässe.

Wie viel Autobauer ihren Mitarbeitern zahlen
Porsche hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 200.000 Autos verkauft – mit 225.121 Autos legte der Absatz um 19 Prozent zu. Treiber für das kräftige Absatzwachstum ist das Kompakt-SUV Macan, das in seinem ersten vollen Produktionsjahr mit mehr als 80.000 Einheiten auf Anhieb zum meistverkauften Modell der Zuffenhausener aufgestiegen ist. Porsche zahlt seinen Tarifmitarbeitern für 2015 eine Prämie von 8.911 Euro. Davon werden 8.211 Euro direkt ausgezahlt, 700 Euro gibt es als Sonderbeitrag zur Porsche-eigenen Betriebsrente oder der privaten Altersvorsorge. Im Leipziger Werk – wo das Erfolgsmodell Macan gefertigt wird – werden aber nur wenige Arbeiter in den Genuss des Boni kommen – ein großer Teil der Belegschaft ist hier über Werkverträge angestellt und ist damit von der Sonderzahlung ausgeschlossen. Die gibt es nur für die Tarifmitarbeiter. Die Porsche-Mutter Volkswagen hat wegen des Abgasskandals seine Bilanzpressekonferenz auf den 28. April verschoben und somit die Höhe der Mitarbeiterprämie noch nicht genannt. Klar ist nur: Trotz der Kosten des Abgasskandals wird es einen Bonus für die rund 100.000 Stamm-Beschäftigten geben. Vorstandschef Matthias Müller und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hätten sich auf eine Anerkennungsprämie geeinigt, hieß es in einem Artikel der Mitarbeiter-Zeitschrift "Mitbestimmen". "Über die konkrete Höhe müssen wir uns in weiteren Gesprächen verständigen", sagte Osterloh der Zeitschrift. Die Prämie solle im Mai 2016 gezahlt werden. Quelle: dpa
2015 war ein herausragendes Jahr für BMW: Die Erlöse kletterten um 14,6 Prozent auf 92,2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte um 5,2 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro zu. Unterm Strich blieben 6,4 Milliarden Euro als Konzernüberschuss übrig - 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch die Mitarbeiter können sich über eine stattliche Erfolgsprämie freuen. Ein Facharbeiter der Gehaltsgruppe 5 soll für das abgelaufene Jahr eine Erfolgsbeteiligung von 8.375 Euro erhalten. Bei BMW wird nach Tarifgruppen unterschieden. Den vollen Bonus bekommt bei den Münchnern, wer seit vier Jahren beim Konzern ist. Vorher wird die Prämie anteilig ausgezahlt. Das Geld soll gegen Mitte des Jahres fließen. „Die Kolleginnen und Kollegen haben auch im vergangenen Jahr herausragende Arbeit geleistet“, erklärte Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch, „damit haben sie sich eine ordentliche Erfolgsbeteiligung verdient.“ Der Zuwachs bei der Prämie fällt allerdings für das vergangene Jahr mager aus. Die 8.375 Euro sind lediglich 10 Euro oder 0,1 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, während der BMW-Konzernüberschuss im vergangenen Jahr um 10 Prozent gestiegen war. BMW zahlt nichtsdestotrotz eine vergleichsweise hohe Prämie an seine Mitarbeiter – hier eine Übersicht der deutschen Autobauer. Quelle: dpa
Auch Audi hat bereits enthüllt, welche Prämie die Mitarbeiter bekommen sollen – und das ist weniger als im Vorjahr. Unter anderem wegen der Diesel-Affäre haben die Ingolstädter trotz Absatz- und Umsatzplus (58,4 Milliarden Euro, + 8,6 Prozent) weniger Gewinn gemacht. Wegen Rückstellungen für den Abgasskandal und steigenden Investitionen fiel das Betriebsergebnis um sechs Prozent auf 4,84 Milliarden Euro. Für die Tarifmitarbeiter an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm heißt das: Statt 6.540 Euro wir für das Geschäftsjahr 2014 werden für 2015 durchschnittlich nur 5.420 Euro ausbezahlt. Quelle: AP
Für Daimler war das 2015 ein Rekordjahr – noch nie hat der Stuttgarter Konzern so viel verkauft, umgesetzt und verdient wie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Daran sollen auch die Mitarbeiter teilhaben – oder zumindest die anspruchsberechtigten Beschäftigten, bei Daimler sind das rund 135.000 Tarifarbeiter. Mit dem April-Gehalt bekommen sie eine Prämie von 5.650 Euro ausbezahlt. Für Daimler ist das die bis dato höchste Summe. Für 2014 waren es noch 4.350 Euro – auch damals ein Rekord. Quelle: dpa
Porsche-Geschäftsjahr 2014:Die Erfolge des Sportwagenbauers Porsche zahlten sich auch für die Mitarbeiter aus. Die nach Tarifvertrag Beschäftigten der VW-Tochter bekamen für das Geschäftsjahr 2014 eine Sonderzahlung von 8.600 Euro. 700 Euro waren davon für die persönliche Altersvorsorge vorgesehen. Insgesamt konnten sich rund 14.600 der weltweit 22.400 Mitarbeiter von Porsche über das Extra freuen. Quelle: dpa
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG Quelle: dpa
Volkswagen-Geschäftsjahr 2014:Egal ob Kantinenpersonal, Fließbandarbeiter oder Ingenieur: Auf die Beschäftigten im VW-Haustarif prasselte im vergangenen Frühjahr abermals ein warmer Geldregen nieder. Auch wenn die Prämie von 5.900 Euro pro Kopf 300 Euro kleiner ausfiel als vor einem Jahr, bleibt die ausgeschüttete Gesamtsumme mit fast 700 Millionen Euro konstant – denn binnen Jahresfrist kamen rund 5.500 neue Mitarbeiter hinzu. Quelle: REUTERS

Für 2013 bekräftigte BMW das Ziel, weltweit erneut mehr Autos zu verkaufen. Neben Vertriebsvorstand Ian Robertson soll dafür der neue Markenchef Schwarzenbauer sorgen. Der 53-jährige Betriebswirt aus Bayern hatte seine Karriere bei BMW begonnen, später bei Porsche in den USA gearbeitet. Von 2008 bis 2012 war er Vertriebschef von Audi, fiel im vergangenen Jahr jedoch dem umfassenden Vorstandsumbau im VW-Imperium zum Opfer.

Topmanager Krüger sitzt seit 2008 im BMW-Vorstand, wo er schon als Personalchef als Hoffnungsträger galt, nicht zuletzt weil er einer der jüngsten im Führungsgremium ist. Dem Produktionsvorstand werden bei BMW traditionell große Chancen eingeräumt, ganz an die Spitze zu gelangen. Auch Vorstandschef Norbert Reithofer hatte diesen Posten bekleidet, ehe er die Konzernleitung übernahm. Sein Vertrag läuft 2016 aus. Dann könnte Reithofer Aufsichtsratschef Joachim Milberg beerben, der trotz Überschreiten der internen Altersgrenze von 70 Jahren für weitere drei Jahre im Amt bleiben soll.

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