+++Neuigkeiten zum VW-Skandal+++ Präsidium legt Mittwoch einen Zwischenbericht vor

In Braunschweig ist ein Ermittlungsverfahren gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn eingeleitet worden. Nach dpa-Informationen legt das Präsidium am Mittwoch einen Zwischenbericht zum Skandal vor. Die Meldungen im Überblick.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Winterkorn. Quelle: dpa

+++ Stadt Wolfsburg verhängt Haushaltssperre+++

Die wirtschaftlich extrem von der Autobranche abhängige Stadt Wolfsburg reagiert mit sofortiger Haushaltssperre und Einstellungsstopp auf den Abgas-Skandal beim Volkswagen-Konzern. „Auch wenn unsere Stadt schuldenfrei ist und wir Rückstellungen bilden konnten, sind deutliche Gewerbesteuereinbußen zu erwarten“, sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Der städtische Haushalt für 2016 sollte am 7. Oktober in den Rat der Stadt eingebracht werden, doch der Termin wurde verschoben. Der Haushalt soll nun im Frühjahr verabschiedet werden. Auch Braunschweig hat seine Haushaltsberatungen bis auf weiteres ausgesetzt.

+++ VW-Präsidium trifft sich am Mittwoch zur Krisensitzung +++

Das Präsidium des Aufsichtsrats kommt nach dpa-Informationen am Mittwoch erneut zu einer Krisensitzung zusammen, um den Skandal aufzuarbeiten. Dabei soll nach internen Ermittlungen ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden. Demnach fiel die Entscheidung zum Einbau der Manipulations-Software in Diesel-Fahrzeugen bereits in den Jahren 2005 und 2006, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale in Wolfsburg.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

+++ 1,2 Millionen Skoda-Fahrzeuge vom Abgas-Skandal betroffen+++

Von den Abgas-Manipulationen innerhalb des Volkswagen-Konzerns sind 1,2 Millionen Fahrzeuge der Konzernmarke Skoda betroffen, wie ein Skoda-Sprecher mitteilt. An der Aufgliederung nach Regionen und Modellen arbeite die tschechische VW-Tochter noch.

+++Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Winterkorn+++

Wegen des Vorwurfs des Betrugs hat nun die Staatsanwaltschaft Braunschweig ein Ermittlungsverfahren gegen den kürzlich zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn eingeleitet. "Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf dem Vorwurf des Betruges durch den Verkauf von Kraftfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten", heißt es in einem Schreiben der Staatsanwaltschaft.

Das Ziel der Ermittlungen sei es zunächt zu klären, inwiefern Winterkorn als VW-Vorstandschef verantwortlich war. Beim Autobauer müssen aber auch weitere mögliche Verantwortliche zittern. Denn weiter sei in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige der Volkswagen AG ohne Benennung eines Beschuldigten eingegangen. Somit könnten noch Ermittlungen gegen weitere VW-Verantwortliche folgen.

+++ In der Schweiz sind mehr als 128.000 Autos vom Abgas-Skandal betroffen+++

In der Schweiz sind nach Angaben des Volkswagen-Importeurs Amag 128.802 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns mit von Abgasmanipulationen betroffenen Dieselmotoren zugelassen. Es geht um Autos der Marken VW, Audi, Seat, Skoda, und VW Nutzfahrzeuge mit Dieselmotoren des Typs EA 189, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Amag hat den Verkauf von Neuwagen mit Dieselantrieb EU5 bis auf weiteres gestoppt, hier sind den Angaben zufolge einige hundert Autos betroffen.

+++ VW-Markenchef spricht mit Vertretern der EU-Kommission+++

VW-Markenchef Herbert Diess wird am Dienstag in Brüssel Gespräche mit der EU-Kommission führen. Der Top-Manager werde Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska treffen und über die jüngsten Entwicklungen informieren, teilte die EU-Kommission mit. Die Uhrzeit und weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Die EU-Kommission hatte jüngst die vollständige Aufklärung des Skandals von den nationalen Behörden verlangt. Diese sollten herausfinden, wie viele Autos mit manipulativer Software ausgestattet wurden.

+++Weltweit 2,1 Millionen Audis betroffen+++

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen trifft erwartungsgemäß auch die Tochter Audi. Wie ein Sprecher der Nobelmarke am Montag sagte, sind weltweit 2,1 Millionen Modelle betroffen. Der fragliche Motor sei in den Varianten mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum als Turbodiesel in den Typen A1, A3, A4 und A6, dem Sportwagen TT sowie den Geländewagen Q3 und Q5 verbaut worden.

Es gehe dabei nur um Dieselmotoren, die die Abgasnorm EU 5 erfüllen. Aktuelle Motoren, die bereits die gültige Norm EU 6 einhalten, seien wie auch bei den anderen Volkswagen-Marken nicht betroffen. Der Motor, der bei VW die interne Bezeichnung EA 189 trägt, wurde in etlichen Marken des Konzerns verwendet, etwa auch bei Skoda.

+++Volkswagen suspendiert drei Entwicklungsvorstände+++

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen sind Konzernkreisen zufolge drei weitere Vorstände beurlaubt worden. Die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jakob Neußer und Wolfgang Hatz seien von ihren Aufgaben entbunden worden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Manager übernahmen damit die technische Verantwortung für die Abgas-Affäre. Reuters hatte bereits vergangene Woche über den bevorstehenden Abgang der Manager berichtet.

Am vergangenen Mittwoch war Konzernchef Martin Winterkorn zurückgetreten. Er hatte damit die politische Verantwortung für den Skandal übernommen, der den Ruf des weltweit größten Autobauers ramponiert hat. Als seinen Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller. Er soll die Aufklärung vorantreiben und verlorenes Vertrauen für Volkswagen zurückgewinnen.

Einem Insider zufolge wehrt sich Hackenberg gegen seine Suspendierung. Der Manager war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt. Er gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen. Weder Audi noch VW und Porsche wollten sich zu der Beurlaubung der drei Entwicklungschefs äußern.

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