WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Nicht nur in Asien Coronavirus führt zu massiven Produktionsausfällen bei der Autoindustrie

Seite 2/2

Fertigungszahlen bis zu ein Drittel unter Plan

Sollte sich die Situation noch vier oder mehr Wochen hinziehen und die Werke in den angrenzenden Provinzen müssten die Arbeit ebenfalls einstellen, sind die Auswirkungen schlimmer als ohnehin schon. In diesem Szenario ist nach Berechnungen der Analysten von IHS zu erwarten, dass die chinesische Lieferkette aufgrund von Teilemangel in Hubei, dem wichtigsten Drehkreuz für Komponenten, und der Schließung angrenzender Provinzen für den größten Teil des Monats Februar unterbrochen werden könnte. Das würde nach Angaben der Experten von IHS für das erste Quartal einen möglichen Produktionsausfall von mehr als 1,7 Millionen Einheiten bedeuten, was einem Rückgang von 32,3 Prozent gegenüber den Planungen vor dem Coronavirus entspricht.

BMW beispielsweise produzierte zusammen mit Joint-Venture-Partner Brilliance im Jahre 2019 in China über 530.000 Fahrzeuge; mehr als 10.000 pro Woche. Die Produktionsunterbrechung bei BBA wurde nach den chinesischen Neujahrsferien um zwei Wochen zunächst bis zum 16. Februar verlängert. Unter dem Strich heißt das bereits jetzt mehr als 20.000 Fahrzeuge der Baureihen BMW 1er, 3er, 5er oder X1 / X2 / X3, die auf dem chinesischen Markt fehlen. In ähnlichen Dimensionen sind die Einbußen bei Audi und Mercedes.

Auch Volumenhersteller Volkswagen, die Nummer eins in China, ist unter Druck. „Die Joint Ventures FAW-Volkswagen und Saic Volkswagen der Volkswagen Group China haben ihre Produktionspläne aktualisiert. Wir arbeiten hart daran, zu normalen Produktionsprozessen zurückzukehren, sehen uns jedoch Herausforderungen gegenüber, die auf einen verzögerten landesweiten Neustart der Lieferketten sowie eingeschränkte Reisemöglichkeiten für Produktionsmitarbeiter zurückzuführen sind“, sagt Nicolas Thorke, Pressesprecher von Volkswagen in China, „beide Joint Ventures gehen davon aus, dass spätestens Anfang nächster Woche die Produktion in allen Werken wieder aufgenommen werden kann. Angesichts der aktuellen Herausforderung in China wissen wir, dass der Kauf neuer Autos keine Priorität hat.“

Elf der insgesamt 31 Provinzen auf dem chinesischen Festland hatten angekündigt, dass sich die Rückkehr zur Arbeit für alle nicht wesentlichen Geschäfte um eine zusätzliche Woche nach der bereits verlängerten chinesischen Neujahrsferienperiode verzögere. Die Provinzen Hubei, Shanghai, Guangdong, Chongqing, Zhejiang, Jiangsu, Anhui, Yunnan, Fujian, Jiangxi und Shandong sind nach IHS-Angaben für mehr als zwei Drittel der chinesischen Fahrzeugproduktion verantwortlich. Bereits bis zum Anfang dieser Woche rechnet IHS mit einem Ausfall von mehr als 350.000 Einheiten; ein Minus von sieben Prozent.

„FAW-Volkswagen beobachtet die Situation, hat seine Fahrweise den Erfordernissen entsprechend angepasst und arbeitet intensiv daran, zu einem normalen Produktionsprozess in den Werken zurückzukehren. Im Laufe der Woche, respektive Anfang kommender Woche plant das FAW-VW Joint Venture, die Produktion in den Werken wieder hochzufahren“, sagt Audi-Produktionssprecherin Kathrin Feigl, „es zeichnen sich keine Lieferengpässe von Komponenten bei FAW-VW ab. Die Kommunikation mit Kunden fokussiert sich derzeit auf das Online-Geschäft.“

Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass sich die japanische Autoindustrie die Auswirkungen des Corona Virus würde vom Leib halten können. Ende der Woche muss mit Nissan das erste Werk in Japan eine Pause machen. Quelle: Presse

Autohersteller wie Nissan, Toyota und Honda kündigten eine Verzögerung der Wiederaufnahme des Betriebs in ihren chinesischen Werken nach der Neujahrsferienperiode an, um die Öffentlichkeit zu Hause zu halten und die Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass sich die japanische Autoindustrie die Auswirkungen des Coronavirus würde vom Leib halten können. Doch Ende der Woche muss mit Nissan auch das erste Werk in Japan eine Pause machen.

Die Japaner setzen zunächst am Wochenende die Fertigung im Werk Kyushu in der Präfektur Fukuoka aus, da es an dringend benötigten Fahrzeugteilen mangelt. Am kommenden Montag will Nissan im gleichen Werk zudem eine Linie für Exportfahrzeuge stilllegen, bis neue Teile geliefert werden. Nach IHS-Informationen haben die beiden betroffenen Fertigungslinien eine tägliche Kapazität von rund 2300 Fahrzeugen.

Doch es gibt auch positive Signale. Tesla hat seine Fertigung im noch jungen Werk in Shanghai als einer der ersten wieder aufgenommen und General Motors erwartet zum Wochenende einen gestaffelten Produktionsstart in seinen chinesischen Joint-Venture-Werken. GM unterhält aktuell sieben Werke in China mit dem Joint-Venture-Partner SAIC, drei in Shanghai und zwei in der besonders betroffenen Region Wuhan. Die Gesamtproduktion aller sieben Werke wurde im vergangenen Jahr nach der Prognose von IHS auf 1,64 Millionen Einheiten geschätzt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%